Neuer Wirt – bewährter Name: Witwe Bolte

Wirt Michael Landmesser fühlt sich und seine „Witwe Bolte“ gut angenommen in Bennemühlen. Foto: A. Wiese
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Bennemühlen (awi). Seit April herrscht wieder Leben in dem Gasthof, der in den vergangenen Jahren unter verschiedenen Betreibern und Namen geführt wurde und zuletzt leer stand. Ein Name, der einen guten Ruf hatte und der Bevölkerung ein Begriff war, war „Witwe Bolte“, und als Michael Landmesser, der neue Wirt, das hörte, sagte er: „Ja, so soll der Gasthof wieder heißen!“
Er ist viel in der Welt herumgekommen, der Michael Landmesser, der aus Langenhagen stammt. Mit der „Witwe Bolte“ hat er sich einen Traum erfüllt. Denn sein eigener Herr ist er jetzt zum ersten Mal. Dass es ihm an Erfahrung dafür nicht fehlt, wird klar, wenn man sich seinen Lebenslauf anschaut.
Nach der Ausbildung als Patissier – Hotelkonditor – im Interconti-Hotel zog es ihn in die Welt. Zwei Jahre war er Koch bei der Bundeswehr, dann Chefpatissier im Hotel Elysee in Hamburg, im Intercontinental in Kairo, Abu Dhabi, im Ritz in Madrid und im Hyatt La Manga Club in Cartagena (Spanien). Hier entschloss er sich zu einer berufsbegleitenden Umschulung im food and beverage-Bereich, um noch mal etwas anderes machen zu können und arbeitete danach als Restaurantleiter, Bankettleiter und stellvertretender Wirtschafsdirektor in Belgrad. „Doch dann kam der Kosovo-Krieg und ich musste ausreisen“, erzählt Michael Landmesser. Es folgten neun Jahre als Hoteldirektor in Spanien und knapp sechs Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff.
Gerade als er mal wieder überlegte, seinem Leben eine andere Richtung zu geben, erzählte ihm seine Schwester, die in Elze lebt, im benachbarten Bennemühlen gebe es „ein schönes Objekt“, das zu verpachten sei. Michael Landmesser sah es sich an und es war Liebe auf den ers-ten Blick. Zusammen mit seinem Sohn Guillermo Landmesser-Santos, der ihn unterstützt und seine Deutschkenntnisse verfeinert, bis er selbst ein Studium aufnimmt, führt Michael Landmesser die Witwe Bolte als Familienbetrieb. An Ex- und Interieur hat er nicht viel verändert, der Charme des alten Gebäudes sollte erhalten bleiben, erklärt er. Der Kachelofen wurde neu aufgebaut, eine Tür vom Gastraum zum Biergarten geschaffen, die Wände gestrichen, Beleuchtung und Küchengeräte erneuert. Mit einem Küchenchef, der in der Wedemark aufgewachsen und für die gute deutsche Küche ausgebildet ist und einem jungen Team flexibler Helfer ist Michael Landmesser an den Start gegangen. Geöffnet ist die Witwe Bolte in Bennemühlen sieben Tage die Woche: montags bis freitags von 17.30 bis 23.30 Uhr (warme Küche bis 22 Uhr), sonnabends von 15 bis 23.30 Uhr (Küche ab 17.30 Uhr) und sonntags wie feiertags durchgehend von 12 bis 22.30 mit Küche von 12 bis 15 Uhr und ab 17.30 Uhr und nachmittags dem Angebot von Kaffee und Kuchen, das allerdings momentan ausschließlich am Sonntag. Selbstgebackenem Kuchen versteht sich, und zwar wechselnde Torten je nach Saison, die einem Patissier alle Ehre machen. „Mein Konzept ist eine bodenständige, ehrliche Küche“, sagt Michael Landmesser: „Wer bei mir Bratkartoffeln isst, soll an die Bratkartoffeln seiner Oma erinnert werden.“ Vorausgesetzt natürlich, die waren gut. Schnitzel stammen ausschließlich vom Kalb, wie es beim Original Wiener Schnitzel üblich ist. Wer Schweinefleisch möchte, kann sich das Hammerkotelett bestellen, eine weitere Spezialität ist die Witwe Bolte Hähnchenbrust. Und natürlich gehört zur Stammkarte auch ein Super-Steak, betont Landmesser. Übrigens gibt es vor jedem Essen warmes Brot mit Kräuterbutter und ein kleines Süppchen vorweg. Portionen für Kinder oder Senioren sind kein Problem – immer nach dem Motto „Ganz nah am Gast!“.
Jeden dritten Donnerstag im Monat gibt es Spare Rips vom Grill. Gegrillt wird übrigens auch an diesem Wochenende: Es gibt Bratwürstchen und Nackensteaks, Rippchen, Vegetarisches und Salate. Der Biergarten ist offen, so oft das Wetter es erlaubt. Radfahrer sind hier ebenso gern gesehene Gäste wie Hundehalter oder Familien mit Kindern. Für die Kleinen hat der Wirt im Biergarten Sandkiste, Schaukeln und Rutsche installiert.
Was die neue Witwe Bolte noch auszeichnet, ist die eigene Kaffeemarke von der „Hannoverschen Kaffeemanufaktur“, die ein besonders magenschonendes Röstverfahren entwickelt hat. Die Bohnen stammen aus Costa Rica, Indien und Brasilien, natürlich als Fair Trade, und werden besonders langsam geröstet, so dass die Bitterstoffe verbrennen, was beispielsweise Sodbrennen vorbeugt. Sein Eis bezieht Landmesser direkt von Semmler und von Hemme-Milch. Einen Stammtisch gibt es auch schon in der Witwe Bolte. Der Saal kann selbstverständlich für Familienfeiern jeder Art angemietet werden. Und weil Michael Landmesser keine halben Sachen macht, schafft er sich demnächst auch noch einen Hahn und drei Hühner an – denn die hatte die Witwe Bolte schließlich auch!

Autor:

Anke Wiese aus Wedemark

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