Rodieck-Zwillinge und Appelt machen Schluss

Erfolgreiche Karrieren: Wiebke (links) und Inga Rodieck mit Leo Appelt. (Foto: W. Euhus)

Abschied vom großen Radsport bei Blau-Gelb

Das trifft nicht nur die „Radsportfördergruppe Blau-Gelb Team SWISS-O-PAR“, das trifft nicht nur die Region, das trifft ganz Radsport-Deutschland: Drei Leistungsträger des örtlichen Radsportvereins beenden ihre erfolgreiche Kariere: Inga und Wiebke Rodieck, sowie Leo Appelt.
Das hat unterschiedliche Gründe. „Wenn wir weiterhin im großen Sport erfolgreich sein wollten, hätten wir uns für eine Profi-Laufbahn entscheiden müssen. Das war aber nicht unser Weg“, so Wiebke. Und Inga ergänzt: „Wir haben uns beide für das Medizin-Studium entschieden, und da stoßen wir einfach an unsere Grenzen.“ Realistisch betrachtet sah der Radsport für beide so aus: Trainingsbeginn häufig um 7 Uhr morgens. 80 bis 100 Kilometer fahren und das mehrmals in der Woche. Dann Lernen, MHH und wieder Lernen. Am Wochenende waren sie dann zu meist entfernt gelegenen Startplätzen unterwegs, auch als Nationalfahrerin oder in der Bundesliga. „Es kam schon vor, dass wir an einem verlängerten Wochenende zu drei Startorten 1.000 Kilometer mit dem Auto unterwegs waren“, so die Zwillinge. „Das ist auf Dauer nicht zu leisten, wenn man ein schweres Studium absolviert. Hinzu kommt, dass man dann keine Zeit mehr für andere Interessen hat. Wir werden aber weiterhin auf dem Rennrad sitzen“, so beide, „weil es ein sehr schöner Sport ist, bewegungsfreundlich und draußen in der Natur“. Die Rodiecks können auf Bundesliga-Spitzenplätze sowie auf viele Landes- und mehrere Deutsche Meisterschaften zurückblicken.
Anders ist die Situation bei Leo Appelt. Der zweifache Weltmeister, Gewinner und Zweiter der Jugend-Olympiade, zehnache Deutsche Meister und Titelträger zahlloser Landesmeisterschaften als Schüler, Jugendlicher und Junior begann eine Profi-Karriere bei einem Schweizer Team. Dort war er anfangs erfolgreich, aber bald stürzte Leo schwer und die Saison war schon früh beendet. Wegen Aufgabe seines Nachwuchsteams war ein Wechsel in eine andere Mannschaft erforderlich. Aber auch da ließen Erfolge auf sich warten, denn wieder kam es zu einem schweren Unfall mit einem verkehrswidrigen fahrenden Kfz. „Da war die Saison erneut gelaufen“, so Leo. „Und nach fast zwei Jahren ohne große Rennen, nach drei Schlüsselbeinbrüchen, einem Kreuzbandriss und mehreren glimpflich verlaufenden Stürzen habe ich einfach den Anschluss verloren“. Die Konsequenz ist das frühe Ende einer nicht den eigenen Vorstellungen entsprechende Radsportkarriere. Leo wird sich jetzt um eine Berufsausbildung kümmern.
Der RC Blau-Gelb bedauert den Abschied der drei, kann aber die Gründe nachvollziehen. Ein wenig traurig ist auch der frühere Trainer Gernot Backhaus, der viel Herzblut und Aufwand in die Drei investierte. Erfreulich, aber, dass zum Beispiel Wiebke Rodieck jetzt Mitglied des Vorstandes geworden ist und damit, wie sie sagt, dem Verein das zurückgeben möchte, was er in sie investiert hat. Eine heute nicht mehr selbstverständliche Haltung, die Respekt verdient.