Bürgerinitiative liefert fachliche Argumente Informationsveranstaltung am Freitag, den 3. Februar im Binderhaus in Rodewald mit Experten aus Medizin und Landwirtschaft

Heidekreis. Massentierhaltung ist zweifelsohne eine Qual für das Tier. In der gängigen Praxis lassen es Besatzdichte und die geschlossene Stallhaltung nicht zu, auf den Einsatz von Antibiotika zu verzichten. Wird die Art der Haltung nicht verändert und lediglich auf die Gabe von Antibiotika verzichtet, erkrankt schlimmstenfalls der gesamte Bestand und Tausende von Tieren würden an ihren Haltungsbedingungen zu Grunde gehen.
Nachdem nun selbst die Bundesregierung erhebliche Probleme in der Massentierhaltung einräumt (siehe Presse vom 9. Januar) und auch von Seiten der Medizin allgemein anerkannt ist, dass es massive und für den Menschen weitreichende Probleme mit dem Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung, insbesondere im Bereich Geflügel gibt, stellt sich für die Bevölkerung nicht mehr die Frage, ob überhaupt Gefahren von solchen Mastanlagen ausgehen können, sondern vielmehr wie groß und wie gefährlich diese Auswirkungen für die Bevölkerung tatsächlich sind. Aktuelle Gutachten bestätigen, dass die MRSA- und ESBL-Keime (multiresistenten Keime) über die Abluftanlagen und über den Kot der Tiere in die Umwelt des Menschen getragen werden und somit auch in der Nähe (bis zu 1.000 Meter) der Ställe akute Gefahrenquellen auszumachen sind. Selbst auf untersuchten Frisch-Fleisch-Proben waren diese Keime zu finden. In Krankenhäusern werden wohl Landwirte zukünftig gefragt, ob Sie Geflügelhalter sind. Sollte Sie dann auch Keimträger sein, werde Sie separat behandelt. Das Risiko MRSA-Keime über diesen Weg in ein Krankenhaus einzubringen, ist für alle anderen Patienten zu hoch.
Aus diesem aktuellen Grund, aber auch aus vielen anderen Gründen lädt die „Bürgerinitiative contra Tierfabriken in Rodewald (BI)“ alle Bürgerinnen und Bürger dazu ein, sich selbst über die Auswirkungen, die Gefahren und die qualvolle Tierhaltung ein Bild zu machen, Fragen zu stellen, sich zu informieren und Fachleuten zuzuhören. Zu dieser ersten Informationsveranstaltung lädt die BI ins Binderhaus nach Rodewald ein. Am Freitag, 3. Februar, um 19 Uhr referieren zwei Experten aus Medizin und Landwirtschaft.
Dr. med. Thomas Fein ist Humanmediziner und erläutert das Thema Gesundheitsgefährdung durch MRSA- und ESBL- Keime aus Hähnchen-Mastanlagen der Intensivtierhaltung. Er hat zusammen mit drei Kollegen eine Studie zur Gesundheitsgefährdung der intensiven Tierhaltung für Mensch und Umwelt aufgrund von multiresistenten Keimen, Antibiotikarückständen und Feinstaub verfasst und ist zurzeit einer der meist gefragtesten Mediziner zu diesem Thema.
Eckehard Niemann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft kämpft dafür, dass sich bäuerliche Prinzipien wieder mehr in der Praxis der Landwirtschaft und der EU-Agrarpolitik durchsetzen. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ist eine bäuerliche Interessenvertretung, die für eine nachhaltige Landwirtschaft im Sinne einer sozial- und umweltverträglichen Landwirtschaft sowie für entsprechende Rahmenbedingungen eintritt.
Die BI freut sich auf eine rege Beteiligung und wünscht sich viele kritische Fragen, die im Anschluss gerne gestellt werden dürfen!