Zum Welt-Tuberkulose-Tag am 24. März 2011 Gesundheitsdezernentin Barbara Thiel: „Gefährdung durch Tuberkulose weiterhin ernst nehmen“

Helga Heykes-Uden, Leiterin des Teams Infektionsschutz TBC, Dr. Martina Baxmann vom Team Infektionsschutz TBC und Barbara Thiel, Dezernentin für Öffentliche Gesundheit und Sicherheit der Region Hannover (von links nach rechts).
Region. Sie steckt weltweit in jedem dritten Menschen, jeder zehnte davon erkrankt an ihr: Tuberkulose gehört noch immer zu den am meisten verbreiteten Infektionskrankheiten. Und zu den tödlichsten: 2009 fielen laut WHO rund 1,7 Millionen Menschen Tuberkulose zum Opfer, die meisten in Asien und Afrika. In Europa ist die Krankheit zwar selten geworden, ausgestorben aber ist sie nicht. Das zeigen auch die Fallzahlen in der Region Hannover, die die Dezernentin für Öffentliche Gesundheit und Sicherheit, Barbara Thiel, am Freitag, 18. März, im Haus der Region im Hinblick auf den Welt-Tuberkulose-Tag vorgestellt hat.
So hat der Fachbereich Gesundheit der Region im vergangenen Jahr 58 Neuerkrankungen registriert. Damit ist im Vergleich zum Jahr 2009 (82 Fälle) und Jahr 2008 (67 Fälle) die Zahl der gemeldeten Fälle zurückgegangen. An den Folgen der Tuberkulose verstarben 2010 drei, 2011 bislang zwei Patienten. Die rückläufige Entwicklung der Tuberkulose-Erkrankungen in der Region spiegelt den Bundestrend: Laut Robert Koch Institut wurden im vergangenen Jahr deutschlandweit 4.299 Krankheitsfälle gemeldet, im Jahr 2009 4.444 Fälle und im Jahr 2008 4.516 Fälle.
„Insgesamt betrachten wir den leichten Abwärtstrend der Zahlen als erfreulich, das ist für uns aber kein Anlass, Tuberkulose zu verharmlosen“, sagte Barbara Thiel. „Im Gegenteil: Gerade weil TBC zunehmend aus dem gesellschaftlichen Blickfeld rückt, müssen wir umso nachdrücklicher auf die Gefährdung, die immer noch von der Krankheit ausgeht, hinweisen. Auf längere Sicht rechnen wir sogar eher damit, dass in unserem weltoffenen Ballungsraum die Zahl der Tuberkulose-Fälle durch Ferntourismus und Zuwanderung wieder zunimmt“, betonte die Dezernentin.
Die Zahl der neu registrierten Fälle steht im engen Zusammenhang mit dem Meldeverhalten der Ärztinnen und Ärzte. Nur: Geschlossene, nicht ansteckende Lungentuberkulosen werden inzwischen dem Gesundheitsamt kaum noch mitgeteilt. Auch saisonale Schwankungen beeinflussen die Statistik, sagte Helga Heykes-Uden, Leiterin des Teams Infektionsschutz TBC der Region Hannover. „Bei anhaltend kalter Witterung leiden die Menschen häufiger unter hartnäckigem Husten, gehen eher zum Arzt, werden geröntgt und so wird Tuberkulose oft rein zufällig diagnostiziert.“
Der Fachbereich Gesundheit ist ständig in Alarmbereitschaft, um bei einem erkannten TBC-Fall schnell die Verbreitung zu verhindern: „Bei einem aktiv Erkrankten ermitteln wir umgehend seine engen Kontaktpersonen – mitunter können das bis zu mehrere hundert Menschen sein“, so Heykes-Uden. Auch wenn die Neuerkrankungsrate in diesem Jahr noch gering ist, hat die Tuberkulose-Beratungsstelle der Region bereits über 1.000 enge Kontaktpersonen ermittelt und untersucht. „Diese große Anzahl an Menschen müssen wir schnell und kompetent versorgen“, so die Fachärztin für Pneumologie, Allergologie und Umweltmedizin.
Zur eindeutigen Diagnose einer Tuberkuloseerkrankung muss die Lunge der Patienten geröntgt werden. Kontaktpersonen werden seit einigen Jahren mit dem so genannten IGRA-Test auf eine Erkrankung überprüft. Bei negativem Ergebnis entfällt die ergänzende Röntgenuntersuchung. Vor allem medizinisches Personal, das regelmäßig mit Tuberkulosepatienten zu tun hat, profitiert vom neuen Verfahren. Aber auch Kontaktpersonen, denen es nicht möglich ist, in die TBC-Beratungsstelle zu kommen – wie zum Beispiel Strafgefangene –, werden mit diesem Test direkt vor Ort untersucht.
„Unsere Erfahrungen mit eigenen diagnostischen Verfahren, mit modernen molekularbiologischen Untersuchungsmethoden, einer Röntgenanlage und qualifiziertem Personal tragen wesentlich dazu bei, Tuberkulose früh erkennen und eindämmen zu können“, sagte Heykes-Uden. „Vor allem Befunde bei Patienten, die schwierig medizinisch zu erreichen sind, wie Obdachlose oder Menschen mit Suchtproblemen, wären ohne die umfassenden Möglichkeiten in der TBC-Beratungsstelle erst später oder gar nicht erhoben worden.“
Tuberkulose gibt sich nicht durch typische, eindeutige Anzeichen zu erkennen, sondern äußert sich nur durch allgemeine Beschwerden wie Husten, vermehrte Schweißneigung, Appetitlosigkeit, Müdigkeit oder Auswurf beim Husten. „Bei solchen Beschwerden über einen längeren Zeitraum empfehlen wir, einen niedergelassenen Arzt oder die Tuberkulose-Beratungsstelle im Haus der Region aufzusuchen“, so die Lungenfachärztin.
Weitere Auskünfte oder Terminvereinbarungen beim Team Infektionsschutz TBC der Region Hannover unter Telefon 0511/616-22888. Auch die Internetseite www.hannover.de hält Informationen über Tuberkulose bereit.