„Irgendwie ein merkwürdiges Ende“

Dass er seinen 23. Geburtstag am letzten Dienstag zuhause in Essel feiern würde, hätten weder Helge Hornbostel noch seine Mutter vor wenigen Wochen gedacht. Nach dem ersten Schock über den abrupten Abbruch ist der PPPler aber mittlerweile froh, in Corona-Zeiten zuhause in Deutschland zu sein. Foto: A. Wiese
 
Helge (links) mit einem Freund.

Der Esseler Helge Hornbostel musste sein Jahr in Amerika vorzeitig beenden

Essel (awi). „Ein merkwürdiges Ende“ hat Helge Hornbostel den letzten Blog seines USA-Aufenthalts über das Parlamentarische Austauschprogramm des Bundestages betitelt. Denn wegen Corona wurden aus dem geplanten Jahr nur acht Monate. Am 12. März erhielt der PPPler bei seiner Gastmutter in Minnesota per Whatts App die Nachricht, dass das Programm vorzeitig beendet wird. Am 16. März landete er bereits am Frankfurter Flughafen.
„Doch im Gegensatz zu einigen anderen aus meinem Programm der Jungen Berufstätigen bin ich weich gefallen“, ist sich der Esseler bewusst. Er stand zwar zunächst ohne Job da, hatte aber, da er noch bei seinen Eltern wohnt, zumindest ein Dach über dem Kopf. Und mittlerweile arbeitet der gelernte Speditionskaufmann auch aushilfsweise in der Firma seines Vaters. „Kumpel von mir haben teilweise weder Job noch Wohnung, weil man so etwas ja bei einem für ein Jahr geplanten Aufenthalt in Amerika kündigt“, gibt Helge Hornbostel im Gespräch mit dem ECHO zu bedenken, das er ausgerechnet an seinem 23. Geburtstag führt. Den hatte er eigentlich mit seinen neuen Freunden in den Staaten am Yellowstone feiern wollen. „Als uns die Nachricht über den Abbruch mit der Aufforderung unsere Koffer zu packen erreichte, war Corona in den USA eigentlich gar kein Thema“, so die Wahrnehmung des jungen Deutschen. Daher kam ihm in dem Moment der Abbruch auch überzogen vor. Heute denkt er darüber anders. „Als wir am 16. März in Frankfurt aus dem Flugzeug stiegen, war das der erste Tag des Lockdowns hier in Deutschland. Alle liefen dort am Flughafen bereits mit Mund-Naenschutz herum. Da ist mir die Situation erst bewusst geworden.“ Mit vielen seiner PPP-Kollegen steht er noch in Kontakt. Mit Corona hat sich seines Wissens nach keiner infiziert, fünf wurden vorsichtshalber getestet, alle negativ. Doch die Entwicklung der Pandemie in den USA, die er jetzt vor dem Fernseher verfolgt, macht ihn schon betroffen. Jetzt richtet er den Blick nach vorne: Ein Gespräch mit dem früheren Arbeitgeber, der ihm nach Ablauf des Austauschs eine Wiedereinstellung zugesichert hatte, aber von den Ereignissen jetzt natürlich genauso überrollt wurde, wie Helge Hornbostel selbst, neben der Jobsuche auch die Suche nach einer eigenen Wohnung, was eigentlich bereits vor dem Start in die USA geplant war, das sind jetzt erstmal die Prioritäten für den 23-Jährigen, der für das, was er in den letzten acht Monaten gesehen und erlebt hat, sehr dankbar ist.
Dass er in Anoka, einem Vorort von Minneapolis am College in Teilzeit studieren und bei einer Gastmutter und nicht in einem Studentenheim wohnen würde, all das hatte der Esseler relativ spät, eigentlich erst bei seiner Abreise in die Staaten im August letzten Jahres erfahren. Dementsprechend breit aufgestellt war er, was seine Kleiderauswahl betraf, die aber bei der Ankunft nur einen halben Koffer füllte. „Jetzt zurück waren es allerdings zwei Koffer“, berichtet der 23-Jährige: „Als ich erfuhr, dass ich in Minnesota bin, habe ich mir von zuhause erst einmal Winterjacke und warme Schuhe schicken lassen.“ Und die brauchte er auch, denn der Winter dort stellte das, was er aus dem heimischen Essel gewohnt war, weit in den Schatten. Zurecht fand sich der junge Berufstätige, der eigentlich nur die Ersatzperson in der Auswahl des SPD-Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil war, relativ schnell. Sein gefordertes ehrenamtliches Engagement deckte er zunächst beim ACBC Food Shelf, einer der deutschen Institution der Tafel ähnlichen Organisation und später mit dem Training von Jugendmannschaften in seinen Lieblingssportarten Basketball – in Schwarmstedt gehört Helge Hornbostel zu den Gründern der Basketballmannschaft Monkeys – und Fußball ab. Am Minneapolis Community and Technical College trat er sowohl dem Fitness- als auch dem Fussball Club bei – im übrigen auch eine gute Gegenmaßnahme gegen das gehaltvolle Essen in den Staaten, stellte er augenzwinkernd fest. Unter dem Motto „Support your local“ hatte Helge gleich zu Beginn seines Aufenthaltes, als er noch keinen internationalen Führerschein und kein Auto hatte, und daher etwas „angebunden“ war, die Spiele des lokalen NFL-Teams besucht. Am College entschied er sich Entschieden habe ich mich für einen Wirtschafts-/ Marketing Kurs und einen Kurs in interkultureller Kommunikation. „Beide Kurse waren glücklicherweise am Dienstag und Donnerstag, so dass ich den Rest der Woche Zeit für andere Dinge hatte“, berichtet der Esseler. Als endlich das eigene Auto da war, ein Pontiac GP 2006, den er bei seiner überstürzten Abreise nicht mehr so schnell verkaufen konnte, was jetzt ein Freund für ihn übernehmen will, waren natürlich vor allem Road Trips mit Freunden angesagt. Doch auch das Geldverdienen gelang ihm in seinem geliebten Sport: Nach einem erfolgreichen Telefoninterview und einem kurz darauf stattfindenden persönlichen Vorstellungsgespräch, hatte Helge Hornbostel dann tatsächlich seinen Job bei Minnesota United – als Brand Ambassador (Markenbotschafter). Seine Aufgaben waren unter anderem bei öffentlichen Veranstaltungen des Vereins mit Fans und potentiellen Fans zu interagieren und die Begeisterung für die Sportart in der Welt und in der Region zu steigern. Des Weiteren arbeitete er auch an Spieltagen. Bei Heimspielen im Stadion „Allianz Field“ gab es zahlreiche organisatorische Aufgaben für ihn zu übernehmen wie Scoreboard verwalten oder Meet and Greets zu organisieren. Das hat ihm soviel Spaß gemacht, dass er sich durchaus vorstellen kann, sich auch hier in Deutschland jetzt beruflich in dieser Richtung zu engagieren. Die Bewerbung für Hannover 96 sei bereits auf dem Weg, verrät Helge im Gespräch mit dem ECHO. Wenn das klappen sollte, wäre das ein tolles nachträgliches Geburtstagsgeschenk für ihn. Er hat noch sehr viel zu erzählen von seinen acht Monaten in den USA, doch es wird auch demnächst noch einen Termin mit Lars Klingbeil geben, nach dem es ja auch noch was zu berichten geben muss.