Arbeitskreis Soziales bereist Walsrode

Die Teilnehmer vom Arbeitskreis Soziales beim Rundgang in den Heide-Werkstätten.
 
Auch im Heidekreis-Klinikum erfuhren die Besucher viel Wissenswertes.
Heidekreis. Auf Initiative der Landtagsabgeordneten Gudrun Pieper besuchten die Mitglieder des Arbeitskreises Soziales der CDU-Landtagsfraktion die Stadt Walsrode. Hier informierten sich die Politiker bei den Heide-Werkstätten über die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes. Beim anschließenden Besuch des Heidekreis-Klinikums stand die Arzneimittelsicherheit im Vordergrund. Die Heide-Werkstätten in Walsrode, Soltau und Munster bieten mittlerweile über 600 Menschen mit geistig-körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen verschiedenste Möglichkeiten zur Teilhabe an der Arbeit an. Neben einigen Arbeitsbereichen in den Räumlichkeiten der Werkstätten (wie zum Beispiel der Transformatorenmontage, Montagegruppen, Holzwerkstatt) gibt es einige Angebote, die einen inklusiven Charakter vorweisen. Hier seien für den Standort Walsrode das Café Samocca oder die Außenarbeitsgruppe bei der Firma DB Schenker genannt. Bei einem Rundgang verschafften sich die Landespolitiker einen Überblick über das große Engagement der Mitarbeiter. Geschäftsführer Gunther Rath und Werkstattleiter Michael Pröhl stellten dabei das Arbeitsfeld des Anhängerbaus in der Albert-Einstein-Straße vor. Nach individuellen Kundenwünschen werden hier PKW-Anhänger aller Art gefertigt. Die gute Qualität der Heide-Werkstätten hat sich schon lange herumgesprochen. Das bedeute aber auch das tägliche Spannungsfeld zwischen persönlicher Förderung und Betreuung sowie qualitativ einwandfreier Produktion zu meistern, gab Gunther Rath zu Bedenken. Die Beschäftigten werden entsprechend ihrer Ressourcen im beruflichen Bereich qualifiziert, persönliche und soziale Kompetenzen werden gefördert. In Einzelfällen können die
Teilnehmer, durch die intensive Förderung, in den allgemeinen Arbeitsmarkt eingegliedert
werden. Die Pädagogische Leiterin, Katrin Bastiansen, ergänzte, dass die Förderprozesse viel Zeit in Anspruch nehmen. Es stelle sich immer die Frage ‚Welche Ziele kann der Einzelne erreichen?‘. Ein Großteil der Beschäftigten benötige einen geschützten Rahmen mit einer qualifizierten Betreuung und Förderung in den Heide-Werkstätten. Sie streben nicht nach dem ersten Arbeitsmarkt, der stark vom Effizienzgedanken geprägt sei. Dem täglichen Leistungsdruck seien nur wenige gewachsen, ergänzte Michael Pröhl. Für einen Teil der Betreuten steht, aufgrund ihrer Beeinträchtigungen, die soziale Teilhabe im
Vordergrund. Die Personen werden in den Tagesförderstätten von pädagogischen und
pflegerischen Fachkräften betreut, gepflegt und gefördert. Die Tagesförderstätten ermöglichen Menschen mit schwerst-mehrfachen Behinderungen eine Teilhabe am sozialen Leben, erhalten und fördern Kompetenzen und entlasten darüber hinaus die Familien. „Die umfassende Teilhabe von Menschen mit Behinderung ist eines unserer zentralen Anliegen“, betonten die Arbeitskreismitglieder. Dazu gehöre ganz selbstverständlich auch die Teilhabe am Arbeitsleben. „Die Heide-Werkstätten tragen in vorbildlicher Art und Weise dazu bei, geistig- körperlich und psychisch beeinträchtigten behinderten Menschen eine größtmögliche Selbstbestimmung in der Gestaltung ihres Lebens zu ermöglichen“, ergänzte Gudrun Pieper abschließend.
Beim nachfolgenden Besuch des Heidekreis-Klinikums empfing Geschäftsführer Christoph
Kugler die Delegation und führte sie durch die Räumlichkeiten des Ende 2017 eröffneten
Gesundheitszentrums in der Saarstraße. Es bietet Patienten, besonders im ambulanten
Bereich, eine Rundum-Versorgung. Die Gäste konnten sich bei dem Rundgang durch die
Gesundheits- und Krankenpflegeschule sowie die psychiatrische Tagesklinik selbst davon
überzeugen, dass die Nähe und gute Vernetzung mit dem Heidekreis-Klinikum viele Vorteile bringt. Im weiteren Verlauf präsentierten die Krankenhaus-Apotheker Claus Roland und Klaus Meier den Gästen wie innovativ und zukunftsorientiert das Heidekreis-Klinikum Fehlerquellen in der Arzneimittelversorgung begegnet. „Jeder Patient im Krankenhaus kommt irgendwann mit Arzneimitteln in Kontakt“, erklärte Claus Roland. Umso wichtiger sei es den bestimmungsmäßigen Gebrauch eines Arzneimittels zu gewährleisten und Patienten vor möglichen unerwünschten Arzneimittelereignissen und Medikationsfehlern zu schützen. Er berichtete wie dieser Prozess gesteuert wird: „Zu Beginn wird eine elektronische Verordnung an den zuständigen Klinikapotheker per Datenübertragung weitergeleitet. Die Medikamente werden dann durch einen Automaten verpackt, ausgegeben und an die Station weitergeleitet. Hier findet anschließend eine elektronische Dokumentation statt. Die Arzneimittelgabe ist so völlig transparent und ein in sich geschlossenes System.“ Dass das Heidekreis-Klinikum eines der wenigen Krankenhäuser in Deutschland ist, das die automatengesteuerte Arzneimittelgabe bereits praktiziert, fügte er, nicht ohne Stolz, hinzu. In Zeiten knapper personeller Ressourcen würden hiermit auch Ärzte und Pflegekräfte entlastet. Allerdings sei es dafür notwendig mehr Pharmazeuten zu beschäftigen, die, zur Unterstützung der Ärzte, mit auf die Stationen gehen und beratend zur Seite stehen. Ein Apotheker pro dreihundert Betten, wie es seit kurzem im Krankenhausgesetz verankert ist, sei ein erster Schritt in die richtige Richtung, so die Pharmazeuten. Trotzdem bilde Deutschland mit dieser Zahl das Schlusslicht im europaweitem Vergleich. Die Abgeordneten waren sich einig, dass Krankenhausapotheker
unerlässlich seien und eine wichtige Arbeit leisten. „Sie tragen im hohen Maße zur
Arzneimitteltherapiesicherheit bei.“