Johanniter-Helfer - Einsatz mit Worten statt Fäusten Fortbildung: Deeskalationskurs, damit Helfer nicht zu Opfern werden

Erklärung vor der Teilnehmergruppe: Lars Brand, Jana Fingerhut und Benjamin Troschke (v.r.), SEG-Mitglieder vom Johanniter Ortsverband Aller-Leine, hören der Ausbilderin aufmerksam zu. Foto: T. Brüning
Schwarmstedt. Immer häufiger sehen sich Menschen in medizinischen und sozialen Berufen bei ihrer Arbeit mit aggressivem Verhalten konfrontiert. Auch vor den Helfern im Katastrophenschutz und Rettungsdienst macht die Gewalt nicht halt. In zwei Pilot-Fortbildungen haben sich jetzt 40 Helferinnen und Helfer der Regionalbereitschaft des Johanniter Regionalverbandes Niedersachsen-Mitte, darunter auch neun Mitglieder der Schnell-Einsatz-Gruppe des Ortsverbandes Aller-Leine, mit dem Thema befasst. Der Kurs fand in Kooperation mit dem Polizei-Sport-Verein Hannover und der Polizeiinspektion Ost statt.
Oft fühlen sich die Helfer unsicher oder auch überfordert, wenn sie mit Aggressionen und Gewalt konfrontiert werden. Ziel der Fortbildung war es, den Helfern Strategien zur Vermeidung von Gewalt und Eskalation von Gewalt durch theoretische Einheiten zu vermitteln. Im praktischen Teil wurden durch speziell zum Thema Selbstverteidigung ausgebildete Trainer der Judo-Abteilung einfache Techniken vermittelt. Im Zusammenspiel beider Inhalte konnten die Teilnehmer ihre Selbst- und Fremdwahrnehmung verbessern und das Selbstwertgefühl steigern.
Die jeweils 20 Johanniter der Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG) Wunstorf, Langenhagen, Deister und Schwarmstedt erzählten zu Beginn des sechsstündigen Kurses von ihren Einsatzerfahrungen zum Beispiel mit enthemmten Volltrunkenen oder verfeindeten gewaltbereiten Besuchergruppen bei Stadtfesten und Sportveranstaltungen. Im Kurs lernten die Teilnehmer, dass viele Gewalttätigkeiten durch rechtzeitiges Wahrnehmen von Signalen und geschickte Kommunikation vermieden werden können.
„Wir beobachten seit langem, dass die Gewaltbereitschaft auch gegenüber Rettungskräften zunimmt“, so Regionalbereitschaftsführer Tim Heinrich. Viele Johanniter haben bereits entsprechende negative Erfahrungen gemacht. Gemeinsam wurden die Übergriffe aufgearbeitet und die Warnsignale vor einer möglichen Eskalation besprochen, zum Beispiel bestimmte Beleidigungen oder ein verringerter körperlicher Abstand. In Fallbeispielen lernten die Helfer, wie sie dem Aggressor wirkungsvoll begegnen und ihn mit Worten besänftigen können. Bei den Rollenspielen ließ sich gut erkennen, welche Gesprächstechnik und Körpersprache einen Streit anheizt oder abkühlt.
Der praktische Teil „Eigensicherung und Selbstverteidigung“ fand in einer Sporthalle der Polizei in Hannover statt. „Wenn alles Reden nichts mehr hilft, sollten unsere Helfer wenigstens ohne blaues Auge davonkommen“, ist sich Heinrich mit den Einheitsführern seiner Bereitschaft einig.