Sieg im Speerwerfen

Auch im hohen Alter noch richtig gut in Form: Karlheinz Teufert.

Karlheinz Teufert bei Seniorenmeisterschaften am Start

Just waren die beiden Tage des so genanntgen ersten Langenhagener Gehertages, an denen auch unser SCL-Lokalmatador Karlheinz Teufert (90), übrigens der ältester Sportgeher Deutschlands, seinen biblischen Rekord aufgestellt hatte, vergangen (das ECHO berichtete), machte sich besagter Senior eine Woche später wieder auf, um an den diesjährigen Niedersächsischen Seniorenmeisterschaften im doch ziemlich abgelegenen Zeven teilzunehmen.
Wegen der nach diesem Heidewinkel so langen und umständlichen Anfahrt wurde er von seinem Schwiegersohn Michael, der in Langenhagen auch als häufiger Teilnehmer beim Silbersee- und Eichenparklauf bekannt ist (das ECHO berichtete) dorthin "kutschiert". An dieser Veranstaltung, die übrigens nur bis zum 85. Lebensjahr ausgeschrieben war, war leider kein anderer unter den älteren Langenhagener Leichtathleten interessiert.
Wie nicht anders zu erwarten war, geriet der Wagen mit den beiden Sportlern mehrmals in den Wochenendstau, so dass Fahrer und Schwiegersohn Michael (M40) nach Ankunft nur noch in die Rennhose springen konnte, um an seinem 800m-Rennen teilzunehmen. Nach diesem Kaltstart, also ohne sich im geringsten warm laufen zu können, kam er dennoch nur knapp geschlagen auf den zweiten Platz.
Beim etwas späteren 200-Meter-Lauf wurde Teufert, der zunächst ganz allein für einen Start vorgesehen war, vom Starterteam doch noch der M75/80er Gruppe zugeteilt und nachträglich auf die undankbare Bahn eins gesetzt. Auf seine Frage hin, ob die Zeitnehmer und das Zielgericht auch von dieser Änderung Kenntnis bekommen haben, wurde ihm von der überlegen lächelnden Frau mit der Startpistole mitgeteilt: "Keine Angst, wir haben doch eine Sprechverbindung!". Etwas bedrückt von der Dummheit der eigenen Frage schlich der 90-Jährige an seinen Startplatz zurück und harrte des kommenden Knalles. Nach den Startschuß rannte Teufert erleichtert, aber wohl mit zu schnellem Anfangstempo, hinter den enteilenden Jüngeren hinterher, kam atemlos ins Ziel, musste dann aber vom Zielrichter zu hören bekommen, dass man seine Zeit doch nicht genommen hatte. Wohl aber bot man ihm die Titelurkunde und den Meisterschaftsaufnäher an, da er ja in seiner Altersklasse ohnehin der Einzige war. Nun hatte aber seine Frau Yoshiko den Einlauf dieses Rennens gefilmt und aus der Zeit des Vorletzten und der Länge der verbleibenden Videosequenz bis Teufert ins Ziel lief, ließ sich eigentlich auch seine Zeit ermitteln: 49,2 Sekunden! Davon wollte das Zielgericht aber nun ganz und garnichts wissen.
Beim Speerwerfen (16,56 Meter) holte sich Teufert dann mit seinem ersten Leistungswurf des Jahres den erwarteten Sieg in der Klasse der 85-jährigen. Schlecht sah es dagegen mit dem Diskus (12,14 Meter) aus, wo er nur eine recht alte, raue Holzscheibe zur Verfügung hatte, da coronabedingt keine Wurfgeräte vom Veranstalter zur Verfügung gestellt oder wie sonst üblich, getauscht werden durften. Sein Betreuer Michael Höffker verlor sein anschließendes 1.500-Meter-Rennen äußerst knapp.
So fuhren die beiden dann mit drei Siegerurkunden, drei Meisterschafsaufnähern und zwei Vizemeistertiteln, aber dennoch etwas enttäuscht, zurück in die Löwenstadt in der Hoffnung, in diesem Coronajahr noch einige weitere Wettkämpfe besuchen zu können. Wie gerufen, kam dann bei Teufert zwei Tage später nicht nur der bestellte nagelneue Ein-Kilogramm-Diskus an, sondern auch eine Einladung zum Internationalen Seniorenmehrkampf am 27. September. in der Hansestadt Stendal/Sachsen-Anhalt.
Bilder:
Karlheinz Teufert und Betreuer Michael Höffker, Göttingen (wegen Corona getrennte Aufnahmen)