820 Euro an den Eltern und Förderkreis der Buchholzer Grundschule gespendet

Der Vortrag vonJoachim Plesse kam an.
 
Großer Andrang bei der Ausstellung.
Buchholz. Großes Interesse herrschte kürzlich im Buchholzer Dorfgemeinschaftshaus an einem Vortrag und einer Bilderausstellung, die von der Buchholzer Projektgruppe „Unser Dorf hat Zukunft“ und dem Eltern- und Förderkreis der Heinz-Heyder-Grundschule durchgeführt worden ist.
Das Thema des Vortrages und der Bilderausstellung waren die vier Buchholzer Schulstandorte und deren Geschichte. Joachim Plesse hatte einen Diavortrag vorbereitet und freute sich sehr über die bis auf den letzten Platz gefüllte Mensa im Dorfgemeinschaftshaus. Er begann seinen Vortrag mit dem bekannten Wilhelm Busch Zitat: „Also lautet der Beschluss, das der Mensch was lernen muss.“ Wie unterschiedlich diese Aussage im Laufe der letzten 250 Jahre an den vier Buchholzer Schulen umgesetzt worden ist, war Schwerpunkt des Vortrages. Der Wandel bezog sich vor allem auf den Schulalltag, den Umgang mit den Schülern, auf die Auswahl und Ausbildung der Lehrkräfte und vor allem auf die Lerninhalte.
Unterstützt wurde Joachim Plesse von Ingrid Janßen, die eine kurze Geschichte vorlas zum Thema: „Lehrer werden im Jahr 1729“, denn ausgebildete Lehrkräfte wie wir sie heute kennen, gab es grundsätzlich im 18. Jahrhundert in den kleinen Dörfern noch nicht. Ingrid Janßen berichtete von der Vergabe einer Lehrerstelle im Jahr 1729 an Personen, die eigentlich für diesen Beruf ungeeignet waren.
Die erste Buchholzer Schule war im sogenannten Buchholzer Rauchhaus aus dem Jahr 1721. 1770 wurden hier vom Dorflehrer Bäsman 24 Schüler unterrichtet. Leider gibt es dieses ehrwürdige und strohgedeckte Gebäude nicht mehr. Es stand im heutigen „Alten Schulweg“, mitten im alten Buchholzer Ortskern und war für die Buchholzer historisches Symbol und Baudenkmal zugleich. Es wurde 1971 wegen Baufälligkeit abgerissen.
Die zweite Buchholzer Schule im heutigen Brinkweg entstand im 19. Jahrhundert und lässt sich anhand der Buchholzer Rezeßunterlagen aus dem Jahr 1860 sehr gut nachweisen. Die Schulstelle war sogenannter Interessent und hatte sich im Grunde allein zu versorgen. Sie war Eigentümer über Schulländereien und verfügte über 34 Morgen Ackerland, Wiesen und Weiden. Allerdings hatte auch jeder Buchholzer Einwohner, der ein Kind zur Schule schickte, für Heizmaterial der Schulstelle zu sorgen. Joachim Plesse berichtete über umfangreiche Unterlagen aus dem 19. Jahrhundert, wie Schülerverzeichnisse beginnend mit der Einschulung 1873 und Lehrpläne von 1886. Die Anweisungen zum Unterricht kamen von der königlichen Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen. Schon damals mussten viele Einzelheiten dokumentiert werden. Auch Zeugnisse waren anzufertigen mit dem Ziel, die sittlichen und geistigen Fortschritte eines jeden Schülers genau zu erfassen. Disziplin, Gehorsam, Fleiß und Ordnung waren an der zweiten Buchholzer Schule die entscheidenden Erziehungsziele. Die Schüler hatten auf jeden Wink zu gehorchen und mussten die Anweisungen der Lehrer rasch, sicher und geräuschlos ausführen. Reden und Tuscheln im Unterricht wurde ebenso hart sanktioniert wie ungenügende Leistungen.
Mit zum Teil harten Strafen wie Ruten- oder Stockschlägen versuchten die Lehrer, ihre Vorstellungen von Disziplin durchzusetzen. Beginnend von 1902 wurden an der Buchholzer Schule alle vollzogenen körperlichen Strafen in einem Strafenverzeichnis erfasst. Die Anzahl der Schläge variierte zwischen zwei und 15 Schlägen. Die Schüler ließen sich manches einfallen, um den Schlägen zu entgehen oder sie abzumildern. Von einem dieser Streiche berichtete Bettina Plesse mit einer plattdeutschen Geschichte, die im Publikum trotz des ernsten Themas für große Heiterkeit sorgte.
Der dritte Buchholzer Schulstandort entstand 1904 aufgrund von Raumnot im „ Alten Schulweg“. Bei der Planung dieser Schule ging man zunächst auch nur von einem Klassenraum aus, allerdings sollte der Lehrer ein Nebengebäude bei Bedarf für einen zweiten Klassenraum hergeben. Bereits 1912 wurde die Schule mit „elektrischer Lichtleitung“ versehen.Geliefert wurde der Strom vom Marklendorfer Allerkraftwerk.1921 war die Schülerzahl auf 78 Kinder angewachsen und der Schulvorstand befürwortete die Einstellung einer zweiten Lehrkraft.1945 wurde der Schulunterricht im Gasthaus Plesse abgehalten, weil die Schule durch die Explosion auf dem Buchholzer Bahnhof beschädigt worden war. Viele der Anwesenden waren persönlich in der dritten Buchholzer Schule unterrichtet worden und konnten sich noch gut an diese Zeiten erinnern. „Besonders an das wohl riechende separate Toilettenhäuschen“, wie Joachim Plesse ironisch anmerkte. Bei den Schülerzahlen gab es ein ziemliches auf und ab, bedingt durch den Zuzug von Kindern der Eisenbahner, der Wietzer Ölindustrie in den 1920iger Jahren, durch die Ost Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg und die einsetzende Auswanderungswelle in die USA.
Anfang der 1960 Jahre stieg die Zahl der Schüler unaufhörlich. Schulleiter Heinz Heyder und Lehrerin Inge Bäßmann unterrichteten in zwei Klassenräumen 95 Kinder in den Klassen eins bis acht. Ende 1962 wurde über einen Neubau in der Dorfstraße entschieden, die Einweihung der vierten Buchholzer Schule erfolgte im Sommer 1966. Es war im Landkreis Fallingbostel die 24. neue Schule nach dem Zweiten Weltkrieg. Schulleiter Heinz Heyder sprach von einem denkwürdigen Tag für die ganze Gemeinde. Er versprach die neue Schule mit fröhlichem Leben zu erfüllen. Daran hat sich bis heute nichts geändert, was auch das Logo der Schule unterstreicht: „Heinz-Heyder-Schule – das Beste für die Kinder“.
Die aktuelle Schulleiterin Sabine Müller berichtete abschließend über die Situation an der Schule heute: „Zurzeit werden 90 Kinder von acht festen Lehrkräften und drei Pädagogen ganztags unterrichtet.“ Im Anschluss an den Vortrag bestand die Möglichkeit sich eine von der Projektgruppe „Unser Dorf hat Zukunft“ erstellte Bilderausstellung in der Sporthalle des Dorfgemeinschaftshauses anzuschauen. Es wurden circa 200 vergrößerte Fotos aus den letzten 130 Jahren Buchholzer Schulgeschichte ausgestellt. Bei einem großen Kuchenbüfett vom Eltern- und Förderverein konnten sich die Besucher ausgiebig stärken und über „alte und neue“ Schulzeiten austauschen. So mancher der Gäste fand sich auf den Fotos wieder, erkannte Verwandte und Freunde und wurde dadurch bildlich in seine Schulzeit zurück versetzt. Da kein Eintritt erhoben wurde, baten einige Schulkinder während der Veranstaltung um Spenden. So konnten 820 Euro von der Projektgruppe „UdhZ“ an den Eltern- und Förderkreis übergeben werden. Mit diesem Betrag soll eine Kletterwand auf dem naturnahen Schulhof der Heinz-Heyder Grundschule finanziert werden. Vielen Dank an alle Spender und ehrenamtlichen Helfer für eine rundum sehr gelungene Veranstaltung.