Vierter Corona-Fall im Heidekreis

Friseure sind von der Schließungsverfügung ausgenommen, haben jedoch die Auflage, 1,5 Meter Abstand zum Kunden zu halten. Andrea Cordes aus dem Studio Auszeit in Schwarmstedt zeigt mit Hilfe eines Zollstocks, wie das in der Praxis aussehen würde. Foto: A. Wiese
 
Auch Anke von Einem profitiert von der Kombination ihrer Geschäfte: Das Schmuckgeschäft müsste schließen, das Optikfachgeschäft gehört zu den Gesundheitsberufen und darf geöffnet bleiben.
 
Wilfried von Bostel (links) hat in seinem Schuhgeschäft auch den DPD-Paketshop.Daher bleibt das Geschäft weiterhin geöffnet. Das gilt ebenso für die Post gegenüber und sein Lottogeschäft nebenan:Die Post darf offenbleiben und das Lottogeschäft auch, weil dort Zeitungen verkauft werden – Kombinationen, die sich jetzt in der Krise positiv auswirken. Fotos: A. Wiese

Niedersachsen stellt 4,4 Milliarden Euro gegen das Coronavirus zur Verfügung

Schwarmstedt (r/awi). Es gibt seit Mittwoch einen laborbestätigten Corona-Fall in der Samtgemeinde Schwarmstedt. Das Kleinkind befindet sich zusammen mit der Familie in häuslicher Quarantäne. Das Gesundheitsamt des Heidekreises hat die Kontaktpersonen ermittelt und sie werden isoliert. Der Infektionsweg ist noch nicht bekannt.
Das Gesundheitsamt des Heidekreises weist noch einmal nachdrücklich darauf hin, dass Menschen, die den Verdacht haben, sie hätten sich mit dem Covid-19-Virus infiziert NICHT sofort eine Praxis oder das Krankenhaus aufsuchen, sondern zunächst telefonisch mit dem Hausarzt oder der Hausärztin Kontakt aufnehmen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Außerhalb der normalen Sprechzeiten steht die Notfallsprechstunde der Kassenärztlichen Vereinigung unter Telefon 11 61 17 als Ansprechpartner zur Verfügung. Im Heidekreis gibt es mittlerweile insgesamt vier laborbestätigte Corona-Fälle. Einer ist in Soltau und ein weiterer in Schneverdingen aufgetreten. Die jeweiligen Kontaktpersonen der Erwachsenen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Beide haben sich in Ischgl, Österreich, infiziert. Das infizierte Kleinkind aus der Samtgemeinde Schwarmstedt wurde in einer Kindertagesstätte in Lindwedel betreut. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich auch Personen in der Einrichtung angesteckt haben. Für zwanzig Kontaktpersonen der ersten Kategorie wurde daher eine häusliche Quarantäne angeordnet. Für 90 entferntere Kontakte ist eine Quarantäne bis zum 26. März dringend empfohlen worden. Bürger können sich von montags bis sonntags in der Zeit von 8 bis 20 Uhr unter der Telefonnummer (0800) 8181600 gerne mit Fragen zum Thema Coronavirus an den Heidekreis wenden. Außerhalb dieser Sprechzeiten ist der kassenärztliche Notdienst unter 116117 erreichbar. „Aus Verantwortung für uns alle müssen wir ohne weitere Verzögerungen für einen begrenzten Zeitraum unser gesellschaftliches Leben und unsere Gewohnheiten weiter herunterfahren. Alles hat sich dem Schutz unserer Bevölkerung und der Gesundheit unterzuordnen, so sehr einige auch zweifeln mögen. Wir dürfen jetzt keine Zeit verlieren“, erklärten die CDU-Landtagsabgeordneten Gudrun Pieper und Karl-Ludwig von Danwitz. Um die Folgen dieser Einschränkungen besonders für die Wirtschaft und damit auch für die Arbeitnehmer abzufedern, habe das Land Niedersachsen umfangreiche Hilfen bereitgestellt: „Die Landesregierung stellt zur Eindämmung der Auswirkungen der Corona-Krise insgesamt 4,4 Milliarden Euro bereit. Zur Stützung unseres Gesundheitssystems und der Wirtschaft stellen wir 1,4 Milliarden Euro an Barmitteln bereit“, so Pieper. Zusätzlich werde der Bürgschaftsrahmen von zwei auf drei Milliarden Euro erhöht, so dass in Summe zunächst 4,4 Milliarden Euro zur Verfügung stünden. „Dazu kommen die umfangreichen Maßnahmen des Bundes. Sowohl das Bundeswirtschaftsministerium als auch die Bundesagentur für Arbeit haben im Internet Informations-Sonderseiten angelegt und für die Unternehmen Hotlines geschaltet“, so von Danwitz.

Wir-Mitglieder arrangieren sich mit Situation
Schwarmstedt (awi). Nichts ist mehr wie es war: Alle öffentlichen Veranstaltungen sowie private Versammlungen in Niedersachsen sind untersagt, sämtliche Kultur- und Freizeiteinrichtungen geschlossen. Das gleiche gilt für die Teile des Einzelhandels, die nicht für den täglichen Bedarf erforderlich sind. Ausdrücklich nicht geschlossen werden der Einzelhandel für Lebensmittel, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Frisöre, Reinigungen, Waschsalons, der Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte sowie der Großhandel. Für diese Bereiche ist auch das Sonntagsverkaufsverbot bis auf Weiteres ausgesetzt. Restaurants dürfen nur noch von 6 bis 18 Uhr geöffnet haben. Viele versuchen, das mit Mittagstischangeboten und Lieferservice auszugleichen. Bei den Mitgliedern der Wirtschaftsinitiative Schwarmstedt und Umgebung ist die Situation gespalten. Einige haben bereits geschlossen und machen mit Aushängen darauf aufmerksam, dass dies wegen der Corona-Krise auf Anweisung von oben geschieht und mindestens bis zum Wochenende nach Ostern gilt, so zum Beispiel das Kaufhaus GNH und Messe-Mode.
Andere müssten ihr Geschäft eigentlich schließen wie das Schuhgeschäft von Bostel oder das Schmuckgeschäft von Einem, haben aber ein anderes Geschäft mit in den Räumen, das geöffnet bleiben darf, wie Wilfried von Bostel den DPD-Paketshop oder im Lotto-Geschäft nebenan den Zeitungsverkauf und Anke von Einem ihr Optikfachgeschäft. Der Optiker zählt zu den Gesundheitsberufen und darf geöffnet bleiben. Nicht überall stößt auf Verständnis, dass die Ausnahmeregelung auch für Friseure gilt. „Das ist doch kein lebensnotwendiger Bedarf und auch kein Gesundheitsberuf“, hört man immer wieder. Andererseits sollte man sich doch für jeden freuen, der weiterarbeiten darf, meinen andere. Andrea Cordes vom Studio Auszeit lenkt den Blick auf einen ganz anderen Umstand. Sie soll in ihrem Friseursalon Der Hairstylist nämlich laut Verfügung empfohlenerweise eineinhalb Meter Abstand vom Kunden halten und demonstriert mit Hilfe eines Zollstocks, was das in der Praxis bedeuten würde (siehe Foto auf der Titelseite), denn da sie keine Teleskopschere hat, könnte sie ihrem Kunden so nicht die Haare schneiden. Henriette Schulz hat im Kiebitzmarkt nicht nur die Hygienemaßnahmen extrem verschärft – sie desinfiziert den Kassenbereich nach jedem Kundendurchgang mit Sagrotan, wechselt die Tücher andauernd aus – sie hat sich spontan entschlossen, einen kostenlosen Lieferservice mit Rechnung im Umkreis von 15 Kilometern für alldiejenigen einzurichten, die ihr Haus nicht verlassen können oder dürfen, weil sie in Quarantäne sind oder zu den ausgewiesenen Risikogruppen wie Ältere und chronisch Kranke gehören. Das Futter kann telefonisch bestellt werden, wird vor die Haustür geliefert, eine Rechnung beigelegt, die dann überwiesen werden muss. Dieses Angebot gilt zunächst bis Ende April. Reduziert hat Tanja Quietzsch die Öffnungszeiten von Kühl-Optik zunächst bis nach Ostern. Solange ist das Geschäft nur vormittags geöffnet. „Und wir passen zurzeit weder Brille noch Kontaktlinsen an, um engen Kundenkontakt zu vermeiden“, bittet Quietzsch ebenso wie Anke von Einem um Verständnis in Zeiten von Corona. Positives zu vermelden hat Kaufmann Marco Wilde: Bei Edeka Wilde werden leere Regale schnell wieder aufgefüllt, die Nachschublieferungen laufen problemlos, das gilt für Toilettenpapier ebenso wie für Tiernahrung und andere zurzeit stark nachgefragte Hygieneartikel und Lebensmittel.