Auch in der Krise eine starke Gemeinschaft

Symbolfoto für einen Einsatz der Feuerwehr auf der Autobahn. Fotos: Jens Führer
 
Nächtliche Brandeinsätze gehören selbstverständlich dazu.

110 Jahre Kreisfeuerwehrverband im Heidekreis

Heidekreis. Trifft man in diesen Tagen den ersten Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes Heidekreis, Thomas Ruß, wirkt er etwas betrübt. Für den 7. November war eine ganz besondere Versammlung des Kreisfeuerwehrverbandes geplant. Der Verband begeht nämlich in diesem Jahr sein 110-jähriges Bestehen. Doch wie auch in vielen anderen Lebenslagen machte auch hier die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung. „Die Gesundheit unserer Einsatzkräfte, und damit auch die Funktionsfähigkeit der Feuerwehren, hat oberste Priorität. Daher haben wir uns schon sehr frühzeitig zur Absage der Versammlung entschieden“, so Ruß.
Zum Rahmen der Versammlung hätte auch die Verkündigung einer Jubiläumsfeier im Jahr 2022 gehört. „112 Jahre – Das ist ein guter Anlass für ein Jubiläum mit Feuerwehrbezug“, so der erste Vorsitzende augenzwinkernd. „Außerdem verkürzen wir so die Wartezeit bis zum nächsten „richtigen“ Jubiläum, dem 125jährigen, im Jahr 2035“, ergänzt Ruß weiter.
Auch die vergangenen 110 Jahre des heutigen Kreisfeuerwehrverbandes Heidekreis e.V. waren zwischendurch immer wieder von großen Krisen, unter anderem zwei Weltkriegen, geprägt. Doch trotz allem hat eine der ersten größeren Bürgerinitiativen bis heute Bestand.
Bereits 1902 wurden alle Städte und Gemeinden von den Amtswegen verpflichtet eine Feuerwehr einzurichten. Für diese Feuerwehren, wurden Bürger der jeweiligen Kommune zum Dienst verpflichtet, im Übrigen eine Institution die bis heute vom Gesetzgeber vorgesehen ist, wenn sich nicht ausreichend Freiwillige für eine Freiwillige Feuerwehr finden. Mit aktuellem Stand ist dies in vier Kommunen in Deutschland der Fall.
Die Pflichtfeuerwehren Anfang der 1900er Jahre funktionierten aber nicht immer zuverlässig, so dass trotzdem die große Gefahr bestand bei einem Feuer sein Hab und Gut zu verlieren. So ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass damals viele Männer der Mittelschicht die Initiative zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in ihren Ortschaften ergriffen. Darunter waren Kaufleute, Firmeninhaber, Bänker und Grundbesitzer, sowie natürlich alle, die sich für das Feuerlöschwesen begeisterten.
Allerdings gab es damals noch keine einheitlichen Regeln und Normen, so dass sich die Feuerwehren untereinander oft nicht helfen konnten, da zum Beispiel unterschiedliche Schlauchkupplungen verwendet wurden, die nicht zueinander passten. Da ergriffen die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren die Initiative, indem sie für Vereinheitlichungen sorgen wollten. Um dieses Ziel zu erreichen, musste man sich zusammenschließen, denn nur gemeinsam konnte dieses Ziel erreicht werden. Das tat man, indem man sich zu Feuerwehrverbänden zusammenschloss.
Die ersten Freiwilligen Feuerwehren im heutigen Heidekreis wurden in Soltau, Munster und Walsrode gegründet und schlossen sich nach und nach dem am 26. Juli 1868 in Harburg gegründeten Niedersächsischen Feuerwehrverband an. Um einen Kreisfeuerwehrverband zu gründen, musste es erst mehr Freiwillige Feuerwehren in einem Kreis geben. 1910 war es im Kreis Soltau soweit.
Am 4. Juli 1910 wurde im Büro des Landrates Dr. von Rappard in der Harburger Straße 2 in Soltau von den Hauptmännern der Freiwilligen Feuerwehren Bispingen, Heber, Hützel, Munster, Schneverdingen und Soltau sowie der Freiwilligen Feuerwehr der Firma Carl Breiding & Sohn aus Soltau der Kreisfeuerwehrverband Soltau gegründet. Zweck des Verbandes war laut Satzung „die Förderung und Ausbildung des Feuerlöschwesens, sowie die Hebung und Pflege des kameradschaftlichen Geistes“. Dies sollte durch die „Einführung möglichster Gleichmäßigkeit in der Organisation und Leitung der Feuerwehren, durch Abhalten von Feuerwehrtagen und durch Vorführung von Feuerwehrübungen“ erreicht werden. Dieser Verbandszweck steht heute noch in zeitlich angepasster Form in der Satzung des Kreisfeuerwehrverbandes Heidekreis.
Vier Jahre später, im Juni 1914 – kurz vor Beginn des 1. Weltkrieges – wurde der Kreisfeuerwehrverband Fallingbostel gegründet. Mangels fehlender Unterlagen ist nicht bekannt welche Freiwilligen Feuerwehren von Anfang an dabei waren. Vermutlich waren es die zu dieser Zeit bestehenden Freiwilligen Feuerwehren Rethem/Aller, Walsrode, Fallingbostel, Ahlden, Schwarmstedt, Vorbrück, Buchholz, Bierde und Eilte.
In den Zeiten des Nationalsozialismus wurde die Feuerwehr unter staatlicher Führung gleichgeschaltet, so dass Feuerwehrverbände keine Berücksichtigung fanden. Nach dem Ende des Krieges kam Ihnen allerdings eine wichtige gesellschaftliche Rolle, auch beim Wiederaufbau zu, so dass die beiden Verbände Soltau und Fallingbostel bereits Anfang der 1950er Jahre wiedergegründet wurden.
Nach der Kreisreform im Jahr 1977 schlossen sich auch die beiden Kreisfeuerwehrverbände zum 1. Januar 1980 zum gemeinsamen Verband Soltau-Fallingbostel zusammen und waren auch hierbei einer der Vorreiter im nun gemeinsamen Landkreis. Erster Vorsitzender wurde zu dieser Zeit Dieter Schwarze aus Hodenhagen. Im Jahr 1996 folgte ihm dann Hermann Völker (Essel) auf diesem Posten nach. Weitere Vorsitzende waren Uwe Quante (Soltau) und Hartmut Staschinski (Hademstorf). Seit 2018 ist Thomas Ruß (Munster) als erster Vorsitzender im Amt. Seit der Umbenennung des Landkreises firmiert auch der Kreisfeuerwehrverband seit dem Jahr 2011 unter seinem heutigen Namen.
Was sich in 110 Jahren nicht geändert hat, ist der Sinn und Zweck des Kreisfeuerwehrverbandes, nämlich die Förderung des Feuerschutzes und die Pflege des Gedankens des freiwilligen Feuerwehrwesen im Landkreis.