Geschichte des Kalibergbaus aufgearbeitet

Cort-Brün Voige (hinten rechts) und Dr. Stephan Heinemann (3. v. r.) mit Mitgliedern der Projektgruppe „Kaligeschichte im Aller-Leine-Tal“. Foto: B. Stache
 
Dr. Stephan Heinemann (rechts) stellt sein Buch „Kalifieber“ vor. Foto: B. Stache

Projektgruppe „Kaligeschichte im A.L.T.“ präsentiert Arbeitsergebnisse

Rethem (st). „In Lindwedel/Adolfsglück ist 1982 der Kalibergbau zu Ende gegangen“, erinnert sich Lindwedels Bürgermeister Artur Minke anlässlich der Abschlussveranstaltung zum Projekt „Kaligeschichte im Aller-Leine-Tal“ (A.L.T.). Die Samtgemeinde Rethem (Aller) als Projektträger sowie der Zweckverband Aller-Leine-Tal hatten am Montagabend in das Kulturforum Burghof in Rethem eingeladen, um die Ergebnisse der Aufarbeitung der Kaligeschichte im A.L.T. vorzustellen. Samtgemeindebürgermeister Cort-Brün Voige begrüßte unter den geladenen Gästen auch den Geologen Dr. Michael Kosinowski, der mit einem Fachvortrag zum Thema Kalibergbau die Veranstaltung bereicherte. „Die Halden, die hier in der Region noch liegen, sind Abfall aus dem Kalibergbau gewesen, den man an die Seite gelegt hat, den man nicht haben wollte. An anderer Stelle hat man Steine, die aus dem Bergwerk kamen, für den Straßenbau genutzt“, erklärte der Geologe und präsentierte einen Pflasterstein, der in einer Straße in Groß Häuslingen verbaut war. Zuvor hatte Cort-Brün Voige die Arbeitsergebnisse der Projektguppe „Kaligeschichte“ erläutert. Es sei viel mehr Arbeit in das zweieinhalbjährige Projekt investiert worden, als ursprünglich geplant, und es habe auch etwas länger gebraucht, gestand der Samtgemeindebürgermeister und fügte an: „Ich denke, wir sind um viele Erfahrungen reicher und auch um einige Bausteine, die wir heute der Öffentlichkeit übergeben können.“ Ziel sei es gewesen, die Geschichte des Kalibergbaus zu Beginn des letzten Jahrhunderts im A.L.T. aufzuarbeiten – und das für insgesamt acht ehemals selbständige Orte entlang der Aller zwischen Celle und Verden: Ahnebergen, Hülsen, Klein und Groß Häuslingen, Grethem, Hope/Adolfsglück, Wietze/Steinförde sowie Hambühren/Ovelgönne. Hierzu seien eine Vielzahl an Dokumenten, Fotos und örtlichen Chroniken gesichtet, Archive besucht sowie Zeitzeugen befragt worden. Die Geschichte des industriellen Aufschwungs, den die ehemaligen Bauerndörfer erfahren haben, sollte für die heutige Generation erlebbar gemacht werden, erläuterte der Samtgemeindebürgermeister. Ebenso wichtig sei gewesen, die Ergebnisse touristisch nutzbar zu machen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: In jedem der acht Kaliorte wurde an exponierter Stelle mindestens eine Informationstafel aufgestellt. „Wir haben darüber hinaus an wesentlichen Punkten, insbesondere an Gebäuden, den ehemaligen Kalischächten und Abraumhalden insgesamt 32 Tafeln angebracht“, so Voige. Am Aller-Radweg weisen zudem neue Hinweisschilder Radtouristen den Weg zu den markanten Kali-Punkten im A.L.T. . Bis zum Beginn der kommenden Fahrradsaison werden auch noch QR-Codes das Informationsangebot verstärken. Voige verwies auf die Aktualisierung des Aller-Radweg Navigators sowie auf das neue Faltblatt „KALIFIEBER IM ALLER-LEINE-TAL“ und erwähnte lobend die Heinrich-Christoph-Londy-Oberschule in Rethem, die unter Federführung von Gunter Schäffler eine AG „Bergbau im Aller-Leine-Tal?“ anbietet. Der Historiker und Autor Dr. Stephan Heinemann aus Berlin stellte später im Gewölbe des Burghofes sein Buch „Kalifieber“ vor. Nach einer kurzen Einführung zum Kalisalz und Kalibergbau, der 1861 in Staßfurt bei Magdeburg seinen Anfang nahm, wendet sich das Buch der Geschichte der acht Kaliorte im A.L.T. zu. Mit vielen Fotos und Beschreibungen ruft der Autor unter anderem ehemalige Fabrikanlagen, Wohngebäude für Kalibedienstete und Schulgebäude als prägende Zeugnisse aus der Kalizeit in Erinnerung. Am Beispiel von Groß- und Klein Häuslingen schildert Dr. Heinemann in seinem Buch sehr detailliert die Auswirkungen des Kalibergbaus auf die dörfliche Struktur bis hin zur Schließung der dortigen Kaliwerke im Jahr 1925. „In den sechziger Jahren lebte der Kalibergbau bei uns wieder auf“, weiß Lindwedels Bürgermeister über Adolfsglück zu berichten – 1982 war dann auch am dortigen Schacht endgültig Schluss. Nach der Buchvorstellung im Gewölbe des Burghofes klang der Abend bei einem Imbiss und vielen Gesprächen aus. Das Buch „Kalifieber“ kann zum Preis von 14,95 Euro bei der Samtgemeinde Rethem über Petra Schulze bezogen werden: Telefon (0 51 65) 98 98 12 oder per E-Mail: schulze-petra@rethem.de. „Ein gutes Weihnachtsgeschenk“, verspricht Petra Schulze.