Hauptversammlung in Eickeloh

Ortsbrandmeister Sven Lindhorst nimmt Michelle Hoffmann und Nele von Wieding in die Einsatzabteilung der Feuerwehr Eickeloh auf.
 
Ortsbrandmeister Sven Lindhorst (Zweiter von rechts) und seine Gäste im Kreise der Beförderten und Geehrten.
 
Alexander Prenzel, Gemeindebrandmeister der Samtgemeinde Ahlden, stellte die Bedeutung des neuen Brandschutzbedarfsplans heraus.
 
Als Ehrengabe und Dankeschön hält der scheidende Gerätewart Harald Heuer (Mitte) einen Gutschein für eine Minikreuzfahrt für zwei Personen in den Händen.

Das gute Gefühl freiwilliger Hilfe und eine moderne Technik

Heidekreis. Die Feuerwehr Eickeloh blickt zurück auf 2019 und nach vorn in die Zukunft
Ist es die neue Qualität eines ausgeprägten Egoismus, den man in unserer Gesellschaft mehr und mehr beobachtet? Oder ist es Ausdruck abnehmenden Respekts gegenüber Mitmenschen? Oder schlicht der rücksichtslose Drang nach Klicks und Ruhm? Wie sonst lassen sich die immer häufiger werdenden Meldungen über Angriffe auf Einsatzkräfte sowie über eine perfide und die Unfallopfer verhöhnende Art zu gaffen erklären? Diese sorgenvollen Fragen stellte kürzlich Sven Lindhorst, Ortsbrandmeister der Feuerwehr Eickeloh, seinen Kameraden und den anwesenden Gästen. Eine Antwort fiel schwer, vielmehr wurde Ratlosigkeit deutlich. Lindhorst, der gemeinsam mit seinem Stellvertreter Dominik Heuer zur Jahreshauptversammlung in das Gerätehaus Eickeloh geladen hatte, stellte stattdessen weiter fest, dass in diesen Zeiten auch Helfer einmal Hilfe benötigten und sich mitunter fragten, ob sie den oben genannten Herausforderungen gewachsen sind, während sie doch rund um die Uhr jeden Tag einsatzbereit für die Gesellschaft sind. Dennoch – da waren sich die Anwesenden einig – überwiege die Faszination immer noch bei weitem. Faszination Feuerwehr bedeute auch in Eickeloh Gemeinschaft, Zusammenhalt, interessante Technik und nicht zuletzt das gute Gefühl, einem Menschen in Not geholfen oder sogar ein Leben gerettet zu haben.
Mit dieser Kenntnis engagieren sich neuerdings Michelle Hoffmann und Nele von Wieding in der Einsatzabteilung der Feuerwehr Eickeloh. Sie zählen zu den vielen hundert neuen Einsatzkräften in den niedersächsischen Feuerwehren, die bereit sind, für ihre Gemeinde und für die Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen und ein deutliches Zeichen gegen den genannten Egoismus zu setzen. Der Ortsbrandmeister begrüßte die beiden jungen Frauen herzlich in den Reihen „seiner Aktiven“ und dankte zugleich allen für ihr selbstloses Engagement. Das Jahr 2019 war für die Eickeloher Brandschützer nämlich ereignisreich. Zum Kerngeschäft gehörten da die Brand- und Hilfeleistungseinsätze aller Art. Zehn Einsätze galt es abzuarbeiten – von der klemmenden Amsel in Not über brennende Hecken und Schuppen bis zum Verkehrsunfall mit gefährlicher Brandentstehung. Zum Alltagsgeschäft der 50 Frauen und Männer der Eickeloher Feuerwehr gehörten aber auch Übungs- und Ausbildungsdienste, Lehrgänge und Fahrten sowie Aktionen zur Stärkung des Zusammenhalts und der Dorfgemeinschaft. So fand zum Beispiel wieder der Weihnachtsmarkt auf dem Dorfplatz statt, den die Feuerwehrleute unterstützten. Überhaupt werden Training und Ausbildung in Eickeloh großgeschrieben. Man zählt jetzt zu den ersten umfassend ausgebildeten Feuerwehren mit Grundausstattung, die in der Lage sind, die großen Feuerwehrschwerpunkte bei ihrer Arbeit mit hydraulischen Drehleitern zu unterstützen. Nachdem es nämlich in der Samtgemeinde Ahlden in der Vergangenheit zu zwei brisanten Einsätzen gekommen war, initiierten die Ortsbrandmeister Eickelohs und Walsrodes, Sven Lindhorst und Stephan Wagner, vor mittlerweile sechs Jahren die gemeinsame Ausbildung an der hydraulischen Drehleiter der Feuerwehr Walsrode. Es wurden regelmäßig Situationen wie die Patientenrettung per Trage am Drehleiterrettungskorb und der Löscheinsatz per Wenderohr geübt. Im April 2019 fand wieder eine vielseitig ausgearbeitete Übung statt, so dass nun 16 gut ausgebildete Eickeloher Feuerwehrleute die Walsroder Drehleiter bedienen können.
Eine weitere besondere Übung war die gemeinsame Vegetationsbrandbekämpfung mit den Feuerwehren Essel und Schwarmstedt. Im Juni 2019 wurden vier Szenarien der Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden und zum Beispiel der massive Schutz von Feuer bedrohter Siedlungen trainiert. Außerdem konnte das Trainierte gefestigt werden, als es im Oktober hieß, die Schotenheide zu retten. Die groß angelegte Übung „Wolfsbrand“ der Feuerwehren der Samtgemeinden Ahlden, Rethem und Schwarmstedt in dem weitläufigen Naturgebiet beschäftigte insgesamt etwa 350 Einsatzkräfte.
Die beiden Gruppenführer Jan Kuhlmann und Carsten Wiebe stellten weitere Highlights der Ausbildung auf Ortsebene vor. Unter anderem die Themen dreiteiliger Löschangriff, Retten und Selbstretten, Wasserförderung über lange Wegstrecken und die technische Hilfeleistung nach einem Verkehrsunfall mit einem Holzrückewagen standen auf dem Dienstplan. Außerdem wurde gemeinsam mit den Kameraden aus Hodenhagen der Einsatz mit der Wärmebildkamera trainiert.
Auch die Jugendfeuerwehr Eickeloh freut sich über ein ereignisreiches abgelaufenes Jahr, in dem es erfolgreiche Teilnahmen an Wettbewerben und am Kreiszeltlager, einen Umwelteinsatz im Ort sowie eine gemeinsame Fahrt nach Dänemark in ein großes Ferienhaus gab – inklusive eines Besuchs des dortigen Freizeitparks Legoland. Eickelohs Jugendfeuerwehrwartin Henrike Völker, die an diesem Abend in ihrer Funktion wiedergewählt wurde, ließ die vielseitigen Aktivitäten der Jugendlichen Revue passieren und gratulierte den mit der Jugendfeuerwehr-Leistungsspange neu Ausgezeichneten. Die motivierten und gut ausgebildeten Mädchen und Jungen der Jugendabteilung seien schließlich die engagierten Einsatzkräfte von morgen.
In die Zukunft blicken die Eickeloher Feuerwehrleute aber auch, weil sie engagierte Kameraden in ihren Reihen haben, die bereit sind, besondere Aufgaben zu übernehmen. Nach vielen Jahren seines großen und wertvollen Einsatzes und nach ungezählten Arbeitsstunden wurde Harald Heuer als Gerätewart verabschiedet. Heuers Wirken wird ohne Zweifel auf die Zukunft der Ortsfeuerwehr ausstrahlen; nicht zuletzt, weil ihr heutiger Stand der Technik ohne ihn undenkbar wäre. Auch Thomas Rauch hat sich als langjähriger Sicherheitsbeauftragter für die Ortsfeuerwehr eingesetzt und verdient gemacht. Er wurde nun ebenfalls aus seiner Funktion verabschiedet. Beiden Verabschiedeten dankte Ortsbrandmeister Lindhorst in einer emotionalen Rede und würdigte ihr Engagement. Die Nachfolge Harald Heuers tritt Tobias Stelter an, der von der Versammlung zum neuen Gerätewart gewählt wurde. Zu Thomas Rauchs Nachfolger wurde Ralf Hering gewählt. Eine neue zukunftsweisende Idee entwickelte sich schließlich, als sich die Gäste zu ihren Grußworten erhoben. Ahldens Samtgemeindebürgermeister Carsten Niemann griff nämlich die Gratulation zur bestandenen Fluglizenz auf und skizzierte seine Idee eines möglichen Fluges mit den Augen der Feuerwehr. So könnten die Orts- und Gemeindebrandmeister der Samtgemeinde sich einen ungeahnten Blick auf ihr Ausrückegebiet verschaffen und evtuellen Mängel oder Bedarfe „von oben“ feststellen. Überhaupt wies Niemann auf die Zukunftsgewandtheit der Samtgemeinde hin, die nun einen neuen und umfassenden Brandschutzbedarfsplan beschlossen habe. Ebenso wichtig aber war es dem Samtgemeindebürgermeister, allen Mitgliedern der Ortsfeuerwehr Eickeloh und deren Familien, Angehörigen und Arbeitgebern zu danken, dass das hochwertige Schutzniveau in der Gemeinde Eickeloh auch 2019 gesichert war. Eickelohs stellvertretender Bürgermeister Friedrich Börstling schloss sich diesem Dank an, überbrachte die Grüße des Bürgermeisters Joachim Schoth und lobte die gute Tagesverfügbarkeit und das hohe Engagement der Eickeloher Einsatzabteilung.
Abschnittsbrandmeister Richard Meyer, der 2020 seine langjährige und hochverdiente Funktion aus Altersgründen zur Verfügung stellen wird, genoss es sichtlich, ein letztes Mal in Eickeloh zu reden und so auch die Ehre zu haben, den Altgedienten seine Anerkennung sowie den Neugewählten und den Beförderten seinen Glückwunsch auszusprechen. Dem schloss sich Gemeindebrandmeister Alexander Prenzel an und formulierte das wichtige Ziel, nach dem Vorliegen eines Bedarfsplans und der Vielzahl weiterer Handlungsmöglichkeiten auf Samtgemeindeebene noch stärker das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass die Angehörigen der sechs Ortsfeuerwehren allesamt Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr ihrer Samtgemeinde sind. Er lobte die Kameraden aus Eickeloh insbesondere für die hervorragende Ausrückebereitschaft innerhalb der Hilfsfristen. Gemeint ist damit zum einen die Einsatzverfügbarkeit der Ehrenamtlichen tagsüber, während sie regulären Berufen nachgehen. Zum anderen meint Prenzel damit die Schnelligkeit, auch Einsatzstellen östlich der Aller erreichen zu können, die über Eickeloh hinaus in Hademstorf und in Hodenhagen liegen. Frau Pastorin Sabine Half ergänzte, dass sie jedem Mitglied der Feuerwehren und Hilfsorganisationen wünsche, gesund und unversehrt aus dem Einsatz zurückzukehren. Achim Helms, Vorsitzender des Schützenvereins Eickeloh, betonte schließlich, wie gut der Zusammenhalt und die Kooperation in der Gemeinde sei; nicht zuletzt, weil engagierte Feuerwehrkräfte auch engagierte Schützen sein können.
Die Ernannten und Beförderten 2019 sind Florian Eickhoff, der nach erfolgreicher Grundausbildung zum Feuerwehrmann ernannt wurde, die zu Oberfeuerwehrmännern beförderten Eric Dietz, Tobias Stelter und Johannes Trippe, sowie Friedrich Börstling, der zum Ersten Hauptfeuerwehrmann befördert wurde. Die in besondere Funktionen (wieder-)gewählten sind Henrike Völker und Andre Andermann als Jugendfeuerwehrwartin beziehungsweise Stellvertreter sowie Ralf Hering und Tobias Stelter, die Neuen in den Funktionen Sicherheitsbeauftragter und Gerätewart.