Wintershall und Exxon informieren

Kurt Sackmaier (links) präsentiert den interessierten Zuhörern im Dorfgemeinschaftshaus in Nienhagen ein Stück Malm. Foto: B. Stache
 
Bürgermeister Erich Lohse (rechts) leitet die Diskussion über die Wiedererschließung des Erdölfeldes Suderbruch während der Ratssitzung in Nienhagen. Foto: B. Stache

Rege Diskussion um Wiedererschließung des Erdölfeldes Suderbruch

Nienhagen (st). Für die Sitzung des Gemeinderates der Gemeinde Gilten am Dienstagabend lautete einer von zwölf Tagesordnungspunkten: Wiedererschließung des Erdölfeldes Suderbruch – Projektvorstellung durch die Firmen Wintershall Holding und Exxon Mobil Produktion Deutschland GmbH (EMPG). Zirka 40 Bürgerinnen und Bürger hatten sich im Dorfgemeinschaftshaus in Nienhagen versammelt und zeigten reges Interesse an diesem Thema. Bürgermeister Erich Lohse ließ während und nach der Präsentation durch Kurt Sackmaier, Wintershall-Projektleiter Suderbruch, die öffentliche Diskussion zu. Ganze 105 Minuten nahm daraufhin dieser Tagesordnungspunkt in Anspruch. Diplom-Ingenieur Sackmaier stellte das Projekt der geplanten Wiederaufnahme der traditionellen Erdölförderung im Raum Suderbruch im Detail vor. Er beschrieb zunächst die Historie des 1949 entdeckten Erdölfeldes, von dem aus bis 1994 insgesamt 3,4 Millionen Tonnen Erdöl gefördert wurden. Zwei Jahre später stellte der damalige Betriebsführer BEB die dortige Ölproduktion ein. Die Bohrungen wurden verfüllt und die Förderplätze zu Ackerland rekultiviert. Die EMPG übernahm später die Konzession von der BEB und ist bis heute Inhaber des Erdölfeldes Suderbruch. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat im Januar 2014 die Konzession mit der Auflage verlängert, die Potenziale des Erdölfeldes neu zu bewerten und unter anderem eine Erkundungsbohrung abzuteufen. Um diese Auflage zu erfüllen, ist nun ein Antrag zur Wiedererschließung des Erdölfeldes Suderbruch mit entsprechendem Betriebsplan dem LBEG zur Prüfung vorzulegen. Wintershall wird voraussichtlich im April 2015 beim LBEG einen Antrag für das Durchführen von zwei Explorationsbohrungen einreichen. „So ein Betriebsplan enthält zum Beispiel Informationen zu geplanten technischen Maßnahmen, zur Lagerstätte, zur voraussichtlichen Fördermenge und zu geplanten Umweltschutzmaßnahmen. Die Prüfung eines solchen Betriebsplanes durch das LBEG würde unter Beteiligung der betroffenen Fachbehörden (zum Beispiel der Unteren Wasserschutzbehörde sowie der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Nienburg) und der Samtgemeinde Steimbke als Planungsträger erfolgen“, heißt es seitens des Landesamtes mit Sitz in Hannover. Während seines Vortrages in Nienhagen präsentierte Kurt Sackmaier anschaulich verschiedene Gesteinsschichten, die in dem zu erkundenden Gebiet vorherrschen, darunter ein Stück Malm und erläuterte die Entstehung des Erdöls sowie dessen Förderung. Für das Jahr 2015 sind zwei Erkundungsbohrungen (Explorationsbohrungen) geplant, so der Vortragende. In einem ersten Schritt wird – nach Genehmigung des Betriebsplans – eine Bohrung zur Bestätigung der Malm-Tiefe vorgenommen, danach folgt eine Horizontalbohrung durch den sogenannten Malm-Horizont, in dem noch große Mengen an Erdöl vermutet werden. „Wir wollen in den nächsten 25 Jahren rund eine Million Tonnen Erdöl fördern“, machte Sackmaier deutlich. Die bessere „Ausbeutung“ sei heute durch neue Bohrmethoden möglich, betonte er. Die Wiedererschließung des Erdölfeldes Suderbruch ist ohne den Einsatz von Hydraulic Fracturing (Fracking) geplant. „Wir schließen Fracking aus“, versicherte Kurt Sackmaier. Sollten die Explorationsergebnisse positiv ausfallen, ist für den Herbst/Winter 2016/17 eine 3D-Seismik geplant. Hierbei werden durch Sprengungen im Boden Schallwellen erzeugt, deren Echo die verschiedenen Gesteinsschichten des Untergrundes dreidimensional widerspiegeln. Anlässlich der Präsentation trugen einige Anwohner ihre Bedenken gegen die Wiedererschließung des Erdölfeldes Suderbruch vor. Thematisiert wurden unter anderem die Schlammkuhlen, ungeliebte Relikte aus früherer Erdölproduktion, das höhere Verkehrsaufkommen durch Schwerlastverkehr sowie die Beeinträchtigungen durch zu erwartende Emissionen. Hans-Hermann Nack von der Exxon Mobil zeigte in Sachen Schlammkuhlen Kooperationsbereitschaft. Hierzu werde es ein Gespräch mit Bürgermeister Lohse geben, um zunächst einmal die Standorte der noch vorhandenen Kuhlen im Raum Suderbruch zu lokalisieren. Am Samstag, 25. April, wird es eine öffentliche Informationsveranstaltung zum Thema Wiedererschließung des Erdölfeldes Suderbruch im Feuerwehrhaus Rodewald geben. Details hierzu werden in der örtlichen Presse bekannt gegeben, kündigte Wintershall Stabsstellenleiter Business Support Konrad Siemer an. An der Ratssitzung nahmen auch Gemeindedirektor Björn Gehrs, dessen Allgemeiner Vertreter Martin Geisel sowie Schwarmstedts Bürgermeisterin Claudia Schiesgeries teil. Die Exxon Mobil war durch Hans-Hermann Nack vertreten.