Test für alle Neuankömmlinge

Zinke besuchte Ankunftszentrum

Heidekreis. Vor wenigen Tagen besuchte der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Sebastian Zinke in Begleitung der Kreistagsabgeordneten und Ratsfrau Karin Fedderke das Ankunftszentrum in Bad Fallingbostel-Oerbke, um sich über die aktuelle Situation zu informieren. Meldungen über zwei Infektionsfälle und Schließung des Camps hatten zuletzt die Runde gemacht und für Verunsicherung gesorgt. „Ich würde mich freuen, wenn hier etwas detaillierter berichtet werden könnte“, so der Wunsch des Standortleiters Amgad El Moghier. Bei den Infizierten habe es sich um eine Frau und ihr Kind gehandelt. Beide seien unverzüglich isoliert untergebracht und das Camp vorsorglich geschlossen worden. Neuankömmlinge wurden in das Ankunftszentrum Bramsche umgeleitet. Schon frühzeitig nach dem Auftreten von Corona zu Beginn des Jahres wurde in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt eine Reihe von effizienten Maßnahmen zum Infektionsschutz beschlossen. So wurden z.B. die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ankunftszentrums mit adäquater Schutzausrüstung ausgestattet, die Reinigungsintervalleerhöht, Bewohner des Camps über Hygieneregeln unterrichtet.Daten von Personen, die das Camp besuchen, werden dokumentiert. Auch der „worst case“ wurde nicht ausgeklammert. Gemeinsam mit Polizei, Gesundheits- und Ordnungsamt wurden verschiedene Szenarien für das Eintreten eines Katastrophenfalls durchgespielt, um bestens vorbereitet zu sein. Wie bereits vor Corona tauschen sich der Standortleiter und die Bürgermeisterin, Frau Thorey, sowie derBezirksvorsteher des gemeindefreien Bezirks Osterheide, Herr Ege, regelmäßig aus. Mit dem Leiter des Gesundheitsamtes, Herrn Dr. Happersberger, gibt es eine tägliche Lagebesprechung. Inzwischen ist der Betrieb im Ankunftszentrum wieder angelaufen. Knapp 900 Menschen leben zur Zeit dort, wöchentlich kommen etwa 100 – 150 Personen hinzu.
Alle neu eingetroffenen Asylbegehrenden werden bei Ankunft und ein zweites Mal 5 – 7 Tage später auf Corona getestet. Jeweils die Zugänge einer Woche werden gemeinsam in separaten Bereichen des Camps untergebracht und dürfen sich bis zur Bekanntgabe der Testergebnisse nur dort aufhalten. Innerhalb des Ankunftszentrums werden die Neuangekommenen per Shuttle-Bus zu den verschiedenen Stationen, die sie durchlaufen müssen, gebracht. So sollen unnötige Kontakte vermieden werden. Wenn ein negatives Testergebnis vorliegt, erfolgt der Umzug der betreffenden Personen in den regulären Wohnbereich. Sollte ein positives Ergebnis vorliegen, wird die Person isoliert untergebracht. All diese zusätzlichen Maßnahmen sind sehr aufwändig und eigentlich wäre eine Erhöhung des Personalstandes vonnöten, denn neben den Testungen auf Corona gibt es, wie bereits vorher, Tests auf andere ansteckende Krankheiten und ggfs. Isolierungen. Auf Grund der Ungewissheit, wie lange der Standort noch Bestand haben wird, ist eine befriedigende Personalplanung jedoch nicht möglich.
Wie für alle Menschen hat sich auch für die Bewohner des Camps das Leben seit Auftreten von Corona extrem verändert. Die Mahlzeiten werden nicht mehr gemeinsam eingenommen, stattdessen werden Essenspakete an die Türen der Unterkünftegebracht. Gegessen wird in den Zimmern. Alle gemeinschaftlichen Freizeitaktivitäten, die innerhalb des Camps angeboten wurden, sind weggefallen. Betroffen davon sind auch die Kinder. Der Camp-Kindergarten ist bis auf weiteres geschlossen.
Auf dem Gelände des Camps wurde ein Kiosk errichtet, in dem die Bewohner alles kaufen können, was sie neben der Verpflegung, die es in der Einrichtung gibt, brauchen. Dazu zählen auch Telefonkarten für die Anrufe in der Heimat. Mit dieser Maßnahme sollen die Gänge in die Stadt eingeschränkt werden. Amgad El Moghier betont aber, dass das Ankunftszentrum kein Gefängnis sei und niemand am Verlassen gehindert werde. Die Asylbegehrenden werden ausführlich über die Verhaltensmaßregeln, die mit Corona notwendig wurden, aufgeklärt und halten sich auch weitestgehend daran. Abweichungen gibt es natürlich – analog zum Verhalten der übrigen Gesellschaft. Innerhalb des Camps sind Streetworker unterwegs, die tätig werden, wenn die Regeln überschritten werden, aber außerhalb des Camps sei jeder selbst für die Einhaltung der Hygieneregeln verantwortlich. Sollten die Regeln nicht eingehalten werden, sind die örtlichen Ordnungsbehörden zuständig. „Wir unterstützen aber, wo wir können“, so der Standortleiter.
Sorgen bereitet dem Leiter des Ankunftszentrums, dass die Zahl der Camp-Bewohner steigt, was zum einen daran liegt, dass wieder mehr Asylbegehrende ankommen und zum anderen daran, dass weniger Geflüchtete umverteilt werden. Aus Angst vor Corona sind viele Kommunen zur Zeit nicht bereit, Geflüchtete aufzunehmen. Im Camp können 1250 Personen untergebracht werden, aber wenn keine Umverteilung stattfindet und weiterhin täglich ca. 20 Menschen ankommen, könnte es eng werden.
„Ich finde die Entscheidung richtig, dass alle Neuankommenden auf das Corona-Virus getestet werden. Nur so kann verhindert werden, dass sich das Ankunftszentrum zu einem Hotspot entwickelt“, so Sebastian Zinke zum Abschluss des Besuches. „Damit die Kommunen wieder bereit sind, Flüchtlinge aus der Einrichtung aufzunehmen, sollte m.E. auch vor der Verteilung an die Kommunen ein weiteres Mal getestet werden“.