Alter Vorstand muss kommissarisch im Amt bleiben

Jochen Schierbaum wartet als Vorsitzender des CDU Samtgemeindeverbandes Schwarmstedt auf einen Nachfolger. Foto: B. Stache

CDU Mitgliederversammlung von Streit überschattet

Schwarmstedt (st). Zur Mitgliederversammlung des CDU Samtgemeindeverbandes Schwarmstedt in Tepe`s Gasthof stand vergangene Woche auch die Wahl des Vorsitzenden sowie beider Stellvertreter und eines Beisitzers auf der Tagesordnung. Die drei Vorstandsmitglieder Jochen Schierbaum, Oliver Dröse und Peter Stein hatten bereits anlässlich ihrer Wahl im Frühjahr 2011 ihren Rücktritt nach der Kommunalwahl vom 11. September angekündigt. Als der Samtgemeindeverbandsvorsitzende Jochen Schierbaum die 31 Mitglieder zählende Versammlung nach zwei Stunden beendete, war lediglich ein Beisitzer gewählt worden: Sascha Schwertfeger. Alle Versuche, aus dem Kreis der Anwesenden zunächst einen neuen Vorsitzenden zu gewinnen, schlugen fehl. Nach der Entlastung des Vorstandes wurden dem Wahlleiter Heinrich Plesse von den CDU Mitgliedern insgesamt sechs Vorschläge unterbreitet, doch die Genannten lehnten einer nach dem anderen dankend ab. Plesse stellte abschließend fest, dass der alte Vorstand kommissarisch weiterarbeiten muss, bis ein neuer gewählt worden ist. Jochen Schierbaum erklärte, er werde mit dem Vorstand die Aufgaben weiterführen und übte Kritik an der mangelnden Bereitschaft der Mitglieder, den Vorsitz zu übernehmen: „Obwohl wir rechtzeitig unseren Rücktritt erklärt haben.“ Die CDU Mitgliederversammlung war streckenweise von gegenseitigen Vorwürfen im Zusammenhang mit der Wahlniederlage im September bestimmt. Gudrun Pieper, CDU Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende, hatte zu Beginn eine 20 Minuten dauernde Erklärung abgegeben, in der sie mit dem Vorstand und dessen Arbeit während des Wahlkampfes scharf ins Gericht ging. Pieper warf dem Vorstand in diesem Zusammenhang Unvermögen vor: sie habe gesehen, „dass hier vieles im Wahlkampf schiefgelaufen ist“. So sei die Aufstellung von Dorothee Hiby-Durst als Bürgermeisterkandidatin für Schwarmstedt eine personelle Fehlentscheidung gewesen, da die Bürger gespürt hätten, „dass es für Einsteiger schwierig ist, die über keine Erfahrung in Politik und Verwaltung verfügen“. Auch sei die Listenaufstellung nicht optimal gewesen, zitierte die Kreisvorsitzende aus einem Interview, das veröffentlicht worden war. Pieper erklärte abschließend, die CDU Schwarmstedt sei ein Scherbenhaufen: „Und sich so zu verabschieden, ist eine Schande für die CDU, eine Schande für unsere Mitglieder.“ In ihren Entgegnungen wandten sich Jochen Schierbaum und Peter Stein entschieden gegen die erhobenen Vorwürfe. Dorothee Hiby-Durst erwiderte, dass sie sich ungerne als „personelle Fehlentscheidung in der Presse betiteln ließe“ und fügte an, sie sei auch als CDU Bürgermeisterkandidatin von Frau Pieper nicht genügend unterstützt worden. Zudem hätte ihr die Kreisvorsitzende jegliche Qualifikation abgesprochen. Als die internen Auseinandersetzungen zu eskalieren drohten, meldete sich ein CDU Mitglied zu Wort, das nach eigenem Bekunden über 40 Jahre in der Partei ist. Er sei beschämt über das gegenseitige „bekriegen in der Presse. Wir sollten damit jetzt aufhören“, so der Senior. Ein versöhnliches Schlusswort der von gegenseitigen Vorwürfen bestimmten Versammlung fand der Sprecher der CDU Fraktion im Samtgemeinderat und Vorsitzende der Jungen Union, Henrik Rump: „Sich kritisch auseinanderzusetzen, ist Teil der Demokratie.“ Mit dem Wunsch, dass sich ein Nachfolger finde, beschloss der kommissarische Vorsitzende Jochen Schierbaum die Mitgliederversammlung des CDU Samtgemeindeverbandes Schwarmstedt.