Kirchenkreis trauert um Christine Müller

Christine Müller (r.) starb kurz vor Vollendung ihres 68. Lebensjahres.

Trauergottesdienst am Sonnabend in der St. Petri-Kirche

Burgwedel/Wedemark (ti). Sie war eine beeindruckende Persönlichkeit, eine außergewöhnliche Frau, eine Ehrenamtliche, die ihre vielen Ämter mit Tatkraft und Zielstrebigkeit ausfüllte. Neue gesellschaftliche Aufgaben hat sie früh erkannt und starke Impulse für deren Umsetzung gegeben. Die Stadt Burgwedel verdankt ihr viel. Christine Müller starb am vergangenen Sonntag zu Hause in Großburgwedel im Kreis ihrer Familie. Menschen, die ihr nahe standen, konnten sich noch von ihr verabschieden. Sie wusste seit vielen Monaten von ihrer heimtückischen, seltenen Krankheit, für die es keine Heilung gab. Die gebürtige Schweizerin, die ihre Staatsangehörigkeit nie aufgab, war 1976 mit ihrer Familie nach Großburgwedel gekommen. Sie hatte ein Französisch-Diplom und als Lektorin gewirkt. Ein freiwilliges soziales Jahr und der durch den Beruf ihres Mannes bedingte Aufenthalt von sechs Jahren in Lateinamerika hatten ihr soziales Gewissen geschärft. Die Mutter von zwei Söhnen gab ihre Berufstätigkeit auf, als die Ehrenämter überhand nahmen. Ihrem Engagement für die Bewahrung der Schöpfung, für Gerechtigkeit und Frieden ist die Existenz des Eine-Welt-Ladens zu verdanken, der seit 27 Jahren in Anbindung an die St. Petri-Kirche geführt wird. Sie hat mitgearbeitet in der Telefonseelsorge, bei der Hausaufgabenhilfe, an Bibelseminaren im Rhoderbruch. Sie war Mitinitiatorin des Mehrgenerationen-Wohnprojektes Hornteichwiesen in Großburgwedel. Politische Ämter hat sie nie übernommen. Als aber in Burgwedel erstmals ein Etat für die Kulturarbeit zur Verfügung gestellt wurde, gehörte sie dem Beirat an. Ihre „Wahlprüfsteine“ aus christlicher Sicht zu den Bundestagswahlen waren bei den Politikern ebenso geschätzt wie gefürchtet. Rund 21 Jahre lang war Christine Müller in leitender Verantwortung in der evangelischen Kirche tätig. Von 1995 bis 2001 war sie Vorsitzende des Kirchenvorstandes von St. Petri, danach bis 2010 Vorsitzende des Kirchenkreistages. Wesentliche Weichenstellungen für die Entwicklung der Kirche wurden in ihrer Zeit vollzogen. Ihrem persönlichen Einsatz ist es auch zu verdanken, dass die Deckengemälde in der Kirche freigelegt werden konnten, eine kunsthistorische Bereicherung für die Stadt. Nicht zuletzt ist es der couragierten Kirchenfrau in den vergangenen Jahren gelungen, in erstaunlich kurzer Zeit den Ambulanten Hospizdienst für Burgwedel-Isernhagen-Wedemark ins Leben zu rufen und auf solide Füße zu stellen. Dort hinterlässt sie eine „richtig große Lücke“, wie Ute Rodehorst, die Koordinatorin, es darstellt. Bei der außerordentlich engen Zusammenarbeit sei sie nun die Hälfte, die fehlt. Eine schwierige Aufgabe für die Zukunft sei es, die Funktion neu zu besetzten. Menschen, die mit Christine Müller zu tun hatten, rühmen ihre Warmherzigkeit, ihre Zugewandtheit, aber auch die Klarheit in ihren Äußerungen. Sie war ehrlich, direkt, konnte Menschen motivieren und war mutig und unerschrocken, wenn es um bestimmte Ziele ging, sagt Superintendent Martin Bergau. Immer blieb sie mit der Zukunft verbunden. Sie sei eine „sehr ungewöhnliche“ Frau gewesen. Er sei dankbar, dass er sie kennen lernen durfte. Damit spricht der oberste Repräsentant des Kirchenkreises vielen Menschen aus dem Herzen. Er wird den Trauergottesdienst am Sonnabend in der St. Petri-Kirche in Großburgwedel halten. Die Friedhofskapelle würde nicht ausreichen für die zu erwartende große Trauergemeinde.