Chinesische Malerei „Zwischen Ost’ und Westen“

Werke wie die Kollagen von Liu Guangjun und die Tuschbilder Kang Shiweis bilden einen Spannungsbogen zwischen westlicher und chinesischer Kunst.
 
Werke wie die Kollagen von Liu Guangjun und die Tuschbilder Kang Shiweis bilden einen Spannungsbogen zwischen westlicher und chinesischer Kunst.

Ausstellung im Rathaus Langenhagen gewährt seltene Einblicke in die chinesische Kunst

Langenhagen. „Chinesische Malerei auf dem Weg zu uns“ ist ab Montag im Rathaus der Stadt Langenhagen zu sehen. Unter dem Goethe-Motto „Zwischen Ost’ und Westen“ werden vom 30. Mai bis 17. Juni Malereien von vier chinesischen Gegenwartskünstlern präsentiert, die in ihren Werken exemplarisch einen Spannungsbogen von der traditionellen Tuschmalerei Chinas bis hin zur westlichen Ölmalerei und modernen Kunst schlagen. Ergänzt wird die Ausstellung durch einen künstlerischen Beitrag von ECHO-Verlagsleiter Thorsten Schirmer aus Langenhagen, ist seit über 20 Jahren Gastdozent für Malerei an der Pädagogischen Universität Anhui in China. Er gehört zu den wenigen Künstlern des Westens, die sich ganz der chinesischen Kunsttradition verschieben haben und mit ihrem Schaffen in China anerkannt sind. Die Ausstellung findet auf seine Anregung hin statt und wurde von ihm maßgeblich mit organisiert.
Die Vernetzung mit dem Reich der Mitte ist vor dem Hintergrund des wachsenden Führungsanspruchs Chinas weltweit von zentraler Bedeutung. Bereits heute ist das Land wichtigster Handelspartner der Bundesrepublik. Wirtschaftlich gibt es bis hinein in die Unternehmerkreise der Region Hannover intensive Verbindungen. Bei allen Annäherungen auf dem Gebiet der Wirtschaft ist das Wissen um China und seine uralte Hochkultur in der Bevölkerung jedoch noch immer sehr begrenzt. Diese Ausstellung möchte zum besseren Verständnis Chinas einen kleinen Beitrag leisten. Sie wurde in Zusammenarbeit mit der China-Galerie Schubert aus Lehrte realisiert. Inhaber Dieter Schubert ist seit 30 Jahren in Projekten zwischen Deutschland und China eingebunden. Aktuell organisierte er im Mai eine international beachtete Ausstellung zu Ehren eines Pioniers der deutsch-chinesischen Freundschaft, Erich Hermann Paulun, in dessen Heimatstadt Pasewalk. Weiterhin engagiert er sich intensiv für die Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Niedersachsen und der chinesischen Provinz Shandong. Ihm ist es für die Ausstellung gelungen, interessante wie hochwertige Vertreter der chinesischen Gegenwartskunst in das Projekt einzubinden. So verfügen alle fünf Künstler über internationale Reputation.
Den Auftakt der als Rundgang konzipierten Schau im Foyer des Ratssaals machen traditionelle Tuschmalereien von Kang Shiwei, der in der niedersächsischen Partnerprovinz Anhui lebt und arbeitet. Seine Werke wurden bereits in China, Deutschland und den USA gezeigt. Liu Guangjun, der als international renommierter Professor am Shanghai Institut für Design lehrt, zeigt sowohl freie Tuschmalereien in der Tradition seines Landes wie auch ganz moderne Werke mit Bildcollagen westlicher Prägung. Gao Jinlong, der bereits in den 90er Jahren über die Worpsweder Kunstkreise in Deutschland bekannt wurde, präsentiert sich mit modernen Interpretationen der chinesischen Tuschmalerei, die er dem Kulturkreis der nationalen Minderheiten Südwest-Chinas widmet. Mit Professor Xu Weide stellt die Werkschau einen ebenfalls in China, Europa und Nordamerika erfolgreichen Maler vor. Er gestaltet in Acryl auf chinesischem Papier impressionistisch wirkende Landschaften von leuchtender Farbigkeit und stiller Poesie. Seine Motive findet er vor allem im Osten Chinas, wo am Unterlauf des Jangtse eines der traditionellen Zentren der chinesischen Kultur liegt. Thorsten Schirmer spannt mit seinen monochromen Landschaftsbildern im Geiste des Zen schließlich einen Bogen von West nach Ost. Seine Werke sind ausschließlich mit den Fingern gemalt – eine alte aber seltene Technik der klassischen Tuschmalerei Chinas, die er nicht nur in Deutschland sondern auch im Reich der Mitte und den USA mehrfach erfolgreich ausgestellt hat. Ein Exkurs zur Ausstellung im Wartebereich des Bürgerbüros gibt zudem einen Einblick in die technischen Behelfe der traditionellen Tuschmalerei Chinas. So erwartet den Besucher nicht nur ein seltener Einblick in eine uralte Kunsttradition des Fernen Ostens, er wird auch mittels ausführlicher Erläuterungen in das Thema eingeführt. Das Langenhagener Rathaus ist montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 13 Uhr geöffnet.