Henrik Rump wirft Hut in den Ring

Andere geben den „Staffelstab“ weiter, in diesem Fall ist es symbolisch der Kürbis, den die CDU-Landtagsabgeordnete Gudrun Pieper an ihren Wunschnachfolger Henrik Rump weiterreicht. Hat doch der Landwirt aus Norddrebber schon allein mit dem Anbau von 45 Kürbissorten bewiesen, dass er Mut zum Risiko besitzt. Foto: A. Wiese

Landwirt aus Norddrebber will 2022 CDU-Landtagskandidat werden

Norddrebber (awi). Dass Gudrun Pieper mit 65 Jahren und nach drei Legislaturperioden im nächsten Jahr nicht erneut für den Niedersächsischen Landtag kandidieren möchte, hat die CDU-Landtagsabgeordnete bereits vor einiger Zeit angekündigt. Am Donnerstag stellte sie ihren Wunschnachfolger vor. Auch er kommt aus der Samtgemeinde Schwarmstedt, und zwar aus der kleinen Gemeinde Norddrebber. Henrik Rump, 38 Jahre alt, kann trotz seines für Politikerverhältnisse noch jugendlichen Alters bereits mit reichlich politischer Erfahrung aufwarten: Er macht seit 15 Jahren Kommunalpolitik und ist aktuell stellvertretender Landrat, stellvertretender Samtgemeindebürgermeister und stellvertretender Gemeindebürgermeister von Gilten.In den niedersächsischen Landtag möchte er allerdings nicht nur stellvertretend, sondern hauptamtlich und mit allen Konsequenzen, was angesichts seines Familienbetriebes mit drei Standbeinen – Landwirtschaft, Landcafé und Pferdezucht – ein mutiges Unterfangen ist, das ein Höchstmaß an Organisation und Unterstützung von Mitarbeitern und Familie voraussetzt, wie er selber zugibt. Doch Henrik Rump hat sich seinen Entschluss reiflich und gut überlegt. Nach der Kommunal- und Bundestagswahl hat er bewusst etwas Zeit verstreichen lassen und die Situation in seinem Wahlkreis in Ruhe analysiert. Dass seine Partei sich „momentan in schwerem Fahrwasser befindet und es die Aufgabe von ihm und seinen Parteifreunden ist, die Partei wieder auf Kurs zu bringen“, ist Rump bewusst. Daher hat er es genauso auch in seinem Anschreiben an die CDU-Mitglieder formuliert, das er herausgeschickt hat, bevor er mit seinem Entschluss gemeinsam mit Gudrun Pieper vor die Presse getreten ist. Denn die Mitglieder sollten seine Bereitschaft zur Kandidatur nicht aus der Presse erfahren. Bevor es mit dem Wahlkampf um den Einzug in den Landtag nämlich ernst wird, müssen die Mitglieder im Heidekreis im Januar entscheiden, ob sie mit Rump oder einem anderen Kandidaten antreten wollen. Bis zur Urwahl kann jedes CDU-Mitglied sich als Kandidat melden.

Der Lebenslauf des 38-Jährigen ist zielorientiert: Nach dem Realschulabschluss in Schwarmsetdt machte er eine landwirtschaftliche Lehre auf zwei verschiedenen Ausbildungsbetriebe, absolvierte dann die Landwirtschaftliche Fachschule mit dem Abschluss Betriebswirt Agrar erfolgreiche und diente zwei Jahre bei der Bundeswehr, bevor er in den elterlichen Betrieb einstieg. Den führt er heute zusammen mit seinen Eltern: mit Ackerbau, der seit fast 100 Jahren bestehenden Hannoveraner Pferdezucht und dem Hofcafé Landleben, unterstützt von seiner Mutter und einem engagierten Team. Bereits seit jungen Jahren ist Henrik Rump Mitglied und zum Teil ehrenamtlich tätig in der Feuerwehr, im Schützenverein, beim Landvolk, im Pferdezuchtverein, bei den Flößern, in der Jägerschaft und einigen mehr. Politik hat Rump schon zu Schulzeiten interessiert und er trat früh in die Junge Union ein. Politisch in der Verantwortung ist er seit seinem 18. Lebensjahr im Gemeinderat Gilten, seit seinem 23. Lebensjahr im Rat der Samtgemeinde Schwarmstedt und seit seinem 33. Lebensjahr im Kreistag des Heidekreises. So wie erses bisher im Ehrenamt gemacht hat, möchte Rump nun seine ganze Kraft hauptamtlich für die Interessen von Menschen einsetzen. „Die Entscheidung fällt mir nicht leicht, denn ich bin verwurzelt im eigenen landwirtschaftlichen Betrieb, verantwortlich für Mitarbeiter und lebe in einer unglaublich freundlichen Dorfgemeinschaft Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich immer ein Mann der Basis bleiben werde, die mir unheimlich wichtig ist“, betont Rump auch im Pressegespräch am Donnerstagvormittag. Doch er weiß auch: „In unseren Parlamenten fehlen Entscheidungsträger, die die Alltagssorgen der breiten Bevölkerung verstehen, weil sie den Berufsalltag kennen“.
Ganz besonders wichtig ist ihm, der scheidenden Landtagsabgeordneten Gudrun Pieper für ihren jahrelangen Einsatz für den Heidekreis und seine Bürger zu danken. Für Fragen stehe egal ob für Verbände, Betriebe, Unternehmen oder Privatpersonen, jederzeit zur Verfügung, verspricht Rump, der per E-Mail über henrikrump.cdu@web.de erreichbar ist.
Die Landtagswahl in Nieder-sachsen ist am 9. Oktober 2022. Die Zeit läuft. Daher hat Rump jetzt sein Bewerbungsschreiben an die Partei auf den Weg gebracht und den Wunsch angemeldet, Landtagskandidat des Wahlkreises 43 zu werden, zu dem sechs CDU-Verbände gehören. Noch ist weder ihm noch Gudrun Pieper bekannt, ob andere CDU-Mitglieder konkrete Ambitionen haben, Kandidat zu werden. Es würden schon immer mal wieder Namen in den Raum geworfen, aber nie einer konkretisiert, so Pieper. Ihrer Meinung nach bringt Henrik Rump das nötige Selbstbewusstsein mit. Er selbst bezeichnet sich als eckig und kantig, jedenfalls sei er nicht der aalglatte Typ.„Ich streite gerne um die Sache, auch emotional und intensiv, aber ich kann mit meinem Diskussionspartner hinter immer ein Bier trinken gehen.“
Sein Leitsatz lautet: „Mir ist wichtig, dass ich sage, was ich denke, aber dann auch tue, was ich sage, auch wenn mir ein rauer Wind entgegenweht.“ Damit unterscheide er sich von manch anderem Politiker. Im Landtag sei der Ton anders als auf kommunaler politischer Ebene, sagt Gudrun Pieper auf Nachfrage. Da müsse man schon ab und zu die Ellenbogen benutzen. Doch sie traue es Henrik Rump zu, sich auch dort durchzusetzen: „Wenn man eine Linie wie Henrik hat, kann man auch mit Akzeptanz rechnen!“ Das gelte auch für die innerparteiliche Kür. Dass sich noch Konkurrenten um den Kandidatenplatz melden, sei gelebte Demokratie
Angesprochen auf die Situation in der Kreis-CDU räumen Rump und Pieper beide ein, dass die schon mal besser gewesen sei. Hier müsse die Partei vieles aufarbeiten und sich zunächst inhaltlich und dann auch personell neu aufstellen. Damit werde noch Ende November begonnen. Fakt sei, dass der amtierende Kreisvorsitzende nächstes Jahr nicht wieder für das Amt kandidieren werde und der Kreisparteitag voraussichtlich im März einen neuen Kreisvorsitzenden wählen werde. Für jegliche Spekulation sei es jedoch verfrüht.
„Ein neuer Kreisvorstand der CDU im Heidekreis muss teamfähig sein, modern, zukunftsorientiert und aufgeschlossen gegenüber den sozialen Medien, um gut und leistungsfähig aufgestellt zu sein. Ich hoffe, dass der Nord-Süd-Konflikt im Heidekreis sich entzerrt und das Feuer aus dem Krankenhausthema endlich raus ist“, meint Henrik Rump, der sich auf die Frage, wen er sich auf Bundesebene als Parteichef wünscht, ganz klar zu Friedrich Merz bekennt.
Hier setzt er ebenso auf eine demokratische Entscheidung der Mitglieder wie im Fall seiner möglichen Kandidatur, die er gerne mit ganzer Kraft angehen würde. „Und wenn eine Wahl nicht über die politische Linie zu gewinnen ist, dann muss man sie menschlich gewinnen“, lautet Rumps Antwort auf die Einlassung eines Journalisten, dass er es ja mit einem sehr starken Gegner im Falle einer Landtagskandidatur zu tun bekommen würde. Das habe schon Gudrun Pieper bei der letzten Landtagswahl erfahren müssen, in der sie im Gegensatz zu den beiden anderen Malen zuvor das Direktmandat in ihrem Wahlkreis nicht erringen konnte und über Platz neun der Landesliste in den Landtag einzog. Dass ein Newcomer wie Rump so gut über Liste abgesichert wird, sei eher unwahrscheinlich, räumt auch Gudrun Pieper ein. Es gelte also auf jeden Fall, den Sieg im Wahlkreis anzupeilen.