Backhaus setzt sich überraschend gegen Borgas durch

Alexandra Backhaus (von links) soll nach dem Willen der Wedemärker CDU als Landtagskandidatin die Nachfolge von Editha Westmann antreten. Backhaus setzte sich gegen Jessica Borgas durch. Foto: A. Wiese
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Wedemark (awi). Manchmal ist auch die CDU für eine Überraschung gut: Doch recht unerwartet hat sich bei der außerordentlichen CDU-Versammlung am Freitagabend in der Bissendorfer Mehrzweckhalle die 30-jährige Elzerin Alexandra Backhaus als potenzielle Landtagskandidatin gegen die Mellendorferin Jessica Borgas durchgesetzt. Von 97 stimmberechtigten Wedemärker CDU-Mitglieder stimmten 51 für Backhaus, 46 für Borgas. Die Präsenzveranstaltung war durch eine straffe Organisation, ein strenges Hygienekonzept, das auch die Möglichkeit zum Test vor Ort bot und unter anderem FFP-Zwei-Maskenpflicht vorsah, und ausreichende Abstände zwischen den Stühlen in der Mehrzweckhalle möglich. 
Beide Kandidaten hatten sich noch einmal persönlich vorgestellt, kurz ihren politischen Werdegang und ihre Motivation skizziert und sich dann den Fragen des Plenums gestellt. Bis auf eine Frage, was die Kanditatinnen für die Gruppe der Senioren und Pflegebedürftigen zu tun gedächten, blieben die Fragen jedoch aus. Der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Felix Adamczuk gratulierte Alexandra Backhaus und freute sich über die sehr gute Beteiligung. Landtagskandidatin des Wahlkreises Wedemark-Garbsen ist die Vorsitzende der Jungen Union damit aber noch nicht. Dazu muss sie sich erst noch bei der gemeinsamen  Aufstellungsversammung der CDU-Ortsverbände Wedemark und Garbsen am 7. Februar im Ice House gegen den voraussichtlichen Garbsener Kandidaten Christof Wenzel (die letzte Bestätigung der Briefwahlauszähung steht noch aus) durchsetzen. Adamczuk appellierte an alle CDU-Mitglieder,  hier möglichst zahlreich zu erscheinen, denn es ist keine Delegiertenversammlung. Wer da ist, kann wählen. Und wer die meisten Stimmen bekommt, ist offizieller CDU-Landtagskandidat und geht gegen Amtsinhaber Rüdiger Kauroff von der SPD ins Rennen, der den Wahlkreis letztes Mal direkt gewonnen hat. Die CDU-Kandidatin Editha Westmann, die den Wahlkreis seit 20 Jahren im Landtag vertritt, war über Liste reingekommen. Mit einem sicheren Listenplatz können der oder die CDU-Kandidatin bei der Wahl am 9. Oktober aber diesmal nicht rechnen. Die Grünen haben sich in der Abstimmung in der Wahlkreisversammlung übrigens mit 18:6 Stimmen für Djenabou
Diallo-Hartmann aus Garbsen entschieden. Sie hat gegen Darius Pilarski gewonnen.

Da es nach dem Alphabet ging, durfte Alexandra Backhaus ihre Vorstellungsrede als Erste halten. Aufgewachsen in Meitze, sei sie im Vereins- und Dorfeben tief verwurzelt, betont die 30-Jährige, die mittlerweile in Elze lebt, dort im Ortsrat und seit der letzten Kommunalwahl auch im Gemeinderat ist. Ihre zweite Heimat sei der landwirtschaftliche Betrieb ihrer Familie in Plumhof,wo sie jederzeit mitzupacke, wo sie gebraucht werd. Nach dem Abitur in Mellendorf studierte Backhaus Volkswirtschaftslehre in Göttingen bis zum Bachelor und machte später ihren Master in Wirtschaftspolitik in Siegen. Seit Januar 2020 ist sie Wirtschaftsreferentin in der CDU-Landtagsfraktion. In dieser Position tausche sie sich täglich mit den Ministern aus und habe sich ein starkes Netzwerk aufgebaut. „Ich weiß, was die Wähler und die Gemeinde bewegt", versicherte die 30-Jährige. Nach der Bundestagswahl sei klar, dass sich in der Partei etwas ändern müsse. Die CDU müsse wieder für Stabilität und Sicherheit stehen und jede Generation mitnehmen. Vor allem müsse sie aber mehr Möglichkeiten für die Mitglieder schaffen, sich einzubringen. „Ich möchte, dass die CDU wieder eine Partei ist, die man versteht, die im Alltag ankommt und die für die Landwirtschaft ebenso wie für Aus- und Weiterbildung der richtige Ansprechpartner ist", erklärte Backhaus. Dabei gehe es nicht nur um Akademiker, sondern sie mache sich auch für die duale Ausbildung stark, denn auch die Firmen in der Wedemark bräuchten gutes qualifiziertes Personal. „Sie sollten mich wählen, weil ich de  den Erneuerungsprozess der Union in allen Themenbereichen einbringe, für meine Heima und die Menschen, die hier leben", warb Backhaus um die Stimmen der Parteimitglieder aus der Wedemark.
Jessica Borgas hatte ihren Lebenslauf bereits im Vorfeld als Flyer an die CDU-Mitglieder geschickt und sparte sich die Wiederholung. Sie wolle die Chance nutzen, etwas auf Landesebene für die Wedemark zu erreichen, betonte die 42-Jährige. Da sei zum einen die Verkehrsproblematik, wo Hartnäckigkeit gefragt sei, um Besserungen durchzusetzen. Gute Ideen gebe es auch in der Klimaproblematik genug, doch müsse man sich für Entbürokratisierung und beschleunigte Verfahren stark machen. Wichtig sei ihr vor allem der „Erhalt unserer Dörfer" mit Kitas, Schulen, dem örtichen Polizeikommissariat, vielfältigem Einzelhandel und wohnortnaher medizinischer Versorgung sowie Kultur- und Freizeitangeboten. Auch für den Mittelstand werde sie sich einsetzen. Dieser sei das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Dazu gehörten auch die ortsnah produzierenden landwirtschaftlichen Betriebe. Im Sinne der Landwirtschaft müssten Entscheidungen mit gesundem Menschenverstand getroffen werden. Und sie werde ihrer Aktivitäten auf kommunaler Ebene in keiner Weise zurückfahren, auch wenn sie in den Landtag gewählt werde, versicherte Jessica Borgas. Vor allem aber versprach sie ihren Parteifreunden Ehrlichkeit: „Floskeln hören wir alle viel zu oft!" Die CDU brauche wieder eine Politik, die zu den Werten der Partei stehe, vor allem aber auch Transparenz und Mitsprache für die Basis. Der CDU-Kandidat des Wahlkreises Wedemark-Garbsen könne nicht mit einem sicheren Listenplatz rechnen, gab Borgas zu bedenken. Der Wahlkreis müsse direkt gewonnen werden. Das traue sie sich zu, die vorangegangenen Kommunalwahlen hätten gezeigt, dass in in beiden Kommunen persönliches Vertrauen entgegengebracht werde. Sie werde mit alller Macht für den Sieg des Direktmandats kämpfen, so Borgas. 
In der Pause, die während der Auszählung nach der Stimmabgabe der Parteimitglieder entstand, begrüßte Gemeindeverbandsvorsitzender Felix Adamczuk die amtierende CDU-Landtagsabgeordnete Editha Westmann, die nach fast 20 Jahren nicht wieder antrete, und dankte ihr für ihre aufopfernde Arbeit. Aus dem Plenum heraus meldete sich für frühere CDU-Gemeindeverbands- und Fraktionsvorsitzende Jörg Onnasch zu Wort und betonte, die CDU könne stolz auf zwei so gute Kandidatinnen sein. Dies sei ein Aufbruch für die Wedemark, der zeige, dass auch die Jungen wieder weiter nach vorne und nach oben kommen wollten. Er freute sich zudem, dass soviele CDU-Mitglieder zu dieser wichtigen Versammlung gekommen seien. So könne man selbstbewusst in die gemeinsame  Aufstellungsversammlung mit dem Garbsener Ortsverband am 7. Februar gehen.

Autor:

Anke Wiese aus Wedemark

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