Ein Dorfladen für Buchholz/Aller

Ein Teil der Projektgruppe, die sich um die Gründung des geplanten Dorfladens kümmmert: Norbert Blume (von links), Ute Thies, Hans Baier, Corinna Müller, Uwe Heinsius und Veronika Lange. Foto: Privat (Foto: Foto: Privat)
 
Herbert Vogeler war bis nach seinem 80. Geburtstag mit seinem „Tante-Emma-Laden“ für die Buchholzer da. Jetzt wollen sie selbst einen Dorfladen ins Leben rufen und damit auch das Andenken an ihren „Onkel Herbert“ hochhalten. Foto: Privat (Foto: Foto: Privat)

Vielen Buchholzern und Marklendorfern fehlt Onkel Herberts Einkaufsladen

Buchholz (awi). Einen ausgiebigen Klönschnack halten, die eine ganz bestimmte Käsesorte bestellen, die Lakritze oder auch die Äpfel einzeln in die braune Papiertüte sammeln oder einfach nur die Möglichkeit, anzuschreiben: Vielen Einwohnern von Buchholz und Marklendorf fehlt der Einkaufsladen „Onkel Herbert“. Aus diesem Grund wurde jetzt im Dezember die Projektgruppe „Buchholzer Dorfladen“ gegründet. Ziel der ehrenamtlichen Gruppe ist die Sicherung der Nahversorgung und der Erhalt von Lebensqualität für die Einwohner. Geplant ist ein Dorffladen mit Vollsortiment mit integriertem Café als sozialer Dorfmittelpunkt, erklärt Ideengeber und Zugpferd Norbert Blume. Der Dorfladen soll als Genossenschaft, wirtschaftlicher Verein, Dorfladen - Bürgergesellschaft (GbR) oder ähnliche Rechtsform geführt werden. Viel ehrenamtliches Engagement ist dafür notwendig. Bevor die Projektgruppe sich vertiefend mit den gesetzten Zielen beschäftigt, ist für Ende Januar 2022 eine Umfrage in Buchholz und Marklendorf geplant. Auf der Webseite der Projektgruppe – www.buchholzer-dorfladen.de – sind weitere ausführliche Informationen zu finden. In Buchholz gibt es derzeit 920 Haushalte und in Marklendorf sind es mit Stichtag vom 6. Dezember letzten Jahres insgesamt 456 Haushalte. Das sind Zahlen, die einen eigenen Nahversorger durchaus rechtfertigen, finden die Mitglieder der Projektgruppe, die sich jetzt zunächst einmal andere Dorfläden in der näheren Umgebung anschauen wollen, um Ideen zu sammeln und alle Möglichkeiten abwägen zu können. Sicher ist: Ganz ohne professionelle Unterstützung wird es nicht gehen.
Das gilt zum einen für die Vorbereitungsphase. Da geht es um Wirtschaftllichkeitsberechnungen, Standortsuche und vor allem um Fördergelder. Davon gibt es nämlich eine ganze Menge, wenn man weiß, wo und wie man sie beantragt. Für die Fördermittelbeantragung habe aber auch Schwarmstedts Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs , der selbst Buchholzer Bürger ist, seine Unterstützung zugesagt, freuen sich die Mitglieder der Projektgruppe. Auch auf die neue Buchholzer Bürgermeister Aynur Colpan können siesetzen und dem Ergebnis der zum Monatsende geplanten Umfrage sehen sie mit Spannung entgegen. Danach werden sie entscheiden, ob und welche Agentur sie zur Unterstützung ins Boot holen und sich intensiv mit dem möglichen Standort befassen. Zurzeit ist in dieser Hinsicht noch alles offen. „Das kann ein Neubau auf der Wiese werden oder die Umnutzung einer Bestandsimmobilie vom Wohnhaus bis zur Scheune. Wir brauchen dann erstmal eine Quadratmeterzahl. Wichtig ist der Projektgruppe, dass der Dorfladen auch wirklich mitten im Dorf angesiedelt wird. Auf der grünen Wiese am Ortsrand oder gar im Gewerbegebiet kommt nicht in Frage. Einige würden am allerliebsten den alten Laden von Herbert Vogeler weiternutzen. Noch steht er leer. Doch alle sind sich darüber im Klaren, dass diese Immobilie einfach zu klein ist für das, was dieBuchholzer vorhaben. Denn sie wollen ja nicht nur einen Dorfladen, der ein so breites Sortiment vorhält, dass man auch wirklich den kompletten Wocheneinkauf für eine Familie dort erledigen kann, zu Preisen, die sich nicht eklatant von den großen Supermärkten in Schwarmstedt abheben, und vor allem sie wollen einen Dorfmittelpunkt als Treffpunkt. Und ein Café, auch wenn es noch so klein ist, braucht Platz und Sanitäranlagen.
Vom Zeitplan her schwebt der Projektgruppe, die zurzeit 15 Leute umfasst, vor, dass ihr Dorfladen in zwei Jahren fertig ist, egal, ob Neubau oder Umnutzung einer wie auch immer gearteten Bestandsimmobilie. Allein die Tatsache, dass man auf Fördermittel setzt, macht die Zeitplanung ambitioniert, denn Fördermittel sind immer mit Abrechnungsfristen versehen. Wenn der Laden dann da ist, soll er von einem hauptamtlichen Profi betrieben werden, voraussichtlich im Angestelltenverhältnis für einen Verein oder eine GbR Dorfladen. So ganz genau wissen Norbert Blume, Hans Baier, Anke Ressmann und die anderen das auch noch nicht und wollen sich deshalb ja auch professionell beraten lassen. Was sie wissen, dass sie ganz besonders die Zielgruppe der älteren Dorfbewohner im Auge haben und deshalb auch einen Lieferservice anbieten wollen, aber eben nicht nur die. Denn wenn ein Dorfladen wirtschaftlichen betrieben werden und sich auf Dauer halten soll, wird es nicht reichen, dort die vergessene Tüte Milch oder Samstagmorgens seine Brötchen zu kaufen.
Anke Ressmann möchte vor allem auch auf Regionalität setzen. „Wir sollten in unserem Dorfladen nicht nur Hemme-Milch, sondern regionale Produkte wie Honig, Kartoffeln, den Heidemost-Saft und ähnliche Dinge anbieten. Damit können wir bestimmt punkten!“ Das sei auch bei „Onkel Herbert“ so gewesen, dessen Laden bei seinem Tod 2017 über 100 Jahre Tradition über mehrere Generationen hinweg vorzuweisen hatte, betont Ressmann.Herbert Vogeler war bis nach seinem 80. Geburtstag mit seinem „Tante-Emma-Laden“ für die Buchholzer da. Jetzt wollen sie selbst einen Dorfladen ins Leben rufen und damit auch das Andenken an ihren „Onkel Herbert“ hochhalten. Foto: Privat