Volkstrauertag in Lindwedel mit Ausstellung

Bürgermeister Artur Minke (rechts) hält am Volkstrauertag beim Ehrenmal in Lindwedel die Ansprache. Foto: B. Stache
 
Bürgermeister Artur Minke (rechts) sieht sich am Volkstrauertag mit dem Zeitzeugen Otto Gleue die Ausstellung „Folgen des verheerenden Luftangriffs vom 15. Oktober 1944“ an. Foto: B. Stache

Bürgermeister Artur Minke gedenkt am Ehrenmal aller Opfer von Gewalt und Krieg

Lindwedel (st). Nach der feierlichen Kranzniederlegung zum Volkstrauertag am Ehrenmal in Lindwedel erklang „Ich hatt' einen Kameraden“. Zuvor hatte Bürgermeister Artur Minke in seiner Gedenkansprache an den Luftangriff britischer Kampfflugzeuge vom 15. Oktober 1944 auf den Lindwedeler Bahnhof erinnert. Damals waren ein Güter- und ein Personenzug beschossen worden, die zeitgleich im Bahnhof hielten – der Angriff forderte viele hundert Menschenopfer. „Wir erinnern heute an den schlimmsten Tag in der Lindwedeler Geschichte. Wir trauern um die Opfer“, erklärte Artur Minke. In seiner weiteren Ansprache rief der Bürgermeister zum Gedenken an alle Opfer von Gewalt und Krieg auf. „Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene oder Flüchtlinge ihr Leben verloren.“ Am Volkstrauertag werde auch derer gedacht, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde. „Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.“ Die Opfer der aktuellen, weltweiten Kriege und Bürgerkriege seien ebenfalls in die Trauer einzuschließen, wie die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung oder die Bundeswehrsoldaten und andere Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren oder verwundet wurden. „Wir gedenken heute auch derer, die durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind. Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten und teilen ihren Schmerz. Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt“, formulierte es Artur Minke. An der würdigen Gedenkveranstaltung nahmen Abordnungen der Freiwilligen Feuerwehren Lindwedel und Hope, der Schützenvereine beider Orte sowie der Posaunenchor Schwarmstedt unter Leitung von Silke Clausing und Matthias Lühmann teil. Bürgermeister Artur Minke lud nach der Gedenkfeier alle Gäste in die Alte Schule ein. Dort hatte die Gemeinde Lindwedel eine Kaffeetafel vorbereitet. Eine kleine Ausstellung mit Fotos und Zeitungsartikeln, die sich mit dem Luftangriff vom 15. Oktober 1944 beschäftigten, fand großes Interesse. Zu den Besuchern gehörte auch Otto Gleue, Jahrgang 1933, aus Lindwedel. Der damals Elfjährige erlebte 1944 den Luftangriff auf die beiden Züge im Bahnhof – er wohnte auf dem elterlichen Hof nur zirka 500 Meter entfernt. „Man konnte genau den Bahnhof sehen“, erinnert sich der Zeitzeuge. „Es war Sonntag. Ich stand auf dem Hof und wartete auf meinen Bruder. Wir wollten Pilze suchen.“ Als die Flugzeuge kamen, hatte seine Mutter mit beiden Kindern Schutz im eigenen Erdbunker gesucht. „Den Bunker hatten wir selber gemacht. Er war 30 Meter vom Hof entfernt. Nach einem großen Knall war die Sonne nicht mehr zu sehen – alles voller Staub“, schilderte Otto Gleue das Erlebte. Wenig später habe er die ersten Verletzten gesehen. In seiner Erinnerung ist auch haften geblieben, dass er sein Pferd aus dem einsturzgefährdeten Stall befreite. Sein Elternhaus wurde durch die Druckwelle des explodierenden Munitionszugs sehr stark beschädigt. „Da war nichts mehr von“, erklärte Otto Gleue.