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Fast jeder Zweite möchte Vermögen vererben

(LBS) Nach einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln halten es 44,6 Prozent der Deutschen für wichtig, Vermögen zu hinterlassen. Häufig geschieht dies in Form von Immobilien – jährlich werden in etwa 400.000 Erbfällen Häuser oder Wohnungen an die nächste Generation weitergegeben. Das Immobilienvermögen der Privathaushalte in Deutschland hat sich nach Angaben des IW seit der Wiedervereinigung mit aktuell über fünf Billionen Euro annähernd verdoppelt. Wohngebäude und Bauland machen heute fast die Hälfte des Gesamtvermögens aus. Künftig dürfte dieser Anteil noch steigen, denn die Rahmenbedingungen für den Eigenheimerwerb sind gut. Besonders in Folge der Finanzkrise und mit Blick auf die anziehende Inflation wissen die Menschen die Immobilie als wertstabile Anlage zu schätzen. Gregor Schneider von der LBS ist überzeugt: „Die eigenen vier Wände sind und bleiben die beliebteste Altersvorsorge der Deutschen. Dank vergleichsweise niedriger Darlehenszinsen von rund 4,1 Prozent für zehn Jahre ist der Sprung ins Eigenheim momentan für viele Bauherren und Käufer machbar.“ Auch bei den Baugenehmigungen für Wohngebäude ist die Talsohle durchschritten. Mit einem Plus von 6,8
Prozent im vergangenen Jahr bewegt sich die Zahl mit 165.000 Einheiten zwar
weiter auf niedrigem Niveau, der Trend geht aber deutlich nach oben. Eine wertstabile Immobilie ist neben Alters- auch Generationenvorsorge. Laut
einer Studie von Empirica ist sie in rund der Hälfte der jährlich etwa 800.000
Erbfälle in Deutschland Teil des Nachlasses. Gleichzeitig wird durch die erfreulicherweise steigende Lebenserwartung immer später vererbt – jeder zweite Erbe ist heute über 50 Jahre alt. „Wer schon in jungen Jahren die eigenen vier Wände beziehen möchte, sollte deshalb nicht aufs Erbe warten, sondern selbst aktiv werden“, rät Gregor Schneider. Mit einem Bausparvertrag können Immobilien-interessenten gezielt Eigenkapital aufbauen und sich günstige Darlehenszinsen zu festen Konditionen sichern. „Zusätzlich unterstützt der Staat den Erwerb von Wohneigentum mit dem Wohn-Riester. Auch Wohnbaudarlehen, Bausparverträge und Kombinationsfinanzierungen werden gefördert.“
Die Zahl zum Thema: 25,9 Millionen
In Deutschland gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamts ins-
gesamt 25,9 Millionen Haus- und Grundbesitztümer. Fast die Hälfte davon
sind Einfamilienhäuser (12 Mio.), rund ein Viertel Eigentumswohnungen (6,4 Mio.). An dritter Stelle liegen die unbebauten Grundstücke (2,9 Mio.), gefolgt von Zweifamilienhäusern (2,1 Mio.), sonstigen Gebäuden (1,5 Mio.) sowie Wohngebäuden mit drei und mehr Wohnungen (1,0 Mio.).
3 Fragen – 3 Antworten zum Immobilienerbe
1. Welche Freibeträge gelten generell bei einer Erbschaft?
Wie viel Erbschaftsteuer zu zahlen ist, hängt unter anderem vom Verwandt-
schaftsgrad und der Steuerklasse ab. Ehegatten und Lebenspartner profi-
tieren von einem Freibetrag in Höhe von 500.000 Euro, Kinder, Stief- und Adoptivkinder zahlen bei einem vererbten Vermögenswert bis 400.000
Euro keine Erbschaftsteuer. Der Freibetrag für Enkelkinder, deren Eltern noch
leben, sowie Urenkel liegt bei 200.000 Euro. Für Eltern und Großeltern re-
duziert sich der Betrag auf 100.000 Euro, für Geschwister, Nichten, Neffen
sowie alle übrigen Erben auf 20.000 Euro.

2. Was ist bei einer Immobilie zu beachten?
Immobilien werden seit 2009 bei der Erbschaft genauso behandelt wie
andere Vermögensgegenstände, etwa Konten oder Sparanlagen. Für die
Berechnung der Erbschaftsteuer wird der sogenannte Verkehrswert der
Immobilie angesetzt. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Für Ehegatten und
Lebenspartner bleibt das geerbte Eigenheim grundsätzlich steuerfrei, wenn
sie mindestens zehn Jahre lang selbst darin wohnen. Erben Kinder die Im-
mobilie, so gilt die Steuerbefreiung nur, soweit die Wohnfläche 200 Qua-
dratmeter nicht übersteigt.
3. Was passiert im Erbfall mit der Wohn-Riester-Förderung?
Immobilieneigentümer, die ihr Haus mit Wohn-Riester erwerben, zahlen im
Rentenalter Steuern auf die geförderten Beträge, die auf dem sogenannten
Wohnförderkonto erfasst sind. Diese Summe kann bei Rentenbeginn ent-
weder komplett mit 30 Prozent Abschlag oder in gleichen Raten bis zum
85. Lebensjahr versteuert werden. Verstirbt der Förderberechtigte bevor
die Steuerschuld getilgt ist, kann der Ehepartner das Wohnförderkonto
weiterführen bzw. übernehmen, sofern er das Eigenheim weiterhin selbst
bewohnt. Erbt eine andere Person, wird das Wohnförderkonto aufgelöst
und der verbliebene Betrag mit der letzten Einkommensteuererklärung des
Verstorbenen versteuert.
Die Fragen beantwortete Gregor Schneider von der LBS.

Tipp: Den Nachlass
Nur etwa geschätzt ein Viertel bis die Hälfte aller Erblasser fertigt ein Te-
stament an. Dabei ist ein solches Dokument fast immer sinnvoll, denn es
sorgt für klare Verhältnisse. So lassen sich etwa Unstimmigkeiten über die
Nutzung einer Immobilie vermeiden, indem der Ehegatte seinem Part-
ner ein Wohnrecht auf Lebenszeit einräumt oder ihn zum Alleinerben
bestimmt. Die Kinder können in letzterem Fall dann lediglich einen Zah-
lungsanspruch in Form des Pflichtteils geltend machen. Andernfalls
fällt nach der gesetzlichen Erbfolge beim Tod des Mannes der Frau meist
die Hälfte des Vermögens und den Kindern der Rest zu gleichen Teilen
zu. Weder die Witwe noch die Kinder können in diesem Fall allein eine
Entscheidung über die Immobilie fällen. Das Testament sollte zudem in regelmäßigen Abständen überprüft werden, damit der Inhalt des Doku-
mentes auch wirklich den letzten Willen des Erblassers wiedergibt. Ei-
nen Überblick über die wichtigsten Fakten zum Erbschaftsteuergesetz
bietet die LBS-Broschüre „Erben und Vererben“, www.lbs.de/broschueren

Expertenrat:
Verschenken statt vererben
Viele Immobilienbesitzer wollen ihren Kindern oder Verwandten schon zu Lebzeiten eine Freude machen, beispielsweise durch eine Schenkung. „Grundsätzlich gelten dabei die gleichen Freibeträge wie bei einer Erbschaft, sie können aber nach zehn Jahren erneut in Anspruch genommen werden“, erklärt der Fachanwalt für Erbrecht und Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht, Dr. Anton Steiner aus München. „Eine Schenkung kann deshalb auch aus steuerlichen Gründen sinnvoll sein, etwa wenn der Wert des Erbes den Freibetrag überschreitet.“ Liegt die
Schenkung mehr als zehn Jahre vor dem Erbfall, fallen im Rahmen der Freibeträge keine Steuern an. Tritt der Erbfall innerhalb der Zehnjahresfrist ein, werden Erbschaft und Geschenk zusammengerechnet und der Freibetrag – nur einmal – abgezogen. Bei einer erneuten Schenkung vor Ablauf der zehn Jahre wird die volle Schenkungssteuer fällig, wenn der Freibetrag bereits ausgeschöpft ist.