Erixx – Bahn – Gemeinde im Gespräch

Björn Gehrs (stehend) eröffnet die Infoveranstaltung mit Vertretern von Erixx, Bahn, Landesnahverkehrsgesellschaft sowie Niedersächsischem Wirtschafts- und Verkehrsministerium im Uhle-Hof. Foto: B. Stache
 
Lorenz Kasch (stehend) bei seiner Erixx-Präsentation – am Podium sitzen Dieter Sandmann (von links), Falk Fehsenfeld, Richard Eckermann, Michael Körber, Björn Gehrs und Torsten Frahm. Foto: B. Stache

Björn Gehrs organisiert öffentlichen Informationsaustausch mit Verantwortlichen

Schwarmstedt (st). Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs ist das Thema „Gute Bahnverbindung“ von und nach Schwarmstedt seit Langem ein besonderes Anliegen. Am Mittwochabend hatte er zu einer Infoveranstaltung mit Vertretern von Erixx, Bahn, Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) sowie Niedersächsischem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung in den Uhle-Hof eingeladen. Ein Erfolg der Samtgemeinde Schwarmstedt bei Neuansiedlungen sei die gute Infrastruktur, zu der auch eine funktionierende Bahnverbindung gehöre, machte Björn Gehrs deutlich. „Wir werben auch damit, dass man von Schwarmstedt in einer halben Stunde nach Hannover zum Hauptbahnhof kommt.“ Für großen Unmut hatten vor allem im vergangenen Jahr erhebliche Probleme mit dem Erixx gesorgt: Unpünktlichkeit, überfüllte Züge und mangelnde Information der Reisenden waren immer wieder beklagt worden. Der Samtgemeindebürgermeister hatte darauf mit zahlreichen Gesprächen reagiert und jetzt die große Informationsveranstaltung organisiert. Zu Beginn informierte Lorenz Kasch, kaufmännischer Geschäftsführer der Erixx GmbH, mit einer Präsentation „Perspektiven Netz Heidekreuz“ über die Aufgabenverteilung beim Schienenpersonennahverkehr. Er erläuterte Gründe für Verspätungen des Erixx, nannte Betriebszahlen aus dem Fahrzeugpark und sprach das neue Informationsmanagement an. So erfuhren die zirka 40 Veranstaltungsteilnehmer, dass die Erixx GmbH mit 25 Fahrzeugen aus dem LNVG-Pool operiert, wobei 20 Fahrzeuge für den laufenden Betrieb sorgen und fünf in Reserve stehen sollen. Lorenz Kasch war in Begleitung des technischen Geschäftsführers Torsten Frahm sowie des Erixx-Pressesprechers Björn Pamperin nach Schwarmstedt gekommen. Richard Eckermann vertrat als Referatsleiter Schiene, Öffentlicher Personennahverkehr, das Ministerium und Michael Körber nahm für die Deutsche Bahn als Leiter Vertrieb und Fahrplan Regionalbereich Nord an der Veranstaltung teil. Die beiden Bereichsleiter Falk Fehsenfeld und Dieter Sandmann repräsentierten die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen. Die Gesprächsrunde war von großer Offenheit und Sachlichkeit geprägt. Viele Details kamen am Abend zur Sprache: beispielsweise dass sich der Erixx im Hauptbahnhof Hannover ein Gleis mit der S-Bahn teilen muss, sei ein Teil der Verspätungsproblematik. Ebenso trage der eingleisige Verkehr zu Verspätungen bei, aber auch veraltete Technik bei Stellwerken und Schrankenanlagen. Zusätzliche Probleme bereiteten defekte Triebwagen, die nicht wie ein Pkw-Gebrauchtwagen so einfach auf dem Markt als Ersatzzüge zu kaufen seien, sowie lange Werkstattaufenthalte bei Reparaturen und Inspektionen. Der sogenannte Sichtfahrbetrieb kam ebenfalls zur Aussprache. Dabei handelt es sich um eine Sicherheitsanweisung für den Triebwagenführer, den Zug mit nur maximal 40 km/h zu fahren. Fahrgäste, die die Hintergründe für eine solche Anweisung, die auch ihrer Sicherheit dient, nicht kennen, reagieren dann oft verärgert. Mangelnder Grünschnitt entlang der Erixx-Bahnstrecken wurde als weiteres Problem dargestellt. Ein zweigleisiger Ausbau der Bahnstrecke sei laut Björn Gehrs anzustreben, selbst wenn eine solche Maßnahme mindestens ein 10-Jahresprojekt darstelle. Der Samtgemeindebürgermeister brachte auch den Wunsch vieler Bürger zum Ausdruck, einen 30-Minuten-Takt für den Erixx einzuführen, wie dies bei der S-Bahn bereits der Fall sei. „Es ist nicht immer ein Vergnügen“, brachte eine Pendlerin ihren Unmut über die Erixx-Verspätungen auf den Punkt. Sie sprach sich für eine Verbesserung der Information der Bahnreisenden aus. Hierzu empfahl Torsten Frahm die Nutzung der „Fahrplaner App“ und Dieter Sandmann kündigte eine entsprechende Bahn-Informations-Initiative an: „Hier passiert demnächst einiges.“ Ein Erixx-Zugbegleiter, der im Publikum saß, appellierte an das Podium, Lösungen für die Probleme zu finden – denn die Fahrgäste hätten ein Anrecht auf eine problemfreie Bahnfahrt. Eine Teilnehmerin nutzte die Gelegenheit, sich beim Erixx-Personal für deren verständnisvollen Einsatz in den Zügen zu bedanken. Diese Mitarbeiter hätten den täglichen Frust der Reisenden auszuhalten. Mit der abschließenden Frage an die Podiumsteilnehmer „Wenn wir hier in einem Jahr wieder zusammensitzen...?“ wagte Björn Gehrs einen Blick nach vorne. „Ich hoffe, dass wir dann den Betrieb stabilisiert haben. Ich kann es aber nicht versprechen“, erklärte Dieter Sandmann von der Landesnahverkehrsgesellschaft. Falk Fehsenfeld, der allen noch einmal für die sachliche Diskussion dankte, hofft auf eine Verbesserung der Fahrzeugverfügbarkeit. Dem schloss sich Ministeriumsvertreter Richard Eckermann an, der auch auf eine erfolgreiche Bundesinitiative zum Ausbau des Schienenpersonennahverkehrs und eine rechtliche Besserstellung der Bahn zur Durchführung von Grünschnittmaßnahmen entlang der Bahnlinien hofft. Michael Körber (DB Netze) berief sich in seinem Schlusswort auf die gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten und hofft, in einem Jahr Erfolgsmeldungen präsentieren zu können. Lorenz Kasch betonte, dass alle Podiumsteilnehmer nach diesem Abend ihre Hausaufgaben machen müssten. „Wir machen die auch“, versprach der Erixx-Geschäftsführer, der den bisherigen Ausbau der Bahnstrecke eine Erfolgsgeschichte nannte – die Maßnahme brachte eine Steigerung der Geschwindigkeit von 80 auf 120 km/h für die Erixx-Züge hervor. Torsten Frahm mahnte, dass ohne deutliche Verbesserung der Infrastruktur die Probleme nicht beseitigt würden. Er sei aber zuversichtlich und hofft, dass eine solche Veranstaltung in einem Jahr nicht wieder durchgeführt werden müsse.