Pannen-erixx bringt Pendler auf die Palme

Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs (rechts) informiert im Uhle-Hof über Neuerungen beim Niedersachsentarif und hört sich Klagen von erixx-Bahnreisenden an. Foto: B. Stache
 
Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs verteilt auf seiner Informationsveranstaltung Flyer zu den Neuerungen im Niedersachsentarif. Foto: B. Stache

Björn Gehrs informiert über Niedersachsentarif und sammelt Klagen von erixx-Bahnreisenden

Schwarmstedt (st). „Ich fahre 15 000 Kilometer privat mit der Bahn“, erklärte Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs während seiner Informationsveranstaltung am Dienstagabend im Uhle-Hof. Seit Jahren schon engagiert sich der begeisterte Bahnfahrer für günstigere Preise für Fahrten mit der Bahn von Schwarmstedt und Lindwedel. So hatte er sich erfolgreich für den „Schwarmstedt-Tarif“ (jetzt GVH Mobilcard im Regionaltarif) eingesetzt, der seit 2001 gilt. Damit wurden günstige Monatskarten für Pendler eingeführt. Preiswerte Einzelfahrscheine/Tageskarten nach Hannover gibt es seit dem aktuellen Fahrplanwechsel zum 9. Dezember. Für viele Anschlussfahrten in Hannover mit U-Bahn, Straßenbahn oder auch Bussen benötigt der Reisende kein zweites Ticket mehr – es fallen auch keine Mehrkosten an. Die neue Regelung gilt im Niedersachsentarif sowohl für die Fahrt mit den Nahverkehrszügen als auch für die Weiterfahrt mit Bussen, Straßen- und U-Bahnen am Start- und Zielort. Fahrkarten für die einzelne Fahrt im Niedersachsentarif, Hin- und Rückfahrt oder auch Gruppenfahrkarte, gelten in den meisten Regionen Niedersachsens sowie in Bremen und Hamburg. Diese Informationen und Preisbeispiele hatte Björn Gehrs in einem Flyer zusammengefasst und am Abend verteilt. Darin ist auch ein Beispiel für eine Bahnfahrt nach Hannover Hauptbahnhof angeführt. Die entsprechende Fahrkarte gilt auch für Fahrten im Stadtgebiet der Landeshauptstadt (GVH-Tarifzone Hannover), beispielsweise mit der U-Bahn weiter zum Aegi oder zum Zoo, nicht aber für darüber hinausgehende Fahrten zum Beispiel nach Laatzen oder Springe. „Ähnlich verhält es sich, wenn ich eine Bahnfahrkarte von Schwarmstedt/Lindwedel nach Langenhagen Mitte löse. Dort kann ich dann in der GVH-Zone Hannover Umland (z. B. weiter mit S-Bahn oder Bus zum Flughafen Hannover) fahren, ohne eine weitere Fahrkarte zu lösen“, heißt es in dem Flyer. Der neue Niedersachsentarif erlaubt auch eine Bahnfahrt von Lindwedel/Schwarmstedt nach Walsrode – mit der Anschlussmobilität ohne zusätzliche Fahrkarte und Kosten ist die Weiterfahrt mit dem Bus zum Vogelpark Walsrode inkludiert. Ein weiteres Thema der Informationsveranstaltung waren die aktuellen Probleme mit dem erixx. Seit Mitte Dezember 2011 befährt die erixx GmbH – ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE) – mit 25 Triebwagen vom Typ Lint 41 im sogenannten Heidekreuz die Strecken Hannover - Buchholz und Bremen - Uelzen. „Auf allen Strecken des erixx verkehren modernste Fahrzeuge, die neben den neuesten Sicherheitseinrichtungen viel Platz und Komfort bieten“, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens. Was Björn Gehrs bei seiner Infoveranstaltung von erixx-Reisenden zu hören bekam, war eine gänzlich andere Wirklichkeit: völlig überfüllte Züge aufgrund zu weniger Einheiten, mit denen der erixx besonders zu Stoßzeiten im Berufsverkehr derzeit zum Einsatz kommt. Statt der erforderlichen drei Einheiten (drei Dieseltriebwagen ergeben einen Zug) müssten sich die Pendler häufig in nur zwei oder gar nur einen Triebwagen zwängen, berichteten Reisende. Aktuell sei die Situation schlimmer als je zuvor, musste auch Björn Gehrs eingestehen. „Die Geduld ist am Ende. Es muss wirklich etwas passieren in nächster Zeit“, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt. Er forderte mehr Waggons, funktionierende Türen, Heizung und Klimaanlagen sowie bessere Durchsagen an den Bahnhöfen – auch in Hannover. „Dreihundert bis dreihundertfünfzig Fahrgäste waren in einer Triebwageneinheit“, erklärte ein Mitreisender. Zugelassen seien diese Fahrzeuge jedoch nur für zirka 250 Personen. In einer Beschreibung des Lint 41 ist von 106+23 Sitzplätzen sowie zirka 120 Stehplätzen die Rede. Als völlig unzumutbar wurde die Situation im Sommer beschrieben. So habe beispielsweise eine nicht funktionierende Klimaanlage im erixx dazu geführt, dass eine junge Frau, die mit ihrem Kleinkind reiste, drohte, ohnmächtig zu werden. Ein Mitreisender habe den Zugführer darauf aufmerksam gemacht mit dem Hinweis, er möge sich an der nächsten Haltestelle auf einen Rettungseinsatz einstellen. Glücklicherweise sei es dann doch nicht dazu gekommen. Eine Teilnehmerin berichtete von einer „Schleichfahrt" des erixx nach einem technischen Defekt auf freier Strecke. Auf ihrer Internetseite www.erixx.de bittet die erixx GmbH ihre Fahrgäste aktuell um Entschuldigung: „Liebe Fahrgäste, wenn man etwas verspricht, möchte man dies auch einhalten. So ist es bei uns zu mindestens üblich. Wenn einem Eisenbahnunternehmen wie erixx die Fahrzeuge fehlen, kann man schon mal aus der Haut fahren. Und Sie als Fahrgäste erst recht! Uns bleibt im Moment nur, Sie für die ausgefallenen und überfüllten Züge der letzten Wochen um Entschuldigung zu bitten. Erixx fehlen aktuell 7 Fahrzeuge in der Flotte. Damit können wir in der Hauptverkehrszeit morgens nicht immer die versprochenen Kapazitäten fahren. Wir versuchen jeden Tag trotz der fehlenden Fahrzeuge alle Zugfahrten laut Fahrplan sicherzustellen. Bei einigen Fahrten im Berufsverkehr wurde es aber sehr eng, weil wir statt der geplanten drei Einheiten nur mit zwei oder sogar nur einer Einheit fahren konnten. Warum fehlen uns Fahrzeuge? 3 Züge hatten einen großen Unfall und werden gerade repariert. 1 Zug wurde durch Vandalismus so stark zerstört, dass er nicht mehr einsatzfähig ist. 3 Züge absolvieren gerade die vorgeschriebene, große Revision/Hauptuntersuchung. Das alles dauert leider recht lange, so dass wir auch in den nächsten Tagen und Wochen mit zu wenig Fahrzeugen – und zu wenig Platz – unterwegs sein werden. Wir unternehmen alles, um diese Fahrzeuge so schnell wie möglich wieder in Betrieb nehmen zu können oder zu ersetzen. Versprochen.“ Am Donnerstag hatte Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs ein Gespräch mit der erixx-Geschäftsführung im Rathaus vereinbart – er bleibt am Ball! Das Gespräch mit dem technischen Geschäftsführer der erixx GmbH, Torsten Frahm, habe verdeutlicht, dass eine Vielzahl von Faktoren für die Probleme verantwortlich sind, erklärte der Samtgemeindebürgermeister am Donnerstagabend. Alle Punkte, die von den Bürgern angesprochen wurden, werden überprüft. „Erixx ist zudem bereit, sich dem öffentlichen Dialog zu stellen und hat die Teilnahme an der geplanten Folgeveranstaltung im April zugesagt“, äußerte sich Björn Gehrs. Zu dieser Veranstaltung auf Initiative des Samtgemeindebürgermeisters werden auch Landesnahverkehrsgesellschaft, Wirtschaftsministerium und Bahn nach Schwarmstedt eingeladen.