Mutter/Vater-Kind-Kuren kein familienpolitischer Luxus Klare Worte auf dem Baustellenfest der AWO LangeoogKlinik

Regio. Beim heutigen Baustellenfest der AWO LangeoogKlinik, auf dem die
die Baufortschritte an den Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen der Mutter/Vater-Kind-Kur-Einrichtung vorgestellt werden, sprechen die AWO und die politischen Redner Klartext, was die rigorose Ablehnungspraxis von Mutter/Vater-Kind-Kuren und deren Auswirkungen auf die Familie, die Träger und die Arbeitsplätze angeht. „Bei gleichbleibend hoher Nachfrage ist die Ablehnungsquote der Krankenkassen wieder stark gestiegen, obwohl Mutter/Vater-Kind-Kuren seit 2007 gesetzliche Pflichtleistungen sind“, sagt
Birgit Merkel, die Aufsichtsratsvorsitzende der AWO vita gGmbH. „Der Rückgang der Belegung um bis zu 10 Prozent macht den Kliniken schwer zu schaffen. Vorsorge- und Rehakuren für Mütter, Väter und Kinder sind kein familienpolitischer Luxus, den Krankenkassen nach Belieben (oder nach Kassenlage) aus ihrem Leistungskatalog streichen können. Familienorientierte Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen sind Pflichtleistungen für die Gesundheit aller und eine vernünftige Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft.“
Die Bundestagsabgeordnete Karin Evers-Meyer (SPD) fordert: „Wir brauchen dringend eine Regelung, die es den Kassen verbietet, die ärztliche Verordnung zu ignorieren. Mutter-Kind-Kurkliniken sind außerdem ein bedeutender Arbeitgeber für die Region. Das ist für uns eben auch ein wirtschaftlicher Aspekt. Die Regierung muss jetzt schnell eine Regelung finden, um die Krankenkassen in die Pflicht zu nehmen.“
Der SPD Landesvorsitzende Olaf Lies unterstreicht: „Mutter-/Vater-Kind-Kuren sind ein wichtiger Baustein der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Die Mutter-/Vater-Kind-Kliniken haben für mich eine besondere Bedeutung. Mit großer Sorge betrachte ich daher den Rückgang an Genehmigungen. Dabei sinkt der Bedarf nicht, sondern meiner Einschätzung nach steigt er eher. Die Kliniken haben eine hohe Kompetenz im medizinischen und im psychologischen Bereich. Die hohe medizinische Qualität hat aber auch ihren Preis und daher müssen die Kliniken auch auskömmlich finanziert werden. Da hat die Politik eine hohe Verantwortung: Wir müssen dafür sorgen, dass die Kuren auch Verordnungsleistungen der Ärzte werden. Damit würden sich die Hürden bei der Genehmigung abbauen lassen.“ Tatsächlich ist eine Zunahme psychischer Störungen und Erkrankungen zu verzeichnen, das Stichwort Burnout ist in aller Munde. Ernährungsbedingte Krankheiten schon im Kindesalter nehmen deutlich zu. Und gerade in letzter Zeit müssen wir mit Erschrecken feststellen, dass immer mehr Frauen an Brustkrebs erkranken, darunter immer mehr jüngere Frauen, die noch minderjährige Kinder zu versorgen haben. Nicht selten scheitert eine Rehamaßnahme für diese
Frauen an der fehlenden Möglichkeit, die Kinder bei sich zu haben.
„Um all diesen neuen Anforderungen gerecht zu werden, hat die Arbeiterwohlfahrt Ende 2010 damit begonnen, die LangeoogKlinik zu erweitern, zu modernisieren und mit den notwendigen Therapieeinrichtungen auszustatten“, färt Birgit Merkel fort. „Fast die Hälfte der geplanten Investitionssumme von fünf Millionen Euro trägt das Bundesfamilienministerium, die ARD Fernsehlotterie steuert einen namhaften Zuschuss bei, für diese Unterstützung möchte ich mich bei dieser Gelegenheit herzlich bedanken.“ Bei einer Baustellenbesichtigung können sich Gäste und Medienvertreter über die umfangreiche Baumaßnahme, ihre Hintergründe und konzeptionellen Ziele informieren.