Ein Naturparadies hinter Schranken

Die Gruppe vor einer der großen Schießbahnen auf dem Truppenübungsplatz in Bergen.

52 Buchholzer unternahmen eine Fahrt durch die Heidmark

Buchholz. Am Dorfgemeinschaftshaus Buchholz/Aller begrüßte Organisator Joachim Plesse am Samstag 52 Bürger, um nach dem sehr gut besuchten Dia-Vortrag von Hinrich Baumann über die Heidmark im Mai diesen Jahres nun die Fahrt über den Truppenübungsplatz Bergen anzutreten. Zunächst führte die Fahrt nach Oerbke, wo Hinrich Baumann zustieg und sofort voller Elan mit den Ausführungen über Geschichte, Militär, Flora und Fauna von Europas größtem Truppenübungsplatz begann.
Schnell verließ der Bus die öffentlich zugänglichen Straßen und fuhr in Bereiche ein, die nur mit Genehmigung der Bundeswehr zugänglich sind. Die Warnung „Stopp, Scharfschießen, Übungsbetrieb“ gilt an diesem Samstag nicht, denn es ist schießfreie Zeit. Manch einer hatte wohl erwartet ein zerwühltes, furchtbar zugerichtetes Gelände zu sehen zu bekommen. Schnell wurde aber klar, daß obwohl auf dem Truppenübungsplatz seit über 75 Jahren großkalibrige Waffen den Ton angeben, dieser inzwischen zu einem einzigartigen Naturreservat geworden ist. Viele Bereiche sind für die übenden Militärs gesperrt und es gibt eine Reihe von Verhaltensmaßregeln, die vor allem dem Naturschutz dienen. Mit einem Bus in diese Naturidylle hineinzufahren ist nicht immer ganz frei von Hindernissen, wie der Verlauf des Tages zeigen sollte. Jedoch wusste der erfahrene Busfahrer Reimar von Below durchaus das 12 Meter lange Gefährt sicher über so manche Sandpiste zu lenken. So gelangte man nach Achterberg, von dem leider nur noch die steinernen Pfosten der Eingangstore vorhanden sind. Der Bremer Reeder Friedrich Mißler legte 1895 hier bei Achterberg ein Feriengebiet für Sommerfrischler aus Hamburg, Bremen und Hannover an. Den Besuchern wurde in der idyllischen Ruhe der grandiosen Natur die Gelegenheit gegeben den Bus zu verlassen, die Dokumentation und das einzige verbliebene Bauwerk – das leere Mausoleum – zu besuchen. Alle Häuser waren bereits in der Nachkriegszeit aus militärischen Gründen abgerissen worden. Herr Baumann wies darauf hin, daß das Verlassen der Wege lebensgefährlich ist, denn es könnte nicht detonierte Munition herumliegen. Auch hier wurde ein sehr wichtiger Beitrag zur Renaturierung geleistet. Aus verbliebene Obstbäumen wurde durch züchterische Bemühungen die alten Obstsorten rekonstruiert und zu einer Streuobstwiese ausgepflanzt. Die Weiterfahrt führte die Gruppe anschließend auf eine der Schießbahnen, die vor allem durch ihre weite Aussicht deutlich macht, daß man sich innerhalb eines 300 km² großen Terrains bewegt. Joachim Plesse, der früher als Soldat viel auf dem Truppenübungsplatz beschäftigt war, erläuterte den Besuchern anschaulich, wie eine Übung auf einer solchen Schießbahn abläuft. Doch heute herrscht hier kein Schießlärm, sondern es regiert die Stille. Aus dem Bus heraus konnte man immer wieder Rehe, Füchse, Bussarde, Sperber und sogar Kraniche sehen. Hinrich Baumann erklärt, daß an den zahlreichen Seen Seeadlerhorste gesichtet wurden, die dort ihre Nahrung finden. Auch andere seltene Tiere, wie das Birkhuhn und der Schwarzstorch haben sich bereits wieder angesiedelt. Zu dieser Vielfalt trägt u.a. auch die Flutung einer großen ausgeschöpften Moorfläche im Ostenholzer Moor bei, welche eigentlich dem Brandschutz diente. Dabei entstand der Transee, in dem abgestorbene Birken bizarr in den Himmel ragen, sich die Natur aber den Lebensraum in und am Wasser zurückerobert hat und u.a. Libellen zu Hunderten durch die Lüfte schweben. Außer diesem durch Menschenhand angelegten See finden sich am Rande der Endmoränen im Truppenübungsplatzgebiet noch ca. 560 ha weitere natürliche oder geschaffene Wasserflächen. Am Rande einer dieser wildromantischen Seen wurde der Gruppe unter freiem und glücklicherweise trockenem Himmel auf gut militärische Manier ein deftiger Erbseneintopf serviert. Dies gehörte genauso zur perfekten Organisation des Tages, wie der Kaffee und Kuchen, der nach Abschluss der Fahrt durch die Damen des Dorfgemeinschaftsvereins und der Feuerwehr Buchholz den Ausflüglern gereicht wurde. Eine Fortsetzung der Vortragsreihe von Herrn Baumann über die Heidmark ist bereits für Ende des Jahres in Buchholz/Aller geplant.