Mit Tempo 130 unterwegs

Einjährige Messungen in der Gemeinde Gilten zeigen hohes Geschwindigkeitsniveau

Gilten. Wer kennt sie nicht, wenn er mit dem Auto übers Land fährt: Digitale Anzeigetafeln die exakt die gefahrene Geschwindigkeit anzeigen und je nach Tempo ein freundliches Gesicht oder eine böse Miene zeigen. Ziel dieser Geräte: die Fahrzeugteilnehmer zu sensibilisieren und damit einen Beitrag zu leisten, den Fuß bei überhöhter Geschwindigkeit vom Gaspedal zu nehmen. Auf Antrag der Bürgerliste Gilten wurden Ende 2018 in der Gemeinde Gilten zwei dieser Geräte angeschafft. Anschließend wurden die Geräte an insgesamt 16 Standor-ten in den vier Ortsteilen Suderbruch, Nienhagen, Gilten und Norddrebber aufgehängt. Die Geräte hingen etwa 4-6 Wochen am jeweiligen Standort. Das Umhängen der Geräte und das Aufladen übernahm der Bauhof der Samtgemeinde Schwarmstedt.
Mit Hilfe der integrierten Software wurden die Geschwindigkeiten etwa 150 Meter vor der Anlage und anschließend direkt vor der Anlage gemessen, sowie die Tageszeit und die An-zahl der Fahrzeuge. Nach 12 Monaten liegen nunmehr die Messungen von allen 16 Standor-ten vor und sie geben einen guten Überblick, an welchen Standorten wie schnell gefahren wurde. Gleichzeitig läßt sich ablesen, in welchem Umfang die Geräte dazu beitragen, die Geschwindigkeit abzusenken. Den Auswertungen liegen die Geschwindigkeitsmessungen von mehr als 770.000 Fahrzeugen zugrunde. Ausgewertet wurden die Daten durch die beiden Ratsherren Mark Reinert und Dr. Stefan Dreesmann. Die Ergebnisse wurden vor kurzem an-lässlich der letzten Ratssitzung der Gemeinde Gilten vorgestellt.
Zuerst die gute Nachricht: Die digitalen Anzeigetafeln zeigen tatsächlich die erhoffte Wir-kung. An allen Messpunkten konnte nachgewiesen werden, dass die Geschwindigkeit merk-lich abnimmt. Viele der Verkehrsteilnehmer reagieren auf die Anzeige der Geschwindigkeit und das Aufblinken der ‚bösen Miene‘ und drosseln ihr Tempo deutlich. Im Durchschnitt bis zu 9 km/h. Noch deutlicher wird das mit folgenden Zahlen. Fuhren innerorts beim Eintritt in den Messkegel der Anzeigetafel noch mehr als 40 % aller Fahrzeuge schneller als 50 km/h so waren es kurz vor der Anzeigetafel nur noch 20 %. „Ein sehr schöner Erfolg“ so Mark Reinert „der zeigt, dass auch einfache Mittel wie die Anschaffung der Anzeigetafeln dazu beitragen, die Geschwindigkeit abzusenken“.
Soweit die gute Nachricht. Die schlechte: Ein nicht unerheblicher Prozentsatz der Verkehrs-teilnehmer überschreitet in eklatanter Weise die erlaubten Geschwindigkeitsobergrenzen. So wurden gleich an mehreren Messstellen in der Gemeinde innerhalb der Orte Geschwin-digkeiten von mehr als 130 km/h gemessen! Auf der B 214 in Suderbruch mit einer zulässi-gen Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h sogar mit Spitzengeschwindigkeiten von fast 150 km/h. Oder um es in absoluten Zahlen auszudrücken: rund 60.000 der erfassten PKWs und LKWs fuhren innerorts mehr als 60 km/h, fast 4.000 sogar mehr als 80 km/h. „Das ist ein Niveau, dass im Interesse der Bürger der Gemeinde Gilten absolut nicht hinnehmbar ist“, so Stefan Dreesmann am Ende der Vorstellung der Daten.