Zwischenbilanz des Projekts Steuerung in der Hilfe zur Pflege Lebensqualität erhalten – erste Erfolge durch individuelles Fallmanagement

Stellten im Haus der Region das Konzept zur Steuerung in der Pflege vor: Fallmanagerin Rita Schlüter und Michael Mehl, Leiter des Teams Hilfe zur Pflege der Region Hannover.
Region. Ambulant vor stationär: Dieses Konzept verfolgt die Region Hannover mit einem Bündel von Maßnahmen. Dazu gehört, passgenaue Hilfen für Pflegebedürftige zu entwickeln. Deshalb sucht seit Anfang des Jahres eine so genannte Fallmanagerin zusammen mit Hilfesuchenden, Angehörigen und Betreuern nach individuellen Lösungen – mit dem Ziel, dass Pflegebedürftige so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden leben können. Auf der 16. Pflegekonferenz der Region Hannover am 22. November wurden erste Erfahrungen des Fallmanagements präsentiert.
Seit dem 1. Februar 2011 läuft die Testphase in ausgewählten Stadtteilen Hannovers sowie im Südwesten der Region Hannover, genauer: in den Kommunen Barsinghausen, Gehrden, Ronnenberg, Wennigsen und Springe. Bis Oktober wurden monatlich zwölf Menschen durch die Fallmanagerin der Region Hannover beraten, insgesamt elf konnten aus einer Klinik oder Kurzzeitpflege zurück in die eigene Häuslichkeit gesteuert werden. Anfang Oktober wurde das Testgebiet auf die gesamte Landeshauptstadt ausgedehnt. Allein innerhalb eines Monats sind 39 Menschen neu in das Fallmanagement einbezogen worden, acht von ihnen werden nun ambulant zu Hause statt stationär gepflegt.
„Trotz der recht kurzen Anlaufphase zeichnet sich jetzt schon ab, dass das Projekt zur Steuerung in der Pflege beachtliche Erfolge aufweist“, sagte Sozialdezernent Erwin Jordan von der Region Hannover im Regionshaus. „Jeder, der zu Hause genau so gut wie in einem Pflegeheim versorgt werden kann, erhält sich durch die gewohnte Umgebung auch ein Stück Lebensqualität. Das funktioniert aber natürlich nur, wenn das Fallmanagement eng in die örtlichen Versorgungsstrukturen eingebunden ist und mit Pflegedienstleistern oder Betreuungsvereinen zusammen arbeiten kann.“ Ziel ist, nach Abschluss der 12-monatigen Testphase den politischen Gremien die Einführung des Fallmanagements im gesamten Regionsgebiet vorzuschlagen.
Nach dem derzeitigen Verfahren informieren die beteiligten Sozialämter der Städte und Gemeinden das Fallmanagement über Personen mit der Pflegestufe 0/G und 1. Anschließend wird in einem Gespräch mit der Pflegebedürftigen und – je nach Schwere der Erkrankung – mit Angehörigen oder rechtlichen Betreuerinnen und Betreuern die Situation beurteilt. Kommen die Beteiligten zum Schluss, dass neben der stationären Pflege auch eine häusliche Pflege möglich ist, erstellt die Fallmanagerin einen individuellen finanzierbaren Versorgungsplan und überprüft die Umsetzung.
Das individuelle Verfahren bringt persönliche Vorteile für die Pflegebedürftigen, erspart aber auch Kosten: Durchschnittlich rund 1.300 Euro pro Monat muss die Region Hannover als Sozialhilfeträgerin pro Pflegefall weniger als in einer stationären Pflege aufbringen. Vor allem vor dem Hintergrund des demographischen Wandels wird daher das Fallmanagement zunehmend wichtiger, sagte Sozialdezernent Erwin Jordan: „In den kommenden Jahren nimmt die Zahl der Pflegebedürftigen zwangsläufig weiter zu, während traditionelle häusliche Strukturen aufbrechen und die finanzielle Leistungsfähigkeit älterer Menschen abnimmt. Mit dem Fallmanagement wollen wir uns als öffentliche Hand die Steuerungsfähigkeit erhalten und Lösungen jenseits des Pflegeheims anbieten. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass wir dabei auf einem guten Weg sind.“