Zum Welt-Tuberkulosetag am 24. März 2012 Tuberkulose – weiterhin nicht unterschätzen!

Leitet die Tuberkulose-Beratungsstelle der Region Hannover: Helga Heykes-Uden, Fachärztin für Pneumologie, Allergologie und Umweltmedizin.
Region. Sie ist weltweit noch immer die am weitesten verbreitete Infektionskrankheit – die Tuberkulose (TBC). Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist etwa jeder Dritte weltweit mit Tuberkulosebakterien infiziert, jeder zehnte davon erkrankt. Jährlich sterben etwa 1,1 Millionen Menschen an der Krankheit – die meisten in Asien und Afrika. Aber auch in Deutschland ist das von TBC ausgehende Risiko nicht zu unterschätzen. Das zeigen Zahlen, die der Fachbereich Gesundheit der der Region Hannover anlässlich des Welt-Tuberkulosetages vorlegt.
Laut dem Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) erkrankten 2009 allein in Europa ungefähr 425.000 Menschen, 2010 wurden bundesweit insgesamt 4.330 Neuerkrankungen registriert. Damit geht die Zahl der Tuberkuloseerkrankungen in Deutschland zwar kontinuierlich weiter zurück (zum Vergleich 2009: 4.444 Fälle), seit einigen Jahren aber hat sich die Abwärtsentwicklung verlangsamt.
In Großstädten tritt TBC pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner rund neun Mal auf und damit etwa doppelt so häufig wie in ländlichen Bereichen. Ursache dafür: Auf engem Raum leben mehr Menschen mit Risikofaktoren zusammen, wie zum Beispiel Migrantinnen und Migranten aus Ländern mit generell hohem Tuberkuloseaufkommen und Personen mit psychosozialen Risikofaktoren wie Suchterkrankungen und Obdachlosigkeit.
Die Region Hannover vereint großstädtische und ländliche Bereiche. Im Jahr 2011 hat der Fachbereich Gesundheit 60 Neuerkrankungen und drei Todesfälle in Folge von TBC registriert. Im Jahr 2010 wurden 58 Erkrankungen und zwei Todesfälle gemeldet. Gemessen an der Einwohnerzahl der Region Hannover entsprechen die gemeldeten TBC-Neuerkrankungen dem Bundesdurchschnitt.
„Die Situation ist nicht besorgniserregend, Wachsamkeit sollte aber immer geboten sein“, so Helga Heykes-Uden, Leiterin der Tuberkulose-Beratungsstelle der Region Hannover. „Die Zahl der Neumeldungen unterliegt oft saisonalen Schwankungen. So erhalten wir mehr Meldungen bei anhaltend kalter Witterung, wenn viele unter hartnäckigem Husten leiden und deshalb eher zum Arzt gehen. Nach dem Röntgen wird Tuberkulose so oft zufällig diagnostiziert.“
Auch die zunehmende Verharmlosung der Tuberkulose führt dazu, dass Erkrankungen immer später entdeckt werden. „Die Patienten werden oft erst dann auf Tuberkulose untersucht, wenn die Krankheit bereits hochinfektiös ist und viele Menschen infiziert sind“, sagt Heykes-Uden. Geschlossene, nicht ansteckende Lungentuberkulosen würden dem Gesundheitsamt kaum noch mitgeteilt. „Wie viele Fälle jährlich registriert werden, steht aber im engen Zusammenhang mit dem Meldeverhalten der Ärztinnen und Ärzte. Prognosen über die Anzahl Neuerkrankungen lassen sich so kaum treffen.“
Der Fachbereich Gesundheit der Region Hannover ist daher stetig in Alarmbereitschaft, um bei einem diagnostizierten TBC-Fall schnell zu handeln: „Bei einem aktiv Erkrankten ermitteln wir umgehend seine engen Kontaktpersonen, um eine Verbreitung einer ansteckenden Tuberkulose zu verhindern – mitunter können das bis zu mehrere hundert Menschen sein“, so die Fachärztin für Pneumologie, Allergologie und Umweltmedizin.
Inzwischen kann mittels des sogenannten IGRA-Tests, einer Blutuntersuchung, festgestellt werden, ob ein Patient an TBC erkrankt ist. Ist das Ergebnis negativ, muss die Lunge meist nicht mehr geröntgt werden, die Strahlenbelastung wird reduziert. Ein weiterer Vorteil des Tests: Kontaktpersonen, die nicht in die Beratungsstelle kommen können oder den Gang zum Arzt scheuen, wie etwa Häftlinge oder Obdachlose, können mit dem Verfahren auch vor Ort getestet werden.
Erschwert wird der Kampf gegen Tuberkulose heute vor allem durch resistente Bakterien, gegen die gängige Medikamente nicht mehr wirken. Ursache dafür ist meist der unsachgemäße und unkontrollierte Konsum von Arzneien gegen Tuberkulose. Der Tuberkulose-Erreger wird aber auch durch zunehmenden Ferntourismus eingeschleppt.
Um die Krankheit früh zu erkennen und einzudämmen, ist qualifiziertes Personal und Ausrüstung entscheidend, aber auch der Erfahrungsaustausch der Akteure im Gesundheitswesen. Der Fachbereich Gesundheit hat dazu unter anderem bundesweit Umfragen in Kliniken und Praxen, bei karitativen und sozialen Einrichtungen sowie bei Gesundheitsämtern durchgeführt. Ergebnis: Gerade hinsichtlich der Betreuung von Risikogruppen, wie beispielsweise Obdachlose und Patientinnen und Patienten mit resistenter Tuberkulose, steigen die Bemühungen allerorts an.
Tuberkulose wird in den meisten Fällen durch winzige Tröpfchen übertragen und befällt in der Regel die Lunge. Die Krankheit gibt sich nicht durch typische Anzeichen zu erkennen, sondern äußert sich nur durch allgemeine Beschwerden wie Husten, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und vermehrte Schweißbildung. „Sollten solche Beschwerden über einen längeren Zeitraum auftreten, empfehlen wir, einen Arzt oder die Tuberkulose-Beratungsstelle im Haus der Region aufzusuchen“, rät Lungenärztin Helga Heykes-Uden.
Weitere Auskünfte oder Terminvereinbarungen beim Team Infektionsschutz TBC der Region Hannover unter Telefon (0511) 616-22888. Auch die Internetseite www.hannover.de hält Informationen über Tuberkulose bereit.