Das große Meckern im Frühling

Die Thüringer Waldziegen zicken verspielt auf Meyers Hof. Foto: Erlebnis-Zoo Hannover
 
Ein Husumer Protestschwein. Foto: Erlebnis-Zoo Hannover

Nachwuchs bei Thüringer Waldziegen, Husumer Protestschweinen und Rauwolligen Pommerschen Landschafen

Region. „Schwein!“ - „Ziege!“ - „Sei bloß ruhig, du Schaf!“ Der Umgangston unter den Tieren auf Meyers Hof im Erlebnis-Zoo Hannover ist mitunter sehr direkt – aber immer ehrlich. Vier Husumer Protestferkel räkeln sich im Stroh neben Mutter Karlotta und behaupten von sich, die niedlichsten Frischlinge weit und breit zu sein. Großes Gemecker ertönt aus dem Stall nebenan. Die jungen Thüringer Waldziegen Susi, Martin und Ludwig zicken den lieben langen Tag rum. Sie finden es eine Riesenschweinerei, dass die Husumer sich aufführen, als ginge es um Deutschland sucht das Superschwein. Schließlich sehen die drei Zicklein aus wie bitterschokoladenbraune Plüschtiere und haben in Sachen „niedlich“ den ersten Platz verdient.
Soviel Niedlichkeit treten die Lämmer der Rauwolligen Pommerschen Landschafe mit dunkler Miene geschlossen entgegen (und nicht nur, weil sie schon etwas älter sind). Niedlich allein reicht nicht, blöken sie jeden an, der die schwarzen Schäflein im Stall nicht sofort entdeckt. Wichtig seien andere Qualitäten, wie zum Beispiel „sehr selten“ oder „vom Aussterben bedroht“.
Aber das lässt die ebenfalls sehr seltenen Thüringer Waldziegen natürlich nur milde meckern und die bedrohten Husumer Protestschweine lauthals quieken, was die Schafe wiederum aufbringt: „Ziege!“ – „Selber schwarzes Schaf!“ – „Ruhe dahinten, ihr Schweine!“ Der Ton auf Meyers Hof ist mitunter eben sehr direkt. Rotbunte Husumer Protestschweine, Rauwollige Pommersche Landschafe und Thüringer Waldziegen sind vom Aussterben bedrohte alte Haustierrassen. Mit der Zucht möchte der Zoo zu ihrem Erhalt beitragen. Der quirlige Nachwuchs ist täglich von 9 bis 18 Uhr auf Meyers Hof im Erlebnis-Zoo Hannover zu sehen.
Schokoladenbraune Farbe, eine ausgeprägte Gesichtsmaske, weißgesäumte Stehohren: Die Thüringer Waldziegen zicken verspielt auf Meyers Hof und wissen zum Glück nicht, wie bedroht ihr Bestand ist. In ganz Norddeutschland leben nur noch 50 Exemplare dieser Ziegen. Mit insgesamt nur etwa 200 weiblichen Tieren ist die Thüringer Wald Ziege akut vom Aussterben bedroht. Die Thüringer Waldziege entwickelte sich Anfang des letzten Jahrhunderts, als Züchter aus Thüringen in die damaligen regionalen Landschläge Toggenburgerziegen einkreuzten. 1935 wurde die Thüringer Waldziege schließlich als eigenständige Ziegenrasse benannt wurde. Die Ziegen gelten als besonders robust und widerstandsfähig. Im rauen Klima des Thüringerwaldes werden sie in Lagen bis 1.000 Meter Höhe gehalten.
Rotbunte Protest-Schweine: Ihren Namen verdanken die Schweine nicht ihrer Fähigkeit, wirklich laut protestierend quieken zu können. Vielmehr geht ihre rot-weiß-rote Färbung auf den Humor der dänischen Minderheit an der nordfriesischen Küste im 19. Jahrhundert zurück. Als die Dänen damals ihre Landes-Flagge nicht mehr im Vorgarten hissen durften, haben sie aus Protest die rot-weiß-roten Schweine gezüchtet und sie an Stelle der Fahne im Vorgarten präsentiert.
Das Rauwollige Pommersche Landschaf ist eine sehr alte Schafrasse. Ursprünglich war es in den deutschen Ostseeprovinzen in Mecklenburg, Pommern und Ostpreußen verbreitet, heute lebt es vorwiegend auf Rügen, Hiddensee und Teilen Usedoms. Der Name ist bei den Schafen Programm: Sie haben eine feste, raue Wolle, die grau bis blaugrau ist oder bräunliche Stellen zeigt. Kopf und Beine der Schafe sind schwarz - so werden auch die Lämmer geboren: schwarz von Kopf bis Fuß. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts nehmen die Bestände rapide ab.