Bodenabfertigung: Korrekturen am Flughafenpaket der EU dringend erforderlich

Region. Die Europäische Kommission hat einen Entwurf für eine Revision der Richtlinie über Bodenabfertigungsdienste (BVD) vorgelegt. Die geplante weitere Deregulierung der BVD hat weitreichende Folgen auch für den Hannover Airport, seine Beschäftigten, die Fluggäste und den Wirtschaftsstandort in der Region Hannover. Inhalt ist unter anderem ein vorgeschriebenes Minimum privater Dienstleister sowie die Erlaubnis der Weitervergabe von Aufträgen an Subunternehmer sein. Die Geschäftsführung sowie der Betriebsrat des Flughafen Hannover und die Gewerkschaft ver.di haben am heutigen Freitag (2. Dezember) mit einer gemeinsamen Informationsveranstaltung mit Europaabgeordneten deutlich gemacht, dass der vorgelegte Entwurf auf einhellige Ablehnung der Flughafengesellschaften, der Beschäftigten und ihrer Gewerkschaft stößt.
„Der Bodenverkehrsdienst ist einer der beschäftigungsintensivsten Bereiche am Flughafen, eine weitere Verschärfung des Wettbewerbs würde zu Lohndumping und der Ausweitung von Leiharbeit führen“, so Torsten Krups, Betriebsratsvorsitzender am Flughafen Hannover. Allein am Flughafen Hannover seien bis zu 1.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt mit den Bodenverkehrsdiensten verbunden.
Die Gewerkschaft ver.di kritisiert den fehlenden Schutz für die Beschäftigten: „Der Gesetzentwurf lässt konkrete Vorgaben zur Qualität der Ausbildung der Beschäftigten wie auch Regelungen zu sozialen Standards vermissen. Bei Vergabe eines Auftrags an eine andere Firma werden die Beschäftigten regelmäßig arbeitslos“, so Gewerkschaftssekretärin Mira Ball. Die ungenauen Vorgaben zur Qualifikation der Beschäftigten seien auch aus Gründen der Sicherheit außerordentlich bedenklich, da die Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste die letzten seien, die vor dem Start an einem Flugzeug arbeiteten.
„Auf die Flughäfen kämen deutlich erhöhte Kosten durch weitreichende organisatorische Änderungen und Zusatzaufgaben zu“, betonte Dr. Raoul Hille, Geschäftsführer des Flughafens. „Zugleich werden die Abfertigungsdienste der Flughäfen gegenüber Drittanbietern benachteiligt. Dennoch werden sie in schwierigerem Umfeld weiterhin die Verantwortung für die Sicherheit und Qualität tragen müssen. Damit einher geht nicht nur eine Schwächung der deutschen Verkehrsflughäfen innerhalb eines ihrer Kerngeschäfte, sondern auch eine massive Einschränkung der unternehmerischen Freiheit.“