„Bedaure Entscheidung sehr“

Niedersächsischer Wirtschaftsminister Althusmann lehnt Moratorium für Erdgaserkundungs- und Fördermaßnahmen ab – Bundestagsabgeordneter Klingbeil macht weiter Druck

Heidekreis. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil bedauert die Entscheidung des niedersächsischen Wirtschaftsmisters Bernd Althusmann, kein Moratorium für Erdgaserkundungs- und Fördermaßnahmen im Heidekreis und Landkreis Rotenburg (Wümme) auszusprechen. Klingbeil hatte zuvor auf ein vorübergehendes Verbot von geplanten Erkundungsbohrungen oder Förderungen von Gas- und Ölvorkommen in dem Gebiet gepocht, bis die auffälligen Krebsfälle in räumlicher Nähe zur bestehenden Erdgasförderung im Landkreis Rotenburg (Wümme) aufgeklärt sind.
Sofern Förder- oder Aufsuchungsvorhaben die gesetzlichen Vorgaben erfüllen, so Althusmann in seinem Antwortschreiben an Klingbeil, seien diese zu genehmigen. „Ich bedaure sehr, dass Herr Althusmann kein Moratorium für Erdgaserkundungs- und Fördermaßnahmen ausspricht. Ich sehe, dass er hier seine Handlungsspielräume als Minister nicht nutzt“, sagte Klingbeil daraufhin.
Klingbeil erinnerte Althusmann nun an den Weg, den sein Amtsvorgänger Olaf Lies vor ein paar Jahren wählte. Lies konnte ein Moratorium für Fracking-Maßnahmen in Niedersachsen erzielen. „Ich wünsche mir, dass Herr Althusmann einen ähnlichen Weg geht und mit den betreffenden Energieunternehmen eine Vereinbarung erreicht, die beinhaltet, dass zunächst keine Anträge auf Fracking-Maßnahmen gestellt werden. So können wir die Ergebnisse der Krebsuntersuchungen abwarten und dann handeln“, so der 41-Jährige.
Ergebnisse einer Folgestudie im Sommer
Wegen der auffälligen Krebserkrankungen in räumlicher Nähe zur Erdgasförderung im Landkreis Rotenburg bat Klingbeil zuletzt auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn um eine fachliche Einschätzung. Dieser holte aufgrund Klingbeils Schreiben eine Stellungnahme des Robert Koch-Instituts ein. Sowohl das Bundesgesundheitsministerium als auch das Robert Koch-Institut bestätigen in ihren Antworten an Klingbeil, dass in den vom Land Niedersachsen vorgestellten Studie zwar kein genereller Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Krebserkrankungen und der Wohnortnähe zu Erdöl- und Erdgasförderung festgestellt werden konnte. Jedoch bestätigten sie die zuvor gefundenen Hinweise auf vermehrte Krebserkrankungen in räumlicher Nähe zur Erdgasförderung in der Samtgemeinde Bothel.
Eine Folgestudie des Landes Niedersachsen soll dem nun weiter nachgehen. „Aus meiner Sicht gilt es dringend die derzeit laufende Studie des Landes abzuwarten, die im Nachbarlandkreis Rotenburg die aktuelle gesundheitlichen Belastung für Anwohnerinnen und Anwohner in räumlicher Nähe zur Erdgasförderung untersucht“, so Klingbeil. Auch Spahn und das Robert Koch-Institut begrüßen, dass die Folgestudie nun weiterer Erkenntnisse darüber liefern soll, ob die Menschen in der Region vermehrt krebserregenden bzw. -fördernden Belastungen ausgesetzt seien. Dies teilten sie dem Bundestagsabgeordneten mit. Mit Ergebnissen aus der Folgestudie sei im Sommer so rechnen, so Klingbeil.