On-Demand-Angebote in der Region

Elke van Zadel (von links), Geschäftsführerin regiobus Hannover GmbH und Vorständin ÜSTRA Hannoversche Verkehrsbetriebe AG, Ulf-Birger Franz, GVH Geschäftsführer und Verkehrsdezernent Region Hannover, und Christian Springfeld, Bürgermeister in Springe. Foto: regiobus Hannover GmbH

Pilotprojekt in Springe, Sehnde und der Wedemark geplant

Wedemark. Die Region Hannover und die Verkehrsunternehmen ÜSTRA und regiobus planen ein sogenanntes On-Demand-Verkehrssystem im Umland Hannovers einzurichten. Für eine bis zu dreieinhalb Jahre dauernde Testphase wird das System in zunächst drei Kommunen ab Sommer 2021 gestartet. Auch Springe ist dabei.
„Ein Projekt in dieser Dimension im ländlichen Raum hat es bundesweit noch nicht gegeben“, erläutert der Verkehrsdezernent der Region Hannover, Ulf-Birger Franz. Bei mehr oder minder erfolgreichen Versuchen in den letzten Jahren, On-Demand- Verkehre zu etablieren, konzentrierten sich verschiedene Anbieter eher auf urbane Gebiete. „Solche Mobilitätsangebote im Umland einzurichten, sind schon aufgrund der potenziellen Nutzerzahlen weniger lukrativ“, führt Franz aus. „Genau deshalb sind die kommunalen Unternehmen gefordert, die Qualität in diesem Sektor des Öffentlichen Personennahverkehrs hochzufahren. Letztlich geht es darum, auch dort den Umstieg auf umweltschonendere Mobilität zu fördern und damit die Verkehrswende zu forcieren. Das neue Angebot soll durch Schnelligkeit und Nähe überzeugen“, so Franz.
Bürgermeister Christian Springfeld zeigt sich dann auch sehr erfreut darüber, dass Springe als Pilotkommune ausgesucht worden ist. „Die Menschen wünschen sich einen attraktiveren ÖPNV auch im Umland eines Ballungsraumes. Sprinti empfinden wir da als große Chance für die Bürgerinnen und Bürger in Springe,“ führt er weiter aus.
Intelligent und integriert unterwegs
Bei Bedarf einen Kleinbus bestellen und sich an einen beliebigen Ort in der Stadt Springe bringen lassen – das soll im nächsten Jahr in Springe und zwei weiteren Kommunen der Region Hannover möglich sein. Die Fahrzeuge, die im so genannten On-Demand-Verkehr unterwegs sind, haben keine festen Routen oder Fahrpläne. Stattdessen buchen die Fahrgäste per App oder Telefon eine Fahrt. Ein Algorithmus kombiniert verschiedene Anfragen, plant die Route und berechnet die Fahr- und Ankunftszeit. Die Nutzerinnen und Nutzer werden dann von sogenannten virtuellen Haltestellen abgeholt und zum Ziel gebracht. Der Fußweg zu einer virtuellen Haltestelle soll nur maximal 150 m betragen. Von der Buchung des Kunden bis zur Nutzung sollen nur ca. 15 bis 20 Minuten vergehen.
Start bereits im Sommer 2021
Das Projekt soll im Sommer 2021 in der Wedemark, in Sehnde und in Springe an den Start gehen. Bei der Auswahl der Pilotkommunen wurde auf die Unterschiedlichkeit der Gebiete geachtet, um möglichst viele Erfahrungen zu verschiedensten Aspekten sammeln zu können. In den drei Kommunen leben rd. 83.000 Einwohner; davon in Springe ca. 30.000. „In der Wedemark und in Springe werden wir die jetzigen Anrufsammeltaxi-Verkehre durch das neue Angebot ersetzen. Speziell in Springe wollen wir Erfahrungen mit der Bedienung auch in einer größeren Kernstadt sammeln, erklärt regiobus-Geschäftsführerin Elke van Zadel. „Das Angebot wird in den GVH-Tarif integriert – die Fahrkarten des Verbundes werden entsprechend anerkannt. Wer eine Fahrkarte braucht, kann diese ebenfalls über die App kaufen. Wir wollen damit bargeldloses Bezahlen weiter vorantreiben“, so van Zadel.
„Die Fahrzeuge mit denen das Testangebot begleitet wird, werden bis zu sechs Fahrgäste aufnehmen können. Sie werden barrierefrei und in der Lage sein, Rollstühle, Rollatoren oder Kinderwagen zu transportieren“, ergänzt van Zadel. In Springe sind insgesamt acht Kleinbusse vorgesehen. Attraktiv und vor allem besser merkbar sollen die Einsatzzeiten sein: 06:00 bis 01:00 Uhr an Werktagen, samstags und sonntags: 08:00 bis 01:00 Uhr. Und in den Nächten auf Samstag und Sonntag sollen zusätzlich auch Anschlussfahrten von dem Nachverkehr der S-Bahn möglich sein.
Weitere Planung
Die Experten aus den beteiligten Häusern bereiten in den nächsten Wochen eine entsprechende Ausschreibung des Pilotprojektes vor. Noch in 2020 will man sich für einen Anbieter entscheiden, der sowohl Fahrzeuge als auch das notwendige Personal stellt. Die Planung des Fahrzeugeinsatzes und die Einbindung der Buchungssoftware in die vorhandenen digitalen Kanäle des GVH sind ebenfalls Bestandteil des Vergabeverfahrens.
Neues Angebot – neuer Name
sprinti – so soll das neue Angebot in den drei Testkommunen heißen. „Wir haben uns bei der Namensfindung und der Farbgebung an den seit Ende letzten Jahres eingesetzten sprintH Linien orientiert“, erklärt Franz. „Den hohen Standard, den wir mit den sprintH Linien im Bus-Bereich eingeführt haben, möchten wir mit diesem Angebot ergänzen. Der sprinti ist also quasi der kleine Bruder des sprintH“, so Franz.