Robert Hesse sen tödlich verunglückt

Robert Hesse, Seniorchef von Möbel Hesse, starb im Alter von 82 Jahren. Foto: Christian Burkert (Foto: Christan Burkert)

Unternehmer und Garbsener Ehrenbürger starb im Alter von 82 Jahren

Region. Der Familienvater, Unternehmer und Seniorchef des Möbelhauses Hesse, Robert Hesse II, ist am Dienstagabend tödlich verunglückt. Robert Hesse, Ehrenbürger der Stadt Garbsen, starb im Alter von 82 Jahren. Familie, Mitarbeiter, Wegbegleiter und Geschäftspartner reagierten am Mittwoch zutiefst betroffen auf die Nachricht. „Möbel Hesse verliert einen Visionär und Vordenker, der das Unternehmen aufgebaut und immer wieder neu erfunden hat“, schreibt sein Sohn Robert Andreas. Seinem Geschäftssinn und Pioniergeist sei es zu verdanken, dass die Unternehmensgruppe heute zu den führenden Einrichtungshäusern in Norddeutschland gehöre. „In erster Linie verlieren wir alle aber eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die mit ihrer warmherzigen, humorvollen Art die Menschen begeistern konnte. Ein Mann, der für seine Ideale gekämpft und seine Kraft bis zuletzt in den Dienst anderer gestellt hat“, heißt es weiter.
Kondolenzbuch im Rathaus
Bürgermeister Christian Grahl ließ am Mittwoch ein Kondolenzbuch im Rathaus aufstellen. Jeder, der seine Trauer zum Ausdruck bringen möchte, kann sich eintragen. Die Stadt wird der Familie das Buch später überreichen. „Der plötzliche Tod unseres Ehrenbürgers hat mich tief getroffen. Das ist ein schwerer Verlust für Garbsen. Unser Mitgefühl gilt seiner Ehefrau und der ganzen Familie“, schreibt Grahl.
Robert Hesse sen. ist 1936 in Springe geboren. Was war das für ein Mann, dem so viele Menschen ihr Vertrauen schenkten, die sich ihm öffneten, ihn begleiteten auf seinem spannenden Weg? Robert Hessewar vor allem ein Menschenfreund. Er wusste mit den Schwächen und Schattenseiten des Wesens Mensch umzugehen. Aber genießen konnte er die freundlichen Qualitäten, Liebe, Zuwendung, Bildung, Sportsgeist und Herzblut. Jedes Lachen, jeden schönen Moment hängte er sich an den Baum seines Lebens. Mit den Jahren ist ein stattliches, facettenreiches Lebenswerk daraus geworden mit einem nie endenden Schatz an Geschichten.
Mutig vorwärts mit kalkuliertem Risiko
Vor allem Geschichten aus dem Unternehmen. Wie die Lok am Möbelhaus ohne Gleisanschluss nach Garbsen kam. Wie das erste Kontor seiner Eltern an der Röttgerstraße in Linden roch. Wie skeptisch er das Hochregallager an der B6 wachsen sah. „Mutig vorwärts“ hieß einer seiner Leitgedanken. Und so ließ er ab 1972 - später zusammen mit seinem Sohn Robert Andreas - ein Handelsunternehmen für Möbelwachsen mitten auf dem am heißesten umkämpften Möbelmarktplatz Deutschlands. Nirgends werden auf mehr Quadratmetern Betten, Tische und Sofas verkauft wie im Großraum Hannover. Eigentlich ruinös für „Eigentümer-Unternehmer“, wie Ex-Wirtschaftsminister Walter Hirche den Firmenchef mal nannte. Er hat den Kampf bestanden, weil er Möbel Hesse immer wieder neu erfand und exzellente Kontakte in die Branche hatte.
Risiko eingehen? Ja, aber nur ein kalkuliertes Risiko. Hesse senior war sich immer seiner allerersten Pflicht als Unternehmer bewusst: Die Sicherheit der Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter. Die Menschen im Unternehmen waren seine große Familie. Jeder konnte mit allem zu ihm kommen. „Wir brauchen keinen Betriebsrat, wir reden von Angesicht zu Angesicht, offen und ehrlich“, sagte er gerne.
...und Garbsen immer im Blick
Robert Hesse zählte nicht zu den Unternehmer-Persönlichkeiten, die Scheuklappen tragen und die rechts und links ihrer Firma nichts interessiert. Im Gegenteil: Hesse war ein befruchtender Teil der Stadtgesellschaft. Er setzte den Baumlehrpfad in den Stadtpark Garbsen. Er warb hinter den Kulissen mehr als 30 Jahre für den Tangentenschluss zwischen Garbsen und Langenhagen. Er gründete vor 50 Jahren den Tennisverein Berenbostel mit. Er war Kunstliebhaber, ohne darüber große Worte zu verlieren. Hesse gab dem Johann-Strauß Orchester Hannover den wohl schönsten Konzertsaal der Region, weil er die Musik liebte und während der Konzerte alles um sich herum vergessen konnte. Er förderte das Garbsener Jazz-Talent Hanna Jursch, als sie mit ihrem Mann und Opernsänger Alessandro Rinella Pop und Klassik vereinte und ein neues Konzertformat schuf. Robert Hesse hatte selbst oft genug Neues probiert und wusste Unterstützung lebenslang zu schätzen.
2001 zum Ehrenbürger ernannt
In Anerkennung seiner Verdienste vor allem um den Wirtschaftsstandort Garbsen ernannte ihn der Rat 2011 zum dritten Ehrenbürger der Stadt. Robert Hesse I und II waren 1971/72 die Pioniere auf dem Gelände der verlassenen Ziegelei Flemming und legten den Grundstein für den heutigen Bauboulevard.
Wenn Robert Hesse in seinem geliebten Wald bei Einbeck auf dem Jagdstand saß, anlegte und schoss, war immer eine Träne in seinem Auge. Waidmann war er mit Herz und Seele, Forstmann war er mit Überzeugung. Als der Orkan Friederike im Januar seine Bäume wie Streichhölzer knickte, nahm er dieses Bild tief traurig auf. Ein Baum war kein Kapital. Er stand für ihn als Symbol des Lebens. Fest verwurzelt, weltweit einmalig, Lebensspender. Auch darum konnte er den Wert handgemachter Möbel so hoch schätzen.
„Robert Hesse sen. war Ehemann, Vater, Großvater, Unternehmer, Kollege, Philanthrop und Freund … Uns fehlen die Worte“, schreibt sein Sohn Robert Andreas am Mittwoch und spricht damit den vielen Freunden und Wegbegleitern aus dem Herzen. Markus Holz