Eltern protestieren gegen Kita-Gesetz

Eltern und Kinder der Kita Am Bornberg in Schwarmstedt präsentieren das Banner, mit dem die Elternvertreter ihren Protest gegen das neue Kita-Gesetz deutlich machen wollen. Foto: A. Wiese

Im Fokus der Kritik steht vor allem der Personalschlüssel

Schwarmstedt (awi). Dass es am Entwurf für das neue Kita-Gesetz des Landes massive Kritik gibt, ist keiin Geheimnis. Diverse Elterninitiativen, Gewerkschaften und die Wohlfahrtspflege sowie die Opposition im Landtag haben sich dazu eindeutig posiioniert.
Vor allem fokussiert sich die Kritik auf die fehlende Perspektive zur Einführung der dritten Betreuungskraft. Mit einem Banner im öffentlichen Straßenraum in unmittelbarer Nähe der Kita Am Bornberg in Schwarmstedt haben sich jetzt auch Elternvertreter dieser Schwarmstedter Kindertagesstätte offiziell den landesweiten Protesten angeschlossen, betonten die Elternvertreter Christoph Wendland und Agnes Busch am Dienstag bei einem Pressetermin vor der Kita.
Sie bemängeln auf ihrem Banner „Rückschritt statt Fortschritt" und fordern „Stoppt das neue Kita-Gesetz!" „Wir wollen kein fachfremdes Personal und vor allem einen besseren Personalschlüssel", so Wendland. Eine Fachkraft für zwölf bis 13 Kinder sei einfach zu wenig. Benötigt werde einfach mehr qualitative Zeit für Kinder und Pädagogen und natürlich auch die Berücksichtigung von Inklusion. „Wir haben hier ja an unserer Kita noch einen echt guten Personalschlüssel mit drei Fachkräften in einer Kindergartengruppe mit 25 Kindern. Aber die neue Gesetzesgrundlage sind zwei Fachkräfte für 25 Kinder", gibt Christoph Wendland zu bedenken. Aus Sicht der Elternvertreter wertet der neue Gesetzentwurf des Landes auch den Erzieherberuf deutlich ab, wenn künftig gleichwertig auch Sozialassistenten oder Ergotherapeuten eingesetzt würden. Das Argument, es gebe eben zu wenig Erzieher, lassen die Eltern nicht gelten. Auf diese Weise werde der Beruf nur noch unattraktiver. Der Fachkräftemangel ist auch für Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs der entscheidende Punkt. Grundsätzlich verstehe er die Position der Elternvertreter, so Gehrs im Gespräch mit dem ECHO, doch es sei schon eine große Herausforderung, genügend Fachpersonal zu finden und den Beruf entsprechend attraktiv zu gestalten. Er unterstütze nach Kräften alle Maßnahmen zur Verbesserung der Kitas, aber es könne nicht sein, dass die Kommunen, in diesem Fall also die Samtgemeinde, auf den Kosten sitzen blieben.
Die Elternvertreter der Kita am Bornberg wollen jetzt Kontakt mit den Landtagsabgeordneten Sebastian Zinke (SPD) und Gudrun Pieper (CDU) aufnehmen und ihre Forderungen unterstreichen. Es könne nicht sein, dass die Kitas nach der Überarbeitung der Novelle schlechter daständen als vorher. „Immer mehr Eltern müssen sich zwangsläufig für die Ganztagsbetreuung ihrer Kinder entscheiden. Die Kinder werden in den Kitas auf dei Schule vorbereitet, dabei müssen ihre individuellen Stärken und Schwächen berücksichtigt werden. Wie soll das gehen, wenn eine Erzieherin für 13 Kinder zuständig ist!, fragt Agenes Busch. Für die Eltern sehe es so aus, als solle das umstrittene Gesetz jetzt im Schatten der Corona-Pandemie schnell duchgezogen werden. Das könne nicht angehen, sagt Christoph Wendland.
Das durch Spenden der Eltern finanzierte Banner, umrahmt von selbstgebastelten Papierhänden der Kinder, hängt seit wenigen Tagen an der Straße nach Essel und soll bis Mitte Juli auf den Protest der Elternvertreter aufmerksam machen und auch die Proteste der Erzieher aus den Schwarmstedter Kitas Am Bormnberg und am Loh unterstreichen.