Sportpolitische Themen beim ersten RSB-Sportkongress

Der Sportkongress des Regionssportbundes im Haus der Region war gut besucht.
  Hannover (Erk Bratke). Eine Premiere feierte der Regionssportbund (RSB) Hannover mit seinem erstmals veranstalteten Sportkongress. Dabei hatten RSB-Vorsitzender Joachim Brandt und Geschäftsführer Roland Freitag nicht nur drei höchst aktuelle Themen auf die Tagesordnung gebracht, sondern obendrein eine illustre Runde an Referenten aus Sport, Wirtschaft und Politik gewonnen. Die Debüt-Veranstaltung richtete sich an Vereinsvertreter aus der Funktionärsebene sowie an Delegierte der Sportringe und Vertreter der Parteienlandschaft. Mit 100 Teilnehmern war der Sportkongress im Haus der Region überraschend gut besucht. „Mit einer solch positiven Resonanz hatten wir gar nicht gerechnet“, kommentierte RSB-Chef in seinen einleitenden Worten. Brandt verwies ferner auf die neuen Angebote des Sportbundes, stellte dabei speziell das immer dringlicher werdende Vereinscoaching und die geplanten Sportentwicklungspläne für die Kommunen (mit Uni-Beteiligung) heraus. Danach entließ er die Zuhörergruppe in die drei Foren. Später gratulierte auch Regionspräsident Hauke Jagau dem Regionssportbund zu seinem Vorstoß und unterstrich die Wichtigkeit derartiger Gespräche. In Forum 1 ging es um die Integration durch Sport; Hauptreferentin war Bibiana Steinhaus. Die FIFA-Schiedsrichterin und Mitarbeiterin im niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport stellte plakativ die große Herausforderung der Integration dar, aber auch welche Chancen darin für die Vereine bestehen. Das enorme Potenzial sei auf allen Ebenen erkannt. Um es abzurufen, fördere das Innenministerium zahlreiche Projekte. Hilfreich für die Vereine sei dabei die Datenbank www.sport-integriert-niedersachsen.de. Die Teilnehmer tauschten sich über bereits existierende Integrationsmaßnahmen aus und vergaßen nicht, der Landtagsabgeordneten Angelika Jahns als zweite Referentin „Hausaufgaben“ mit den Weg zu geben: Integrationsarbeit sei im Sport nun wahrlich nichts Neues. Was fehle, wäre die nötige soziale Komponente bei Trainer und Betreuern. In Richtung der Fachverbände monierten die Vereinsvertreter, dass man in finanzieller und zeitlicher Hinsicht zu viel von den möglichen Lizenzinhabern verlange. Die Förderung von Trainern müsse kostenlos sein, um möglicherweise mehr jüngere Menschen für diesen verantwortungsvollen Bereich gewinnen zu können.
Forum 2 beschäftigte sich mit der Sportentwicklung in einer Zeit des demografischen Wandels. Norbert Engelhardt vom Landessportbund und die Bundestagsabgeordnete Caren Marks gaben Hinweise auf die gesellschaftlichen Veränderungen. Demnach müssten Kommunen und Sportvereine mehr denn je in Kommunikation treten, um die Angebote den zu erwartenden Bedürfnissen anzupassen. Die Teilnehmer arbeiteten heraus, dass bestehende Vereinsprofile neu zu überdenken seien. Eine gänzlich neue Problematik entstehe beispielsweise durch die flächendeckende Einführung der Ganztagsschule. „Ohne Kooperationen von Schule und Verein wird es zukünftig nicht mehr laufen“, formulierte Forumsmoderator Fritz Redeker (RSB). „Netzwerke aufbauen“ sowie fortan auch „orts- und kreisübergreifend arbeiten“ lauteten weitere Schlagworte dieser Gruppe. „Räume für den Sport“ hieß das Thema im dritten Forum. Mit dem Architekten Jürgen Koch und dem Bundestagsabgeordneten Dr. Matthias Miersch standen zwei prädestinierte Referenten parat, um den Sportstättenbau als Entwicklungsprozess zu erörtern. Auch hier fiel mehrfach das Stichwort „Schule & Verein“. Stetig müsse man sich Gedanken um multifunktionale Ansprüche und um Kooperationen zu effizienteren Nutzung machen. Zudem wurde der Sanierungs- und Modernisierungsdruck als „immens groß“ beziffert. Dem gegenüber stehe der schwindende Bindungswille an die Vereine und die ebenso sinkende Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme im Ehrenamt, was sich wiederum negativ auf Einnahmeseite der Sportvereine auswirke – ein Teufelskreis.