Engagiert gegen Gewalt an Frauen

Henrike Brochwicz und Corona Bröker von Ophelia beim Aufhängen der Fahne.

Flagge „Frei Leben – ohne Gewalt“ hängt im Treppenhaus

Langenhagen. Ende November hängt wie jedes Jahr die Flagge „Frei Leben – ohne Gewalt“ im Treppenhaus der Ostpassage 9 und macht Besuchende der Praxen im Haus auf ein Thema aufmerksam, das oft im Verborgenen bleibt. Das Team von Ophelia hat die Fahne aufgehängt, um anlässlich des Internationales Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November an die große Verbreitung von geschlechtsspezifischer Gewalt zu erinnern. „Laut Statistik ist jede dritte Frau in Deutschland von Gewalt betroffen, doch nur jede fünfte dieser Frauen sucht sich in diesem Zusammenhang Unterstützung“, so Corona Bröker vom Opheliateam.
Um das Schweigen über die erfahrene Gewalt zu brechen, gibt es Anlaufstellen wie das Ophelia Beratungszentrum Langenhagen. Dort finden gewaltbetroffene Frauen und Mädchen vertraulich und auf Wunsch anonym Unterstützung und Hilfe. Auch Angehörige und Professionelle werden beraten. „Der Beratungsbedarf ist groß. Im vergangenen Jahr haben insgesamt 495 Frauen aus dem Norden der Region Hannover unsere persönliche oder telefonische Beratung in Anspruch genommen. Das sind zum einen Selbstmelderinnen. Zum anderen sind dies Betroffene, auf die wir proaktiv nach einer Polizeimeldung zu häuslicher Gewalt zugegangen sind“, erklärt Bröker.
Gewalt gegen Frauen ist nicht nur ein individuelles, sondern auch strukturelles Problem. Die Bundesregierung will mit einem neuen Förderprogramm die Hilfsstrukturen für Betroffene verbessern. Seit Februar gilt auch die Istanbulkonvention, das Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Die Beendigung von geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt ist damit ein staatlicher Auftrag und die Förderung entsprechender Hilfeeinrichtungen eine Aufgabe der Daseinsvorsorge von Bund, Ländern und Kommunen. Mit dem gemeinnützigen Verein Ophelia gibt es für Langenhagen und die umliegenden Kommunen im Norden der Region Hannover bereits eine Fachberatungsstelle, die eine vertrauliche professionelle Beratung gewährleistet. Doch bisher musste auch Ophelia immer wieder um eine angemessene, bedarfsgerechte und verlässliche Finanzierung kämpfen. Die Haushaltsdebatte der Stadt Langenhagen im Jahr 2018 kostete dem bereits wegen knapper Ressourcen personell unterbesetzten Verein zusätzliche Zeit und Kraft; ein notwendiger Umzug des Büros in größere Räumlichkeiten musste vertagt werden.
„In diesem Jahr haben wir erneut gesehen, wie wichtig eine solide Basis ist – finanziell, aber auch menschlich. Neben der notwendigen öffentlichen Förderung sind wir auch immer auf Spenden angewiesen. Und auf Menschen, die sich für die Wichtigkeit unserer Arbeit einsetzen.“ Bröker betont, dass sich der Verein über jede einmalige Spende freut. „Spenden sind weit mehr als Finanzspritzen, sie sind auch eine symbolische Anerkennung und Wertschätzung unserer Arbeit. Sie geben uns die Mittel und die Kraft, engagiert weiterzuarbeiten.“ Eine nachhaltige Unterstützung der Beratungsstelle sei laut Bröker aber am besten durch eine Mitgliedschaft gesichert. „Langfristig sichern Mitglieder die Existenz unserer Einrichtung. Unser Verein lebt von Menschen, die sich gegen Gewalt an Frauen und Mädchen aussprechen und die es wichtig finden, dass Betroffene eine Anlaufstelle haben, sozusagen aus dem Dunkelfeld herauskommen. Je mehr wir sind, umso lauter können wir das Schweigen über Gewalt an Frauen und Mädchen brechen.“ Bei Interesse zu spenden oder Ophelia als Mitglied zu unterstützen, könne man sich gerne direkt an den Verein wenden oder auf dessen Website www.ophelia-langenhagen.de informieren.