Nachfrage nach Zuschüssen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket steigt

Region Hannover will das Antragsverfahren vereinfachen

Region. Zuschüsse aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zu beantragen – für viele Familien in der Region Hannover auch über ein Jahr nach Einführung der neuen Leistungen nicht die Regel. Aber die Nachfrage steigt deutlich. Das geht aus einer Auswertung hervor, die Regionsdezernent Erwin Jordan am Ende Juni im Sozialausschuss der Region Hannover vorgestellt hat. Gleichzeitig kündigte er an, dass das Antragsverfahren vereinfacht werden soll.
Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2012 wurden genau 15.061 Anträge für Bildung- und Teilhabe bei den Jobcentern, den Sozialämtern der regionsangehörigen Städte und Gemeinden sowie der Region Hannover gestellt. Die Inanspruchnahme der Leistungen für einkommensschwache Familien ist damit fast annähernd so hoch wie im vergangenen Jahr: Vom Start des Bildungs- und Teilhabepakets am 1. April bis zum 31. Dezember 2011 wurden 19.610 Zuschüsse unter anderem für Schulausflüge, Mittagsverpflegung, Nachhilfe oder Vereinsbeiträge beantragt.
Trotz der nun kontinuierlich steigender Nachfrage: Im vergangenen Jahr hätten viele der Berechtigten ihre Ansprüche nicht in vollem Umfang wahrgenommen, so Erwin Jordan. „Die bürokratischen Hürden, die der Bund vor das Bildungs- und Teilhabepaket gesetzt hat, waren von Anfang an viel zu hoch und hat die meisten eher abgeschreckt als angezogen“, so der Sozialdezernent. Rund 12,5 Millionen Euro hat die Region Hannover 2011 für das Bildungs- und Teilhabepakt ausgegeben – davon knapp 4,7 Millionen Euro für Leistungen und Gutscheine und fünf Millionen Euro für Schulsozialarbeit.
Von den in der Region Hannover rund 47.000 anspruchsberechtigten Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren haben im vergangenen Jahr nur 41 Prozent von den Leistungen Gebrauch gemacht – und damit weniger als im Bundesvergleich. Nach Umfragen des Deutschen Städtetags und des Deutschen Landkreistages lag die Quote der Inanspruchnahme im Jahr deutschlandweit bei 55 Prozent. Einen Grund dafür sieht Jordan in dem Erfolg des HannoverAktivPasses, der viel einfacher Vergünstigungen für die Anspruchsberechtigten ermöglicht.
Um das Bildungs- und Teilhabepaket attraktiver zu machen, sucht die Region zusammen mit lokalen Partnern nach Lösungen, die das komplizierte Antragsverfahren verschlanken sollen. Dazu wurde im April der so genannte Regionale Ratschlag gegründet, dem Vertreterinnen und Vertreter der regionsangehörigen Städten und Gemeinden, der Wohlfahrtsverbände, von Vereinen, Schulen, Sport- und Jugendverbänden angehören. Ein erstes Ergebnis der Beratungsrunden: Künftig sollen Anspruchsberechtigte mit nur einem Kreuz gleich mehrere Leistungen beantragen können. Außerdem soll es möglich sein, die Leistungen zum Teil pauschaliert abzurechnen.
„Das neue Verfahren und die positive Nachfrageentwicklung in diesem Jahr stimmen mich optimistisch, dass das Bildungs- und Teilhabepaket stärker wahrgenommen wird als bisher. Vor allem von den Kindertageseinrichtungen und Schulen könnten noch mehr Impulse ausgehen, damit anspruchsberechtigte Kinder das gesamte Spektrum der Leistungen nutzen – von den eintägigen Ausflügen bis hin zur Lernförderung nach dem Unterricht“, sagte Sozialdezernent Jordan.
Die Region Hannover ist zuständig für die Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepakets in den 21 regionsangehörigen Städten und Gemeinden. Anspruchsberechtigt sind insgesamt rund 60.000 Kindergartenkinder, Schülerinnen und Schüler – rund sind rund 13.000 Berechtige über 18 Jahre. Die Anträge können – je nach Leistungsbezug – bei den zuständigen Jobcentern, den Sozialämtern in den Städten und Gemeinden oder der Familienkasse gestellt werden. Weitere Informationen unter www.hannover.de/bildungspaket oder unter Telefon (05 11) 6 16-2 33 77.