Gemeinsame Übung am Natelsheidesee

Versorgung am Behandlungsplatz. Foto: P. Graser
 
Rettung aus dem Gebüsch. Foto: P. Graser

Johanniter, DRLG und THW trainierten Zusammenspiel: Einiges muss besser klappen

Bissendorf/Langenhagen. An einem sonnigen Herbstabend trainierten die Johanniter gemeinsam mit DLRG und THW am Natelsheidesee in Bissendorf den Ernstfall. Die Übung wurde den Helfern nicht angekündigt und stellte damit auch die Zusammenarbeit auf die Probe. Den zuerst anrückenden 25 Helfern der Johanniter vom Nordhannoverschen Ortsverband (NOV) und den dazu alarmierten Helfern der Ortsgruppe Langenhagen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und dem Technischen Hilfswerk Hannover/Langenhagen (THW) bot sich ein schreckliches Szenario: Eine Gruppe Jugendlicher feierte eine Privatparty mit Barbecue auf dem See und diese war außer Kontrolle geraten. Eine Gasflasche war explodiert und hatte das Boot in Brand gesetzt. Letztendlich war es gekentert und untergegangen. Die betroffene Personenzahl umfasste 15 Personen, davon konnten sich einige selbstständig an das Ufer retten und den Notruf absetzen. Die anderen mussten gesucht und gefunden werden. Zusätzlich stellte die einbrechende Dunkelheit die Ehrenamtlichen vor eine besondere Herausforderung. Die ersten Hilfeleistungen konnten noch im Hellen durchgeführt werden, doch das schwindende Tageslicht gestaltete insbesondere die Tauchmaßnahmen im See schwierig. Hier musste das THW für ausreichend Ausleuchtung sorgen. Am Eingang des Geländes wurde unter der Leitung des Leiters der Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) der Johanniter, Hendrik Helwig, die Sammelstelle für die Verletzten eingerichtet. Die SEG-Ärztin des NOV, Maike Wirths, hatte alle Hände voll zu tun: Einschätzung der Verletzungsstufe, wonach sich im wirklichen Leben auch die Reihenfolge des Abtransportes richtet, Beatmungen und das Verab-reichen von Beruhigungsmitteln. Währenddessen ging ein Trupp Rettungssanitäter auf eine Ring-suche um den See, um alle Opfer dieses Unfalls aufzufinden und sie zuerst an Ort und Stelle und dann am Behandlungsplatz zu versorgen. Schwerste Verbrennungen, Rauchgasvergiftungen, ein abgetrennter Finger: Es gab unterschiedlichste Grade der Verletzungen, so dass die gesamte Bandbreite des Wissens abverlangt wurde.
Die etwas später eingetroffenen zehn Helfer vom DLRG – kurz vor der Übung hätte der Realeinsatz einer Vermisstensuche am See beim Hotel Maritim Airport das Vorhaben noch vereitelt – begaben sich sofort zum Wasser, damit die Taucher noch den See absuchen konnten. Das THW, das mit etwa 15 Helfern und drei Fachgruppen (Elektroversorgung, Beleuchtung, Bergung) angerückt war, folgte: Bald knatterten die Notstromaggregate, die Leuchtkörper wurden installiert. Die Bergungsgruppe des THW baute zeitgleich aus Fässern und Bohlen eine schwimmende Plattform. Alle kämpften an ihrer Stelle, manche kamen ins Schwitzen. Vieles lief gut, einiges muss im Zusammenspiel noch besser klappen. Dies ist der Sinn einer Übung: Wie stellen sich die Abläufe, die in der Theorie so gut beherrscht werden, in der Praxis dar? Wo herrscht zu Anfang Chaos, wann tritt das Ordnende ein? Wie spontan und flexibel kann gearbeitet werden? Wie fühlt es sich an? Und all dies zum Wohle der Bevölkerung, falls eine Katastrophe eintritt. Dennis Carlini (JUH) und Thomas Gegenfurtner (THW), Übungsleiter der Veranstaltung, bestätigten die Wichtigkeit solcher Trainingseinheiten, die sich an realen Einsätzen orientieren: „Wir sind von unserer Seite sehr zufrieden. Auch das Erproben der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen ist überaus hilfreich. So erfahren wir, wo wir uns gemeinsam verbessern können und auch welches reale Know-how vorhanden ist. Auch wenn wir uns wünschen, dass unsere Kenntnisse so wenig wie möglich benötigt werden, zeigen gerade die jüngsten Ereignisse wie schnell es gehen kann…“ Zum Abschluss fanden sich alle Helfer und Helferinnen bei der Johanniter-Küche ein, um sich auszutauschen, zu essen, zu trinken und die Anspannung abfallen zu lassen.