Thomas Grüner begeistert Zuhörer

Das Team des Präventionsrates mit dem Referenten (hinten rechts).
 
Mehr als 100 Zuschauer verfolgten den Vortrag von Thomas Grüner in der Mensa.

Präventionsrat präsentiert Vortrag über Grenzziehung in der Erziehung

Schwarmstedt. Als der 1. Vorsitzende des Schwarmstedter Präventionsrats, Volker Banschbach, Thomas Grüner in der Mensa der KGS begrüßte, war klar, der Verein hatte mit der Wahl des Referenten goldrichtig gelegen. Über 100 Eltern, Erzieher und Lehrkräfte waren der Einladung gefolgt und warteten gespannt auf den angekündigten Vortag des bekannten Diplom Psychologen zur Kunst der Grenzziehung.
Sie wurden nicht enttäuscht, denn Grüner verstand es, den Themenbereich, der Mütter, Väter und Fachkräfte täglich beschäftigt, grundlegend darzustellen und Tipps für den Alltag zu geben.
Als Schwabe, der alles kann, außer Hochdeutsch, so er selbst, berichtete er von der Erforschung der Bedingungen, die Kinder stark machen, von der Gehirnforschung, insbesondere von den körpereigenen „Drogen“, die der Motivation dienen, und von der Sanktionsforschung. All dies hat Einfluss auf sein Programm, das er seit 1997 entwickelt und nach dem inzwischen viele Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten arbeiten; übrigens auch drei Schwarmstedter Grundschulen.
Alle wollen glücklich sein, aber während sich Erwachsene vielleicht zehn Stunden Schlaf am Stück wünschen und Kinder, die immer ihre Hausaufgaben machen, wünschen sich die Kinder zehn Stunden Playstation oder den Besuch im Freizeitpark.
Das muss auf einen Nenner gebracht werden. Eltern möchten gehorsame folgsame Kinder, aber diese bekommen Wutanfälle vor der Kaufhauskasse, weil sie eine Süßigkeit haben wollen und die Erfahrung gemacht haben, dass Eltern nachgeben, wenn sie nur laut genug schreien. Wenn diese den Erpressungsversuchen nachgeben, haben sie verloren; das Kind stellt immer mehr Forderungen. Sagt man grundsätzlich Nein, befürchten die Erwachsenen, das Kind zu demütigen. Grüner empfiehlt, in etwa 70 – 80 % der Fälle konsequent zu bleiben; Eltern müssen sich auf wertschätzende Art durchsetzen, sonst hat das Kind keine Leitlinie und keinen Halt. Aber Eltern oder auch Erzieher sind in der heutigen Zeit nicht gerne eine Autorität, weil sie nicht autoritär sein wollen. Grüner machte den Anwesenden Mut, Grenzen zu ziehen, auf wertschätzende gewaltfreie Art. Er gab zu, dass dies anstrengender ist als ein Laissez-Fair-Stil, bei dem man einfach alles durchgehen lässt. Aber Kinder wollen wissen, wie weit sie gehen können, und provozieren genau deshalb die Eltern oder ihre Erzieher/Lehrkräfte. Grüner rät: „Wehret den Anfängen!“ und behauptet, dass nur bei frühzeitiger Reaktion vermieden wird, dass die Aggressionen der Kinder und Jugendlichen über das sozial verträgliche hinausgehen. Die Hoffnung, dass sich unsoziales Verhalten auch von alleine auswächst, zerstörte Grüner; man müsse schon aktiv werden. Niemand solle glauben, dass das heute einfach so ist, dass man nichts machen könne; Wertevermittlung sei auch in der heutigen Zeit wichtig und richtig.
Um höfliche und respektvolle Kinder zu erziehen, müsse man „in den Kampf gehen“ und man müsse eindeutig in seinen Aussagen sein. Das allerwichtigste Merkmal einer erfolgreichen Erziehung ist nach Grüners Meinung Konsequenz; man müsse Kinder vieles erlauben, sie mit zunehmendem Alter selbst entscheiden lassen, aber wenn man etwas verboten hätte, dann müsse es auch dabei bleiben.
Kinder und nicht nur Kinder wünschen sich Zuwendung; dies könne man gut und viel besser als Strafen als Erziehungsmittel nutzen. Wenn man Leistungen anerkennt, sei dies kein Verwöhnen, sondern führe dazu, dass Kinder Motivation entwickeln, den Eltern zu gefallen. Andersherum werden Kinder, die z.B. durch Ärgern ihrer Geschwister die volle Aufmerksamkeit erlangen, dies immer wieder tun, denn „negative“ Aufmerksamkeit ist für das Kind besser als gar keine.
Thomas Grüner ist sicher, dass Strafen zwar Verhaltensanpassung bewirken können, eine Verhaltensänderung, die sich Eltern und Erzieher ja wünschen, erreiche man jedoch nur, wenn das Kind die intrinsische (von Innen kommende) Motivation entwickelt, sich so zu verhalten, wie die Eltern es sich wünschen.
Zum Schluss des interessanten, Mut machenden Vortags gab es viel Beifall für den Referenten und ein Dankeschön von Volker Banschbach an die Zuhörer und an Thomas Grüner.

Foto: PaC Managerin Nicole Mittelstaedt, Volker Banschbach, Katja Moheit von der Pestalozzi-Stiftung, Referent Thomas Grüner, Sieglinde Wegener und Petra Effinghausen freuen sich über den gelungenen Vortrag.