Kinderzeit ist Medienzeit „Mit fünf habe ich meine Phantasie an Nintendo verkauft“

Schwarmstedt. Dass es nicht gut ist, wenn Kinder lange und intensiv vor dem Fernseher oder der Spielekonsole sitzen, das wissen wohl die meisten Eltern. Dass aber übermäßiger Medienkonsum sogar zu erheblichen Störungen in der Entwicklung von Kindern führen kann, ist offensichtlich den meisten nicht so klar. „Eigentlich müsste auf jeder Verpackung stehen: PC-Spiele gefährden die Entwicklung Ihres Kindes!“ Medienpädagoge Wilfried Brüning provoziert gern, ist aber im Falle dieser Forderung von ihr überzeugt. Brüning, durch seinen brillanten Vortrag „Wege aus der Brüllfalle“ vor einem Jahr im hiesigen Raum noch in guter Erinnerung, konnte vom Präventionsrat der Samtgemeinde Schwarmstedt mit Unterstützung des Vereins „Tagesmütter Heidezwerge“ für einen weiteren, ebenso aktuellen Vortrag gewonnen werden. In seinem neuen Vortrag will Brüning die Eltern aufklären, aber auch wachrütteln, was eigentlich wirklich passiert, wenn sie den Medienkonsum ihrer Kinder nicht deutlich begrenzen. Er selbst, Vater von zwei Kindern, weiß, dass diese Bemühungen nicht leicht sind und fast schon einen täglichen Kampf bedeuten. Aber diese Reduzierung ist eminent wichtig. Nach Aussagen des Medienpädagogen sind die Folgen übermäßigen Medienkonsums verheerend: Er verhindert die nachhaltigen Reifung der kindlichen Psyche, das Gehirn bleibt einfacher strukturiert, lernen zu Lernen wird schwieriger und vor allen Dingen unattraktiv. Probleme in der Schule sind so leicht vorprogrammiert. Diese Gefahr sei in der Gesellschaft (noch) nicht angekommen, kritisiert Brüning. Auf die Gefahren vom Rauchen und Alkoholkonsum wird ständig hingewiesen, es gebe dazu auch einschlägige Gesetze, es gebe aber keines zur Medienbegrenzung. Brüning vergleicht in seinem Vortrag mehrere verschiedene, aber reale Beispielkinder und deren Entwicklung über einen längeren Zeitraum. Vor dem Fernseher oder beim Spiel mit der Spielekonsole betätigen die Anwender nur einige Knöpfe, sie sitzen stets auf einer Stelle und nur Hör- und Sehnerv seien aktiv. Anders beim Sport, beim Fußball beispielsweise. Dort ist der ganze Körper in Bewegung, es muss taktisch gedacht und schnell reagiert werden. Dabei lernt man auch Teamfähigkeit und Durchhaltevermögen und stärkt vor allem sein Selbstvertrauen. Auch wenn die Eltern ahnen, dass sich übermäßiger Medienkonsum negativ auf die Entwicklung der Kinder auswirken könnte, wissen sie dennoch nicht, wie sie den geschickten Forderungen der Kinder begegnen sollen. Mit vielen Beispielen aus der Praxis liefert Brüning überzeugende Argumente für die Eltern, die auch durch die raffiniertesten Verhandlungsstrategien der Kinder nicht entkräftet werden können. Eltern werden lernen, aus einer starken Position heraus und vor allen Dingen mit einem guten Gewissen die Medienzeit ihrer Kinder begrenzen zu können. Die Veranstalter sind sich sicher: Der interessante und aktuelle Inhalt des Referats und die humorvolle und kurzweilige Vortragsart des Referenten werden wieder alle begeistern. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 8. November, um 19 Uhr in der Mensa der KGS Schwarmstedt statt. Der Eintritt beträgt zwei Euro. Der Präventionsrat weist darauf hin, dass für das teilnehmende Fachpersonal, wie zum Beispiel Erzieher, Sozialpädagogen unter anderem, wieder Teilnahmebescheinigungen ausgestellt werden, damit diese Veranstaltung als Fortbildungsmaßnahme anerkannt werden kann.