Wenn der Ruf ertönt: „Achtung, Baum fällt“

 

Der Lehrgang lehrt das sichere und ergonomische Arbeiten mit der Motorsäge

Wedemark/Langenhagen (awi). Das Heizen mit Holz im eigenen Kamin oder Kachelofen liegt im Trend, ist ebenso kostengünstig wie umweltfreundlich. Was liegt da näher, als das Brennholz selbst zu machen. Doch Vorsicht: Einfach mal eben mit Jeans und Gummistiefeln in den Wald gehen und einen Baum ummachen, so geht das nicht. Auch in diesem Winter bieten Forstämter und andere fachlich geschulte Ausbilder wieder Motorsägen-Kurse für den Erwerb von Brennholz an. Einer dieser Anbieter ist Eberhard Kakuschke aus Mellendorf. Weil er als Feuerwehrmann weiß, dass auch die Feuerwehr Aktive braucht, die im Besitz eines solchen Kettensägescheins sind, hat Kakuschke im Dezember einen Platz für einen Feuerwehrkameraden kostenlos zur Verfügung gestellt. Mit großem Interesse hat Kai Mehrstedt von der Feuerwehr Godshorn den über zwei Tage gehende Lehrgang mit theoretischem und praktischem Teil absolviert und dabei viel gelernt. Für alle Teilnehmer dieser Lehrgänge ist das Tragen von Schnittschutzhose, Stiefeln und Helm mit Gehör und Gesichtsschutz obligatorisch. Eine eigene Motorsäge ist von Vorteil, aber nicht vorgeschrieben. Bei der Urkunde handelt es sich um die geforderte Lizenz für den Brennholzerwerb in privaten wie auch öffentlichen Forstdienststellen. Gelehrt werden in vier Stunden Theorie unter anderem das sichere und ergonomische Arbeiten mit der Motorsäge, das Beachten der gesetzlichen Unfallverhütungsvorschriften und das richtige Umgehen mit nützlichen Werkzeugen zur
Holzernte. Die Funktion der Säge mit Kettenfangbolzen und Kettenbremse, Sicherheitseinrichtungen wie Antivibrationsgriffe und Fälltechniken werden ebenso thematisiert. Für den praktischen Teil treffen sich die Kursteilnehmer dann am Sonnabendmorgen in einem Waldstück, das Kakuschke in Absprache mit einem Förster für die Fällübungen zur Verfügung gestellt bekommt, das kann wie bei dem Kurs im Dezember, auch mal in der Burgwedeler Gemarkung sein. Hier können die Teilnehmer jetzt in die Praxis umsetzen, was sie am Vortag theoretisch gelernt haben: Zunächst wird der Baum angesprochen, natürliche Hangrichtung und Fällrichtung bestimmt, dann der Fallkerb angesetzt, der je nach Größe des Baumes ein Drittel bis ein Fünftel des Baumdurchmessers betragen muss. Wenn die Überprüfung des Fallkerbs positiv ist, setzt der Baumfäller Markierungen mit Holzstücken. Wichtig ist, dass sich Sohle und Dach des Fallkerbs genau treffen und genau an diesem Punkt wird der Fällschnitt vorn angesetzt – nachdem der Ruf „Achtung, Baum fällt“ erklungen ist – und von hinten bis zur Bruchleiste geführt, die nicht durchtrennt werden darf. Dann klappt der Stamm wie ein Scharnier um. Zuvor hat sich der Baumfäller eine Fluchtweiche freigeschnitten. Wenn der Baum dann gefallen ist, muss beim Entasten und Kleinsägen noch einmal genau soviel Sorgfalt und Vorsicht angewandt werden.

Mellendorf (awi). Hauptberuflich ist Eberhard Kakuschke aus Mellendorf Berufsfeuerwehrmann auf dem Fliegerhorst Wunstorf, nebenberuflich bietet der ausgebildete Forstwirt Kettensägenkurse für den privaten Brennholzerwerb, aber auch für Feuerwehrleute an. Nicht nur die eigene Erfahrung hat ihn gelehrt, dass im Umgang mit der Kettensäge Fachwissen und das Beachten von Sicherheitshinweisen oberstes Gebot sind. Auch seine Sammlung von Zeitungsmeldungen über Unfälle beim Holzmachen ist beeindruckend. Kakuschke machte nach seiner Ausbildung zum Forstwirt und der Bundeswehr über den Berufsförderdienst seinen Ausbilderschein für Ausbilder und erwarb durch seine langjährige Arbeit als Forstwirt im Staatsforst Resse die Voraussetzungen als Lehrgangsleiter. 1992 wechselte er zur Berufsfeuerwehr, erst in Hannover, dann auf dem Fliegerhorst in Wunstorf. Als 2007 die Forstbehörden die gesetzliche Förderung des Motorsägenkettenscheines übernahmen und seitdem jeder, der im öffentlichen Raum Holz macht – also auch Privatleute in einem Staatsforst – einen solchen Schein vorweisen muss, war unvermittelt eine große Nachfrage nach solchen Kursen da. Da Kakuschke über die notwendigen Voraussetzungen verfügte, startete er zusammen mit dem befreundeten Forstwirtschaftsmeister Peter Springmann einen Versuchsballon. Die Resonanz war gigantisch und wenn die Nachfrage sich auch mittlerweile auf ein normales Maß eingependelt hat, so sind die Kurse von Kakuschke und Springmann doch regelmäßig ausgebucht. Kakuschke betont in diesem Zusammenhang die gute Kooperation mit der Firma Glockzin, die die Räumlichkeiten für den theoretischen Teil zur Verfügung stellt und der Firma Stihl. Wie wichtig die Kurse sind, merkt er immer dann, wenn ihm 99 Prozent seiner Kursteilnehmer, von denen viele teilweise schon viele Jahre selbst Holz gemacht haben, anschließend sagen: „Bin ich froh, dass ich noch lebe und mich noch nicht verletzt habe, so wie ich das bisher gemacht habe!“ Auch im neuen Jahr 2012 finden wieder Motorsägen-Kurse in der Wedemark statt. Der Kurs beginnt immer freitags um 16 Uhr mit der Theorie und endet am Samstagmittag nach der Praxis im Wald zur Urkundenausgabe. Zur Terminabsprache und Beantwortung weiterer Fragen bitte bei Eberhard Kakuschke unter der Telefonnummer (05130) 3 70 59 melden.