Drohne bewahrt Rehkitze vor Mähtod

Ortstermin in der Plumhofer Gemarkung zur Vorführung der Drohne, die der Hegering Wedemark in der Jägerschaft Burgdorf für die Kitzrettung angeschafft hat mit Lohnunternehmer Dierk Görries (stehend von links), Umweltschutzbeauftragter René Rakebrandt, den Drohnenpiloten Fynn Pflüger und Götz Homes, dem Hegeringvorsitzenden Henrik Bardeck, Drohnenobmann Björn Wilstermann, Revierpächter Eckart Sievert und der stellvertretende Hegeringvorsitzende Dierk Bahlburg sowie Bürgermeister Helge Zychlinski.
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  • Ortstermin in der Plumhofer Gemarkung zur Vorführung der Drohne, die der Hegering Wedemark in der Jägerschaft Burgdorf für die Kitzrettung angeschafft hat mit Lohnunternehmer Dierk Görries (stehend von links), Umweltschutzbeauftragter René Rakebrandt, den Drohnenpiloten Fynn Pflüger und Götz Homes, dem Hegeringvorsitzenden Henrik Bardeck, Drohnenobmann Björn Wilstermann, Revierpächter Eckart Sievert und der stellvertretende Hegeringvorsitzende Dierk Bahlburg sowie Bürgermeister Helge Zychlinski.
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Plumhof (awi). Die Gras- und Heuernte hat begonnen. Überall sieht man jetzt auf den Wiesen die Landwirte und Lohnunternehmer mit ihren Treckern und Mähbalken – eine tödliche Gefahr für die Rehkitze, die von ihren Müttern vor im Schnitt zehn Tagen in den Wiesen abgelegt wurden und deren normaler Schutzmechanismus es ist, sich bei Gefahr abzuducken und darauf zu vertrauen, dass sie im hohen Gras mit ihrem so gut wie unsichtbar sind.Früher versuchte man Unruhe zu verbreiten, um die Ricke noch dazu zu verleiten, ihr Kitz herauszuholen, auch suchten die Jäger die zur Mahd angemeldeten Flächen ab. Doch der technische Fortschritt bietet heutzutage ganz andere Methoden und so hat jetzt auch der Hegering Wedemark in der Jägerschaft Burgdorf tief in die Tasche gegriffen und eine Drohne mit Wärmebildkamera angeschafft. Die Bingo-Umweltstiftung, die bereits über 180 solche Projekte in ganz Niedersachsen gefördert hat, hat die Hälfte der Kosten für die 12.500 Euro teure High-Tech-Drohne übernommen und die Gemeinde Wedemark beteiligt sich mit 500 Euro jährlich an Reparatur- und Unterhaltskosten der Drohne, für die ein Akku für eine Flugzeit von rund 20 Minuten reicht. Und acht Akuus gibt es.
„Die Zahlen sprechen für sich“, berichtet Hegeringvorsitzender Henrik Bardeck aus Oegenbostel, der selbst im Heidekreis auf Jagd geht, wo die Drohnen schon länger im Einsatz sind. „Ohne Drohne haben wir etwa acht Kitze in der Saison gefunden, mit Drohne im ers-ten Jahr 32, im zweiten Jahr schon 36 Kitze. Daher setzt jetzt auch die Jägerschaft aus der Wedemark auf die Drohne, deren Einsatz für die Landwirte und Lohnunternehmer, die den Jägern spätestens am Abend vorher die zur Mahd anstehenden Flächen melden, kostenlos ist. „Uns geht es bei unserem ehrenamtlichen Einsatz ausschließlich darum, möglichst viele Rehkitze vor dem grausamen Mähtod zu bewahren“, betonen Hegeringvorsitzender Henrik Bardeck undDrohnenobmann Björn Wilstermann. Dafür wurde eine zentrale Telefonnummer eingerichtet: Wer weiß, dass seine Wiese am nächs-ten Tag gemäht werden soll, ruft bis 18 Uhr die Nummer (0 51 30) 3 60 91 an und wird an den aktuell diensthabenden Drohnenpiloten weitergeleitet. Der programmiert die angemeldete Fläche für die Drohne ein und startet zwischen 4 und 5 Uhr am nächsten Morgen mit der Absuche. Die Drohne fliegt die Fläche mit einer Flughöhe von 50 bis 60 Metern ab. Die Wärmebildkamera ortet das Kitz und die Drohne bleibt darüber stehen. Der Drohnenpilot, der den Flug auf dem Bildschirm verfolgt hat, nimmt Rettungskorb und Stäbe mit Plastikbändern und marschiert zum angezeigten Fundort. Hat er das Kitz entdeckt, stülpt er den grünen Plastikkorb entweder darüber und steckt an den Seiten die Stäbe in den Boden, um den Korb für den Landwirt auf dem Trecker kenntlich zu machen, oder er trägt das Kitz mit Handschuhen und Grasbüschlen aus der Wiese heraus und bedeckt es mit dem Korb, bis das Feld gemäht ist. Würde er das nicht tun, bestände die Gefahr, dass das Kitz in die Wiese zurückläuft beziehungsweise die Ricke es zurückführt. „Gefahr, dass die Ricke ihr Kitz nicht wiederfindet, besteht nicht“, beruhigt Hegeringvorsitzender Henrik Bardeck. Ricke und Kitz verständigen sich durch hohe Fieptöne. Lediglich wenn dem Kitz menschlicher Geruch anhaftet, die Mutter es nicht mehr annehmen. Daher warnen die Jäger auch jedes Jahr wieder eindringlich davor, vermeintlich verwaiste Jungtiere anzufassen.
Einen Satz der grünen Plastik-Rettungskörbe inklusive der Markierungsstangen hat die Gemeinde Wedemark zusätzlich zu den 500 Euro Unterhaltskosten für dieses Jahr spendiert. Umweltbeauftragter René Rakebrandt und Bürgermeister Helge Zychlinski verfolgen die Drohnenvorführung sehr interessiert und hoffen, dass Landwirte und Lohnunternehmer gut kooperieren und ihre Flächen bei den Jägern zur Absuche anmelden. „Denn die Landwirte sind gesetzlich zur Kitzrettung verpflichtet.Sie beziehungsweise die von ihnen beauftragten Lohnunternehmer müssen für die Absuche der Flächen vor der Mahd sorgen“, erklärt Drohnenobmann Björn Wilstermann, der ebenso wie Götz Homes und Fynn Pflüger zu den drei mit Lizenz des Luftfahrtbundesamtes ausgebildeten Drohnenpiloten gehört, die in der aktuellen Saison im Einsatz sind.
Dabei geht es ihnen nicht nur darum, möglichst viele Kitze in den Wiesen aufzuspüren und in Sicherheit zu bringen, sondern auch Daten von den mit einer durchschnittlichen Fluggeschwindigkeit von elf km/h abgeflogenen Flächen zu sammeln. „ Wir führen ein Flächentagebuch. Das erleichtert die Arbeit für die nächsten Jahre, denn in der Regel sind es immer dieselben Grünflächen, die gemäht werden“. Mit der Drohne zuvor abgesucht werden, müssen sie allerdings nur jetzt vor dem ers-ten Schnitt. Bei den nächsten Schnitten sind die Kitze bereits so groß, dass sie die Wiesen selbstständig verlassen können beziehungsweise mit der Mutter mitlaufen.

Autor:

Anke Wiese aus Wedemark

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