„WIR“-Vorsitzender informiert

Artur Minke (stehend) leitet die Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, Infrastruktur und Umwelt der Gemeinde Schwarmstedt am Dienstag im Uhle-Hof. Foto: B. Stache
 
Martin Burghardt, 1. Vorsitzende der Wirtschaftsinitiative Region Schwarmstedt e.V. „WIR". Foto: B. Stache
 
Stefan Schröder referiert anlässlich der Ausschusssitzung im Uhle-Hof über das Thema Logistik. Foto: B. Stache

Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Infrastruktur und Umwelt billigt Zuschuss

Schwarmstedt (st). Vorsitzender Artur Minke leitete am späten Dienstagnachmittag die dreistündige Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, Infrastruktur und Umwelt der Gemeinde Schwarmstedt im Uhle-Hof. Zu Beginn wurden Andrea Smaka und Wolfgang Hensoldt von Gemeindedirektor Björn Gehrs als wählbare Bürger förmlich durch Handschlag zur gewissenhaften und unparteiischen Ausübung des Amtes im Ausschuss verpflichtet. Anschließend stellte der 1. Vorsitzende Martin Burghardt der Wirtschaftsinitiative Region Schwarmstedt „WIR für Schwarmstedt“ Vereinsgeschichte und -konzept vor. Mit derzeit 87 Mitgliedern hat die „WIR“ eine Entwicklung genommen, mit der er nicht gerechnet habe, drückte der Vorsitzende seine Freude über die gestiegene Mitgliederzahl aus. Der Erfolg sei sicher auch auf die gelungenen Veranstaltungen wie das Shoppingerlebnis „Lange Nacht in Schwarmstedt“, die bereits zwei Mal durchgeführte Gewerbeschau, Weihnachtsmarkt in und um den Dorotheenhof sowie vereinseigene Versammlungen zurückzuführen. „Ziel des Vereins ist es, die wirtschaftlichen Aktivitäten in der Region Schwarmstedt zu fördern – durch Veranstaltungen, Erfahrungsaustausch oder andere Maßnahmen. Der Verein bietet hier die Rahmenbedingungen, um die Kräfte zu bündeln und auch die Unternehmen zu stärken“, heißt es auf der vereinseigenen Internetseite www.wir-schwarmstedt.de. Ein guter Kontakt zur Gemeinde sei wichtig, damit die Interessen der Unternehmer auch stark vertreten werden. Mit Blick nach vorne könne sich Martin Burghardt eine „WIR“-Beteiligung an einer Frühjahrsmesse, Autoschau oder Erntefest vorstellen. Der Ausbau gemeinsamer Marketingaktivitäten sei ebenso ein Ziel, erklärte er mit Hinweis auf das Internet. Auf der „WIR“-Webseite könnten Sonderangebote sowie Hinweise auf Aktionen und Maßnahmen der einzelnen Mitglieder platziert und auch auf die Beteiligung von Mitgliedern an Aktionen der Region hingewiesen werden. Unter der Überschrift „Gemeinsamer Stellenmarkt“ sei folgender Service möglich: Mitarbeitersuche, Möglichkeiten für Praktika, Wiedereingliederung älterer Arbeitnehmer oder ehemaliger Strafgefangener, Rekrutierung ausländischer Fachkräfte und Mitarbeitertausch. Die Beratung von Existenzgründern könne ebenfalls zum Angebot gehören wie auch der Kontakt zu den Wirtschaftssenioren in Hannover. Geplant sind zudem kostengünstige Workshops und Seminare für kleine Unternehmen, Informationen über Fördermittel, Hilfen im Finanzierungsfall sowie bei der Standort- und Immobiliensuche. Neben einer Reihe weiterer Maßnahmen schlug Vorsitzender Martin Burghardt noch gemeinsame Besuche interessanter Unternehmen vor. Er verwies auf die „komfortable Situation“, derzeit praktisch keinen Leerstand in Schwarmstedt zu haben. „Wir haben in den letzten Jahren alles richtig gemacht“, erklärte er. Ausschussmitglied und Landtagsabgeordnete Gudrun Pieper gab dem „WIR“-Vorsitzenden noch ein paar Tipps mit auf den Weg. Einstimmig beschloss der Ausschuss anschließend die Finanzierung einer Bürokraft für die Wirtschaftsinitiative Region Schwarmstedt – als Halbtagsstelle für die Jahre 2018 und 2019 mit einem Zuschuss in Höhe von jeweils 12.000 Euro. Der Zuschuss wird vorbehaltlich des Beschlusses beziehungsweise Inkrafttretens der Haushaltssatzung zur Auszahlung gelangen. Breiten Raum nahm weiterhin das Thema Logistik ein und die Planung einer Logistikhalle zwischen Buchholz und Marklendorf ostwärts der BAB 7. Der stellvertretende Vorsitzende Logistikportal Niedersachsen. Stefan Schröder hielt einen Fachvortrag zum Thema Logistik. „Ich nehme Sie mit von der ganz großen Vogelperspektive bis runter auf den Standort Niedersachsen und die Aktivitäten hier vor Ort“, erklärte er und schlug einen Bogen von weltweiten Logistikströmen zu Lkw-Bewegungen im Zuge der BAB 7. Stefan Schröder erläuterte die verschiedenen Formen des Logistikverkehrs auf der Straße, auf See, in der Luft und auf der Schiene. Nach einer Prognose des Bundesverkehrsministeriums werde der Güterverkehr in Deutschland bis 2030 um bis zu 40 Prozent wachsen. Aktuell werden hierzulande jährlich drei Milliarden Pakete versandt, diese Zahl wird in den kommenden fünf Jahren voraussichtlich auf sechs Milliarden ansteigen. „Die Logistikindustrie als eigenständige Branche ist die zweitgrößte in Deutschland. Nur die Automobilindustrie ist größer“, führte er aus. Der Vortragende unterstrich die Bedeutung regionaler Lager für die zeitnahe Belieferung der Firmen mit Waren unter dem Motto: Same Day Delivery, Zustellung von Waren noch am Tag der Bestellung. „Zur Produktion von Logistik gehören Standorte“, machte Stefan Schröder deutlich. Für Logistikzentren sei Erreichbarkeit eine wichtige Größe. Sie liegen daher bevorzugt in der Nähe von Autobahnen. Der Bereich um das Walsroder Dreieck entwickele sich zu einem stärkeren Logistikzentrum zur Bedienung der Märkte in Hamburg, Bremen und Hannover. Im Norden der niedersächsischen Landeshauptstadt sei E-Commerce (Internethandel) besonders im Trend. „Eine durchschnittliche Logistikansiedlung schafft pro Hektar Grundstücksfläche 42 Arbeitsplätze und erwirtschaftet darauf eine jährliche Wertschöpfung von 1,8 Millionen Euro“, hieß es in der Präsentation für die geplante Logistikhalle an der A7 mit einer Größe von zirka 40 000 Quadratmetern. Anschließend stellten sich Geschäftsführer Bernhard Rückert und Prokurist Jens Rothe von der bauwo Grundstücksgesellschaft mbH aus Hannover der Versammlung vor, berichteten über abgeschlossene Neubauten von Logistikimmobilien im Umland, beispielsweise in Berkhof, und präsentierten eine Bauzeichnung der geplanten Logistikhalle an der A 7 bei Marklendorf. Den Standpunkt der Initiative Buchholz/Marklendorf vertrat deren Sprecher Phillip Warnecke in großer Sachlichkeit – wie auch die gesamte Versammlung sachlich verlief. Die Anwohner in der Nähe der geplanten Logistikhalle hätten nur Nachteile in Kauf zu nehmen, unter anderem durch den zunehmenden Lkw-Verkehr, urteilte er und sprach auch von Wertvernichtung von Eigentum und Landschaft. „Wir sehen den Mehrwert des Projekts für die Samtgemeinde und unsere Gemeinde Buchholz/Marklendorf nicht“, lautete sein Fazit. Zuvor hatte er noch auf ein besonderes Spannungsfeld hingewiesen: einerseits strebe die Gemeinde Schwarmstedt die Beruhigung von Verkehrsströmen an und bewerbe sich für den niedersächsischen Modellversuch „Tempo-30-Zonen auf Hauptstraßen“, andererseits unterstütze sie die Ansiedlung einer großen Logistikhalle mit dem dazugehörigen, steigenden Lkw-Verkehrsaufkommen. Bei der folgenden, lebhaften Diskussion mit allen Vortragenden kamen Ausschussmitglieder und Einwohner unter anderem auf die Themen Verlagerung von Logistikverkehr auf die Schiene und Binnengewässer zu sprechen, erörterten die belastete Verkehrssituation an der BAB-7-Abfahrt Schwarmstedt sowie fehlende Parkplätze für Lastkraftwagen. Unbeantwortet blieb die Frage eines Einwohners nach den zukünftigen Nutzern der Logistikhalle. Dazu sei es noch zu früh, da sich das Projekt derzeit in der sogenannten Vorratsplanung befinde, hieß es seitens der bauwo-Repräsentanten. Gemeindedirektor Björn Gehrs erklärte in einem abschließenden Statement, dass die Verwaltung die Verkehrsfrage behandeln werde. Er verwies auch auf das zukünftige Bauleitverfahren und die weiteren Beratungen der politischen Gremien, die sich mit dem Projekt Logistikhalle beschäftigen werden. Er lud alle Beteiligten zu der öffentlichen Gemeinderatssitzung am Mittwoch, 7. Februar, um 20 Uhr nach Buchholz (Aller) in das Dorfgemeinschaftshaus Am Schützenplatz 6 ein. Dabei stellt ein Gutachter die bisher gewonnenen Ergebnisse aus einem Verkehrsgutachten vor. „Hierbei werden sowohl die Westseite als auch die Ostseite neben der Autobahn betrachtet. Insbesondere ist die geplante Erweiterung des bisherigen Buchholzer Gewerbegebietes und die daraus erfolgende neue Verkehrsführung des Mühlenweges zu betrachten“, heißt es in der Sitzungsvorlage.