Corona-Verdacht an KGS Schwarmstedt nicht bestätigt

Ernte Gesichter bei der Pressekonferenz beim Heidekreis in Bad Fallingbostel am Donnerstagnachmittag: Dr. Benjamin Dorge, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst des Heidekreises, Karsten Mahler, Leiter des Fachbereiches Ordnung, Landrat Manfred Ostermann, Dr. Andreas Happersberger, Leiter des Gesundheitsamtes, KGS-Schulleiter Tjark Ommen und Schwarmstedts Bürgermeister Björn Gehrs. Foto: A. Wiese

1.400 Schüler am Donnerstagmorgen evakuiert – eine Familie in Quarantäne

Schwarmstedt (awi). Aufgrund einer vermuteten Covid-19-Erkrankung eines Vaters einer der Schüler hat das Gesundheitsamt Heidekreis am Donnerstagvormittag die Empfehlung zur Schließung der KGS in Schwarmstedt durch das Gesundheitsamt Heidekreis ausgesprochen worden.
Der Verdacht wurde allerdings durch das Testergebnis nicht bestätigt, teilte die Pressesprecheriin des Landkreises Heidekreis, Sandra Michaelis, am Sonntag mit. Die Experten gingen aber zunächst mit sehr großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass der Vater, der aus dem Skiurlaub zurückgekehrt war und Symptome zeigte, mit dem Corona-Virus infiziert sein könnte. Im Rahmen eines Pressegespräches hatte Landrat Manfred Ostermann am Donnerstagnachmittag zusammen mit Dr. Andreas Happersberger, Leiter des Gesundheitsamtes, Karsten Mahler, Leiter des Fachbereiches Ordnung, und Dr. Benjamin Dorge, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst des Heidekreises, über die Situation informiert. „Panik und Hysterie sind hier völlig fehl am Platz“, betonte Ostermann vor den Journalisten. Die Meldekette habe hervorragend funktioniert. Die Absprachen im Vorfeld hätten sich als sehr hilfreich erwiesen. Er habe in der Nacht zum Donnerstag davon erfahren, dass der Vater eines seiner Schüler mit hoher Wahrscheinlichkeit an dem Coronavirus erkrankt sei, berichtete Schulleiter Tjark Ommen. Der Lindwedeler sei am 4. März aus dem Skiurlaub in Österreich zurückgekehrt. Am 8. März habe er erste Symptome der Erkrankung gezeigt. Da er neun Stunden zusammen im Auto mit einer Person gefahren sei, bei der das Virus bereits nachgewiesen worden sei, musste man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von einer Infektion ausgehen. Der zwölfjährige Sohn habe am letzten Montag zuletzt die Schule besucht, so Schulleiter Tjark Ommen.
Bis zum Montag hatte der zwölfjährige Schüler aus dem siebten Jahrgang allerdings schon zu viele Kontakte mit anderen Schülern und Lehrern gehabt, um eine Einzelmaßnahme noch sinnvoll zu machen, so Ommen. Landrat Manfred Ostermann ergänzte, der Schüler selbst sei völlig symptomfrei. Dennoch sei selbstverständlich die gesamte Familie in Lindwedel unter häusliche Quarantäne gestellt worden.
Am Donnerstag seien die Eltern durch ihre Kinder unverzüglich informiert und gebeten worden, die Kinder aus der Schule abzuholen oder abholen zu lassen. Solange blieben die Schüler zusammen mit einer Lehrkraft in ihrem jeweiligen Klassenraum. Die Samtgemeinde sperrt mit Hilfe ihres Bauhofes die Straße vor der Schule so ab, dass eine Einbahnstraße entstand und der Verkehr reibungslos abfließen konnte. Die Schüler, die bis nach der vierten beziehungsweise der sechsten Schulstunde nicht abgeholt worden waren, konnten ganz normal mit dem Bus nach Hause fahren.
Der Landrat bedankte sich bei Ommen und Gehrs ausdrücklich für die hervorragende Zusammenarbeit, auch angesichts der Gerüchte und Falschaussagen, die über die sozialen Medien verbreitet worden seien. „Wir müssen das Thema besonnen angehen“, mahnte Ostermann. Jeder müsse sich seiner eigenen Verantwortung bewusst sein. Die Absage von Veranstaltungen obliege den Veranstaltern. Sie könnten sich dazu mit dem Landkreis absprechen, doch nicht darauf warten, dass dieser die Absage verfüge. Das gelte bisher nur pauschal für Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen. Kleinere Veranstaltungen von Mitgliederversammlungen bis zu Bauerntagen lägen in der Verantwortung des jeweiligen Veranstalters. Auch müsse jeder entscheiden, ob er selbst zur Arbeit gehen wolle, so Ostermann. So wie es in einem anderen Krankheitsfall auch wäre. Wer Erkältungssymptome bei sich feststelle und den begründeten Verdacht habe, dass das Coronavirus die Ursache sein könne, der solle telefonisch Kontakt mit seinem Hausarzt aufnehmen.Nur der könnte entscheiden und organisieren, dass ein Test im Testzentrum im Heidekreisklinikum in Walsrode vorgenommen werde. Auch von Kindergartenschließungen sei zurzeit keine Rede. „Solangen wir keinen begründeten Fall haben, läuft alles seinen normalen Gang“, betonte Landrat Manfred Ostermann.
Jeder solle so gut es gehe, sein normales Leben führen, wenn möglich ältere Personen unterstützen und entlasten, zum Beispiel durch Einkäufe. „Wir können doch die Wirtschaft nicht lahm legen“, meinte der Landrat kopfschüttelnd. Großes Verständnis hat er für die Sorgen der Freizeitparks im Heidekreis, mit denen er am ges-trigen Freitag ein Gespräch hatte, dessen Ergebnis bei Redaktionsschluss noch nicht feststand.
Was bei der Pressekonferenz zwar bereits als Möglichkeit im Raum stand, aber erst gestern Vormittag amtlich war, war die vom Kultusministerium landesweit verfügte Schließung aller Schulen und Kindertagesstätten ab nächs-ten Montag, 16. März, bis einschließlich 18. April. Auch an Schulen in freier Trägerschaft wird kein Unterricht stattfinden. Näheres erfährt man unter dem Link www.mk.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/eindammung-des-coronavirus-sars-cov-2-landesweiter-unterrichtsausfall-und-kitaschliessungen-angeordnet-notbetreuung-fur-beschaftigte-der-offentlichen-daseinsvorsorge-186113.html.
Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs bestätigte, das die Schließung der KGS am Donnerstag für Aufruhr in Schwarmstedt gesorgt habe und viele Menschen in Sorge seien, nachdem sich bereits herumgesprochen hatte, dass bei einem Fußballspiel in Lindwedel am Wochenende in der gegnerischen Mannschaft ein Spieler in der Nacht nach dem Spiel offensichtlich an dem Coronavirus erkrankt und positiv getestet worden sei. Samtgemeinde und Heidekreis ständen in ständigem Austausch und wüssten, wie wichtig es sei, Entscheidungen auf Grund der gesicherten Faktenlage zu treffen und die Meldewege unbedingt einzuhalten. Maßgebend seien die Entscheidungen des Gesundheitsamtes. Dessen Amtsarzt Dr. Andreas Happersberger betonte, dass sich alle KGS-Schüler, die am Donnerstag nach Hause geschickt worden seien, frei bewegen könnten, also nicht unter Quarantäne ständen. Das gelte ausschließlich für die betroffene Familie selbst. Das Problem sei, dass das Corona-Virus nicht bis ins Letzte erforscht sei. Es gebe ein symptomfreies Intervall bei Infizierten, das sei bekannt, aber nicht alle Details zur Ansteckung. „Es ist nicht Ebola, aber es ist ernst zu nehmen“, so der Amtsarzt. Darum sei die rechtzeitige Eindämmung durch die beschriebenen Maßnahmen so wichtig. „Und in dieser Eindämmungsphase sind wir noch hier im Heidekreis“, betonte Happersberger.
Der Leiter des Testzentrums im Heiderkreisklinikum habe ihm bestätigt, dass alles sehr geordnet ablaufe. Am Mittwoch habe es einen Test in einem begründeten Verdachtsfall gegeben, am Donnerstag drei.
Landrat Manfred Ostermann bedauerte die Hysterie und Panikmache in den sozialen Medien. Die Ängste, die viele Menschen jetzt umtrieben, auch was die Grundversorgungslage mit Lebensmitteln angehe, seien irreal. Natürlich sei es vernünftig, sich ein bisschen zu bevorraten, aber das gelte auch für die Zeiten ohne Corona. Und Wasser komme immer noch aus der Leitung, bekräftigte Ostermann. Dr. Benjamin Dorge, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes des Heidekreises, sprach von einer dynamischen Entwicklung, die allen Menschen Einschränkungen abverlangen werde. Allen Verantwortlichen sei bewusst, dass es sich vor allem auch in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit um eine Gratwanderung handele. Sie ständen jedoch vor der menschlichen Herausforderung, viele Personen vor Krankheit oder sogar Tod zu schützen. Es dürfe in Deutschland nicht wie in Italien passieren, dass nicht genügend Intensivbetten für Erkrankte zur Vergügung ständen und diese daher sterben müssten. Entscheidend sei daher jetzt, die Kurve der Neuerkrankungen so flach wie möglich zu halten, damit es keine Spitze und eben keine italienischen Verhältnisse geben werde. Mit dem neuartigen Virus gingen viele ungeklärte Fragen einher, so Dorge, und genauso gebe es viele widersprüchliche Aussagen. Da zurzeit keiner wisse, wie die Entwicklung voranschreiten werde, könne man nur an Vernunft und Eigenverantwortung appellieren. Jeder müsse sein Handeln selbst hinterfragen. Landrat Man-fred Ostermann verwies auf seine Handlungsrichtlinien zum Coronavirus, die er bereits vor dem Vorfall in Schwarmstedt herausgegeben hatten.