Deeskalation und Notwehr im Rettungsdienst-Einsatz

Notfallsanitäter Marcel Borchert (links) zeigt seinem Kollegen die richtige Abwehrtechnik bei einem Stockangriff. Foto: Johanniter/D. Schulz 

Johanniter lernen mit kritischen Situationen richtig umzugehen

Schwarmstedt. Immer wieder sehen sich Rettungskräfte während ihres Einsatzes nicht nur verbalen, sondern auch körperlichen Übergriffen ausgesetzt. Aus aktuellem Anlass, dem Angriff eines Patienten auf eine Rettungsdienst-Mitarbeiterin im Walsroder Krankenhaus, haben die Verantwortlichen im Ortsverband Aller-Leine nun eine Fortbildung im Rahmen der Deeskalation im Rettungsdienst-Einsatz veranstaltet. Notfallsanitäter und Praxisanleiter Marcel Borchert, selbst Träger des schwarzen Gürtels im Taekwondo, übernahm die Konzeption der achtstündigen Fortbildung und bereitete die Inhalte in Theorie und Praxis interessant auf. Die statistische Analyse von Übergriffen zeigt, dass die Übergriffe meist im Affekt geschehen und nicht geplant verlaufen.
Für die Mitarbeiter der Rettungswachen in Schwarmstedt und Rethem ging es vor allem darum, zu verstehen, wie Aggressionen beim Patienten entstehen und eine mögliche Gewaltspirale in Richtung Deeskalation vermieden werden kann. Dabei erarbeiteten die Teilnehmer Bewertungsprozesse aggressiver Verhaltensweisen und entwickelten so ein besseres Verständnis für die Ursachen aggressiver Verhaltensweisen. Es wurden kommunikative Deeskalationstechniken mit hochgespannten Patienten besprochen und sowohl auf der theoretischen Ebene als auch in praktischen Fallbeispielen umgesetzt. Zum Selbstschutz wurden einzelne, aber effektive Abwehrtechniken besprochen und praktisch geübt. Im Falle einer Notwehrsituation sind die weiblichen wie auch die männlichen Teilnehmer nun bestens vorbereitet und können unabhängig von ihrer Statur die Abwehrtechniken einsetzen. Zum guten Schluss ging es um die wichtige Einsatznachsorge sowie um die Arbeit der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) und der Seelsorge nach einem kritischen Vorfall im Rettungsdienst-Einsatz.