Eine Legende verlässt die KGS

Lara Jensen, Jolina Liedtke, Yana Lawrenz und Tjark Ommen verabschiedeten Andreas Brundiers (zweiter von rechts) mit berührenden Reden und Geschenken aus dem Schuldienst an der KGS.
 
Personalratsmitglieder Nina Kretzer und Alfred Thienel überreichen im Namen aller Kollegen ein Geschenk.
 
Jolina Liedtke (von links) und die Schülersprecherinnen Lara Jensen und Yana Lawrenz vor der Feierstunde.

Andreas Brundiers wird aus der Wilhelm-Röpke-Schule verabschiedet

Schwarmstedt. Immer wenn Gesamtschuldirektor Tjark Ommen Lehrerinnen und Lehrer der Wilhelm-Röpke-Schule im feierlichen Rahmen aus dem Schuldienst entlässt, wählt er lobende Worte, sucht die Stärken der Lehrkraft und geht darauf ein. Bei Andreas Brundiers fiel es ihm schwer, seine Rede einzugrenzen. Im Moment des Abschieds erinnerte er an die „Linke Klebe“ beim Fußballspiel gegen die Schüler, an den politischen Menschen, an den Mann mit Ecken und Kanten, der nie „aalglatt“, sondern immer streitbar, aber auch friedensstiftend war, wenn es darauf ankam. Er erinnerte daran, dass es Andreas Brundiers war, der dafür sorgte, dass die Facebook-Seite der KGS wieder gelöscht wurde, „in Ihrer Rede dazu haben Sie mich selbst davon überzeugt, dass der Begriff „Freundschaft“ bei facebook etwas ganz anderes bedeutet, als er es an unserer Schule tun sollte.“ Ommen sprach vom Personalratsmitglied und vom Schildkrötenfreund und betonte: „Sie waren ein ganz besonderer Lehrer, ein Typ, ein Original, eine Legende. … Sie gehen jetzt in Pension und hinterlassen eine Schule, eine Schülerschaft und ein Kollegium, das Sie sehr stark geprägt haben. .. Sie denken viel nach, Sie wissen viel und Sie bringen die Dinge in einen Zusammenhang.“ Und da niemand die Besonderheiten des Lehrers Andreas Brundiers besser beurteilen kann als seine Schüler/innen, hatte der Gesamtschuldirektor seine Rede mit der Schülersprecherin Yana Lawrenz vorbesprochen und aufgeteilt. Yana, die nicht nur gemeinsam mit Lara Jensen Schülersprecherin, sondern auch Klassensprecherin in der jetzigen und damit letzten Klasse ist, die Andreas Brundiers als Klassenlehrer betreut hat, hatte gemeinsam mit Lara und Jolina Liedtke eine Rede vorbereitet, die alle Anwesenden berührte. Sie begann damit, dass sie selbst noch kein Vierteljahr alt war, als Andreas Brundiers am 1.2.2003 seinen Dienst an der KGS Schwarmstedt begann. In diesen 17 Jahren hat Andreas Brundiers viele Schülerinnen und Schüler unterrichtet, in den letzten vier Jahren war er ihr Klassenlehrer und sie alle hätten bei ihm viel gelernt. Yana fuhr fort: „Immer haben Sie ein Lächeln, aber auch einen frechen Spruch, auf den Lippen. Es gab Kinder und Jugendliche, die Ihre Ironie nicht gleich verstanden oder gar missverstanden haben.
Viele haben erst im Laufe ihrer Entwicklung, manchmal Jahre später begriffen, was Sie eigentlich meinten. So haben Sie … zur Persönlichkeitsentwicklung vieler junger Menschen beigetragen und immer, wenn es Ihnen wichtig war, Diskussionen mit uns geführt. Dadurch fühlten wir uns ernst genommen und wir haben immer das Gefühl gehabt, da interessiert sich ein Lehrer wirklich für uns.“ Um solch einen Lehrer gebührend zu verabschieden, bedarf es eigentlich einer großen Feier, die aber derzeit nicht möglich ist, und so beschlossen Lara, Jolina und Yana, für Herrn Brundiers ein Buch zu erstellen, in dem nicht nur die jetzigen Schüler/innen sondern auch Generationen davor ihre Grüße an diese „Legende“ niederschreiben können. Mit der Unterstützung der SV-Verbindungslehrer Karla Schulz und Oliver Kracke und mit dem neu gegründeten Ehemaligenverein wurden frühere Schüler/innen gesucht und die Idee umgesetzt. Die Aufrufe erfolgten über Mails und über die sozialen Netzwerke, so konnte man sicher sein, dass die Hauptperson davon nichts mitbekam. In dem wunderschönen gebundenen Buch mit dem Titel: „Was wir noch zu sagen hätten ...“ schreiben z.B. die beiden Klassensprecherinnen der allerersten Klasse von Andreas Brundiers, Annestine Wolf und Michelle Müller, einen gemeinsamen Brief an ihren alten Klassenlehrer und beenden ihn mit dem Satz: „Damit auch Sie nochmal in Erinnerungen schwelgen können, legen wir einen Auszug der Abschlusszeitung bei.“ Tatsächlich scheint die Aussage des französischen Philosoph Michel de Montaigne ganz besonders zuzutreffen, der formulierte: „Ein Abschied verleitet immer dazu, etwas zu sagen, was man sonst nicht ausgesprochen hätte.“ Nur so ist es zu erklären, fuhr Yana Lawrenz fort, dass über 80 Schülerinnen und Schüler Briefe mit sehr persönlichen Wünschen für die Zukunft und mit Erinnerungen an die gemeinsame Zeit zur Erstellung des Buchs beigetragen hätten. „Sie sind ein Lehrer gewesen, der seinen Schülern in den Köpfen bleibt. ... Ich danke Ihnen, auch im Namen aller ihrer ehemaligen Schülerinnen und Schüler, aus tiefstem Herzen für ihr Wirken als Lehrer.“ Nach diesen berührenden Worten, die nicht bei nur Yana Tränen hervorriefen, wurde Tjark Ommen noch einmal förmlich und überreichte Andreas Brundiers die Urkunde, die seinen Ruhestand amtlich macht, und würdigte ein weiteres Mal all die Jahre Arbeit an der Wilhelm-Röpke-Schule.
Im Anschluss daran bedanke sich die Deutsch-Fachbereichsleiterin Kathrin Remmers im Namen der Deutschkollegen mit lobenden Worten und diversen Geschenken. Sie hob den wunderbaren Umgang mit den Schülerinnen und Schülern hervor und hatte für den Ruhestand neben diversen Büchern auch eine schöne rote Decke als Ergänzung zum Walter-Momper-Gedächtnisschal und eine Flasche Rotwein in einem Geschenkpaket mit dem „roten Faden“ zusammengebunden. Sie wünschte ihrem Kollegen, der ihr im Lehrerzimmer gegenübersaß, im Sinne von Christa Wolf „ein süßes Leben“ und Gesundheit und viel Spaß und Muße in der vor ihm liegenden Zeit.
Thomas Hähne schloss als Personalratsmitglied die Liste der Redner. Er ist nicht nur Sitznachbar im Lehrerzimmer sondern auch, schon durch den gemeinsamen Wohnort im Landkreis Celle, seit vielen Jahren freundschaftlich mit Andreas Brundiers verbunden. So kamen dann Erinnerungen an „Autorennen“ zum Winser Ortsschild, an gemeinsame Schiedsrichtereinsätze, Fußballspiele, Abikorrekturen, Abiprüfungen und Freizeitaktivitäten zur Sprache. „Unsere Nachbarschaft in all den Jahren war einzigartig, immer amüsant, lehrreich und mit so viel Humor versehen, besser kann es nicht sein.“, so Hähne weiter. Er selbst bewunderte den wahren Lehrer, „der nur mit einem Buch und ein paar Arbeitsblättern bewaffnet in Klassenräume ging, um Kinder und Jugendliche zu begeistern, sie auf einem Weg hin zum „Wissen“ zu begleiten, sie zu motivieren ohne Schnick-Schnack, aber immer mit viel Herz.“ Und schloss seine Rede mit den Worten: „Ich hoffe, wir alle können uns eine Scheibe abschneiden von deinem Blick für die Schüler und die wirklich wichtigen Dinge jenseits von Kerncurricula, Vorschriften und Regeln. Einfach in den Klassenraum gehen und Schüler als Lehrer und Freund zu begeistern. Vielen Dank für die tollen 12 Jahre Nachbarschaft, Kollegialität und Freundschaft, schön ist’s gewesen.“ Nach langem Applaus der Zuhörer übergaben Nina Kretzer und Alfred Thienel im Namen des Kollegiums weitere Geschenke für den geschätzten Kollegen und alle hatten die Gelegenheit, noch ein paar persönliche Worte mit Andreas Brundiers zu wechseln.