Vor Wechsel zu Ökostrom informieren! Verbraucherzentrale Niedersachsen hilft beim Anbieterwechsel

Region. Angesichts der Reaktorkatastrophe in Japan wollen auch niedersächsische Verbraucher weg vom Atom- und hin zum Ökostrom.
Einige Energieanbieter locken wechselwillige Kunden jetzt verstärkt mit Be-
zeichnungen wie „Ökostrom“, „Umweltfreundlicher Strom“ oder „Atomfreier
Strom“. „Der Begriff Ökostrom ist aber gesetzlich nicht geschützt“, warnt
Karin Goldbeck, Juristin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Viele Strom-
anbieter nutzen diese Grauzone: vorhandene Strommengen werden z. B. durch den Erwerb sogenannter RECS-Zertifikate umetikettiert. Diese Grünstromzertifikate gelten als Herkunftsnachweis für erneuerbare Energien und stammen unter anderem von Wasserkraftwerken aus Skandinavien. So lässt sich deutscher Kohle- oder Atomstrom ganz legal in Ökostrom umwandeln. Informationen und Beratung zu Ökostrom und zum Stromanbieterwechsel gibt es in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale. Ausführliche Angaben und Erläuterungen zum Thema bieten darüber hinaus die Verbraucherinformationen „Tipps zum Anbieterwechsel - Strom" sowie „Tipps zum Anbieterwechsel – Ökostrom“. Beide können auf der Internetseite www.verbraucherzentrale-
niedersachsen.de unter „Energiepreise“ heruntergeladen werden.
Die Verbraucherzentrale rät: Wer zu einem „Ökostromanbieter“ wechseln möchte, sollte darauf achten, dass tatsächlich in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert wird, keine zusätzlichen Stromtarife auf Atomstrom- oder Kohlekraftwerks-Basis angeboten werden und auch wirklich nicht mit Strom aus solchen Quellen gehandelt wird. Zurzeit entsprechen nur vier Ökostromanbieter auf dem deutschen Markt diesen Vorgaben. Das sind: Elektrizitätswerke Schönau (EWS), LichtBlick, Greenpeace Energy und die Naturstrom AG. Auch die Ökostromangebote von Stadtwerken sollten genau geprüft und konkrete Angaben zum Strommix eingeholt werden.
Zertifikate, wie die „OK-Power Label“, „Grüner Strom Gold“, „Grüner Strom-Silber“ oder „TÜV-Zertifikate“ klären über den ökologischen Nutzen von Produkten auf. Genaueres Hinsehen ist aber auch hier notwendig, denn die Vergabekriterien und der damit einhergehende Umweltnutzen unterscheiden sich voneinander.
Wechselwillige sollten außerdem erst prüfen, zu welchem Datum der bestehende Vertrag gekündigt werden kann. Lässt sich dieser zum Beispiel erst zu Ende November 2011 kündigen, da eine längere Laufzeit vereinbart wurde, macht ein Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen Sinn.
Der Vertragsinhalt sollte auch bei Ökostrom-Angeboten genau geprüft werden, insbesondere das „Kleingedruckte“, zum Beispiel: Mindestlaufzeit, Preisgarantie, Kündigungsfrist, Sonderkündigungsrechte und so weiter.
Um den Wettbewerb auf dem Strom-/Ökostrommarkt zu fördern, rät die Verbraucherzentrale Niedersachsen zudem vom Wechsel zu den vier großen Energiekonzernen und deren Tochtergesellschaften ab.