40 Kinder im Sommercamp

Viele neue Freundschaften entstehen im Sommercamp.
 
Baseball ist für viele Kinder eine neue Erfahrung.

Damit jedes Kind die gleichen Chancen hat

Heidekreis. Nicht jede Familie kann mit ihren Kindern in den Urlaub fahren. Einmal im Jahr treffen sich in Welle bei Buchholz in der Nordheide Kinder aus drei Gruppen – das Kinderprojekt „Die ARCHE“ (Hamburg), die Pfadfindergruppe „Die Leinestörche“ (Stöckendrebber und Umgebung) und die „Stockbrotkids“ der offenen Kinder- und Jugendarbeit des Kronsberg Life Tower (Hannover).
Keine Wände, keine Zimmerdecke, keine Unterhaltungselektronik. Schlafsack, Isomatte, Kuscheltier und gute Freunde neben sich. Eine Woche lang in der Natur in Zelten übernachten. Ganz mutige auch mal draußen unter freiem Himmel. Nach dem gemeinschaftlichen Frühstück und einem inspirierenden Tagesstart bietet das Lager am Waldrand jede Menge Abenteuer, Spiel, Sport und Spaß. Beim Fußball, Bogenschießen, Gruppen-, Gesellschafts- und Geschicklichkeitsspielen tauchen die Kinder ein in eine spannende Erlebnis- und Erfahrungswelt. Besonders das gemeinsame Baseballspiel mit Kindern und Betreuern wirkt nicht nur hochintegrativ. In diesem Spiel ist jeder irgendwie ein Anfänger, für einen Moment sogar ein Profi. Nichts entfaltet mehr Euphorie als wenn der Schläger voll den Ball trifft und man womöglich noch durch alle Stationen rennen kann, während man von der Gruppe lautstark angefeuert wird: Homerun. Darüber können sich alle gemeinsam freuen.
Alltags- und selbstvergessen blühen die Kinder und Teenager immer wieder auf. Das lässt keinen der Betreuer kalt, das bewegt. Das Lachen der Kinder und ihre unbeschwerte Lebensfreude erinnert die mitunter müden BetreuerInnen daran, wofür sie sich hier eigentlich engagieren. Die zum Teil kurzen Nächte, zahlreichen Vor- und Nachbereitungen und Problemlösungen fallen dabei weniger ins Gewicht. Als besondere Highlights erlebten die Kids die Tagesausflüge in ein nahegelegenes Freibad (bis zu 37 Grad) sowie in einen Hochseilgarten. Intensive Körpererfahrung und Konfrontation mit den eigenen Emotionen fördern spielerisch persönliches Wachstum, das sie im Alltag später brauchen werden. Von Angst bis Mut, Verzweiflung bis Tapferkeit, von schlotternden Knien bis zunehmend festbestimmten Tritten und Griffen ist alles dabei. Vor allem aber die Erfahrung von Erfolg durch Überwindung.
Wenn rund 40 Kinder aus drei Gruppen aufeinandertreffen, verläuft das selten ohne Engpässe, Konflikte, kindliche Verteilungs- und Machtkämpfe oder Empfinden der Benachteiligung. Gerade bei Kindern, die aus weniger privilegierten und benachteiligten Verhältnissen stammen, fehlen manchmal (noch) entsprechende Bewältigungsressourcen, um mit anspruchsvollen Situationen angemessen umgehen zu können. Gerade für solche Kinder sind derartige Feriencamps unbezahlbar wertvoll. In einem geschützten Rahmen und mit Begleitung durch pädagogisch geschultes Betreungspersonal können belastende Situationen abgefedert und alternatives Verhalten erlernt werden.
Der Wert einer solchen Freizeitveranstaltung entzieht sich ökonomischer Kosten-Nutzen-Kalkulationen. Und möglich ist ein solches Camp auch nur, weil es von Sponsoren aus Schwarmstedt, Sprockhof und Stöckendrebber mit Sachspenden unterstützt wird. Besonders glücklich und zufrieden sind alle Verantwortlichen darüber, dass gruppenübergreifend neue Freundschaften entstehen, die auch zwischen den Camps gepflegt werden. Das ist nur einer von vielen Indikatoren für Nachhaltigkeit. In der Erlebnisverarbeitung der Kinder und in ihrem Erinnerungsvermögen sind sicher auch nach Monaten und Jahren später viele weitere zu finden.